Klare Regeln – faires Miteinander


Veröffentlicht am 19. April 2013

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Verhältnis Spieler und Vereine wieder ins Lot bringen

„Transfers, das mögen viele Fans bedauern, sind inzwischen ein fast alltäglicher Bestandteil unseres Geschäfts. Der Beruf des Fußballprofis ist zeitlich begrenzt, mehr als zehn, zwölf Jahre kann kein Spieler mit ihm gutes Geld verdienen. Es ist deshalb menschlich verständlich und vor allem auch legitim, dass jeder in dieser kurzen Schaffensperiode für sich so viel an Ertrag wie möglich herausholen will.

Für die einen misst sich ihr Erfolg im Verdienst, für andere in Titeln und Pokalen. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, dagegen wäre nichts einzuwenden, schließlich werden mit dem Fußball Milliarden umgesetzt. Und ich habe ebenfalls kein Problem damit, wenn ein Spieler mitten in der Saison zu mir kommt und sagt, er möchte so schnell wie möglich zu einem anderen Klub. Dann gilt es, die Modalitäten zu besprechen. Am Ende dieser Verhandlungen muss ein Ergebnis stehen, mit dem alle Seiten sportlich wie wirtschaftlich leben können; das heißt, der neue Verein zahlt eine angemessene Ablösesumme und der alte findet kurzfristig eine Alternative, um den Spieler gleichwertig zu ersetzen, was nie leichtfällt. Gibt es diese Gesamtlösung nicht, oder nicht sofort, neigen leider einige Spieler und ihre Berater dazu, diesen Prozess beschleunigen zu wollen – oft mit Methoden der Erpressung („Ich spiele nie wieder für euch“) und Nötigung („Ob ich unter diesen Umständen meine Leistung bringen kann, weiß ich nicht“), wie zuletzt bei mehreren Bundesligavereinen geschehen. Diese Auswüchse drohen unsere gesamte Branche in Verruf zu bringen. Sie sind zu bekämpfen.

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Wechsel gehören zum modernen Profifußball wie zum Beispiel das Foulspiel. Während aber der Regelverstoß auf dem Spielfeld von Schiedsrichtern geahndet wird, gibt es im Miteinander zwischen Spieler und Vereinen keine unabhängige Instanz. Die wäre dringend nötig, weil sich die Machtverhältnisse seit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 1995 dramatisch zugunsten der Profis verschoben haben. Spieler können jetzt nach Auslaufen ihres Vertrages ihren Verein ablösefrei verlassen. Für die betroffenen Klubs bedeutet diese Regelung eine Kapitalvernichtung von Millionen von Euros, die in der Wirtschaft ihresgleichen sucht. Das hat in der Praxis dazu geführt, dass die Klubs ihre Spieler vertraglich so lange wie möglich an sich zu binden versuchen. Die Profis sind dadurch in der komfortablen Situation, dass ihnen über einen großen Zeitraum die Sicherheit hoher Einkünfte garantiert wird. Die Vereine wiederum können nicht sicher sein, dass sie über denselben Zeitraum entsprechende sportliche Gegenleistungen erhalten. Sie haben sich damit in eine Art babylonische Gefangenschaft begeben, weil ihnen rechtliche Mittel und vertragliche Wege fehlen, dieser Abhängigkeit ohne nennenswerten Verlust zu entfliehen. Diese Dysbalance können auf Dauer allenfalls große finanzstarke Klubs aushalten. Von denen gibt es jedoch immer weniger. Hinzu kommt: Die Profis genießen trotz siebenstelliger Jahresgehälter weiter die Rechte eines ganz normalen Arbeitnehmers. Die Sanktionsmöglichkeiten der Vereine sind dadurch stark beschränkt. Hohe Geldstrafen für beispielsweise eigenmächtige Urlaubsverlängerungen könnte ein Arbeitsrichter wieder als unverhältnismäßig kassieren. Und: Bei den heutigen Einkommen sind selbst Bußen von 50 000 Euro letztlich Peanuts. Fußballsprofis, und das ist bislang der grundsätzliche Webfehler des Systems, sind prinzipiell keine Angestellten, sondern Unternehmer.

Entsprechend müsste die Vertragsgestaltung aussehen. Da sollten wie bei einem Bauauftrag an eine Firma Rechte und Pflichten für beide Seiten dezidiert niedergeschrieben werden – und entsprechender Schadenersatz bei Nichterfüllung. Auch wäre mehr Unterstützung seitens der nationalen und internationalen Verbände wünschenswert. Sperren für internationale Wettbewerbe wie die Champions League, zeitlich begrenzter Rauswurf aus der Nationalelf oder eine Wechselsperre für ein Jahr wären wirkungsvolle Instrumente, um die Machtbalance zwischen Spielern und Verein wieder auszutarieren. Davon würde der Fußball profitieren.“

(Felix Magath, Gastkommentar Hamburger Abendblatt, 18. Januar 2011)

 

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