Loyalität als Prinzip


Veröffentlicht am 19. April 2013

0 Flares 0 Flares ×

Bernd Hollerbach & Werner Leuthard: Sportsgeist, Qualität und Anstand

D’Artagnan wollte unbedingt Musketier werden und das Herz einer Königin erobern. Auf diesem Weg haben wir ihn in Kindertagen begleitet, dabei Mutters abendliche Sperrstunde mit der Taschenlampe unter der Bettdecke durchbrochen. Die Welt von Mantel und Degen fanden wir so toll wie die nachmittäglichen Fußballspiele auf dem Wäscheplatz. Manch Abenteuer der Kindheit geht verloren, da geht es Menschen wie Büchern. Den Leitspruch der tapferen Musketiere hat, wer ihn einmal gehört oder gelesen, niemand mehr vergessen: „Einer für alle, alle für einen!“

Solch Romantik kommt in unseren Tagen wesentlich nüchterner daher und liest sich so: „Am 25. Oktober 2012 verließen Hollerbach und Leuthard nach der Entlassung von Magath den Verein auf eigenen Wunsch.“ Ein eher unbedeutender Satz für eine menschliche Geste. Während andere Zeitgenossen sich in solchen Situationen gern „umorientieren“, haben diese beiden Männer getan was sie immer getan: sie waren konsequent und loyal.

imago10940104m_c

Auf Felix Magath konnten sie sich stets verlassen – er sich auch auf sie. So war es und so ist es. Ganz schlicht und einfach. Gegenseitige Wertschätzung bestimmte stets die Zusammenarbeit. Diese Männer vertrauen sich. Drei Menschen, die ein offenes Wort schätzen ohne es ständig im Munde zu führen und ihre gegenseitige Zuneigung nicht von schriftlich fixierten Vertragsklauseln abhängig machen, Sympathie nicht an Entlohnung koppeln. Keine Redenschwinger sondern Arbeiter an der Sache. Da haben sich drei Fachmänner nicht gesucht aber längst gefunden. Sie wissen was Fußball ist, was eine Mannschaft braucht, was gut für einen Spieler und wie man Titel und Pokale holt. Ein Erfolgstrio.

Magaths Fitness- und Konditionstrainer Werner Leuthard weiß anzupacken. Der Oberleutnant der Reserve verfügt über eine laute Stimme und einen harten Händedruck, aber vor allem über Kompetenz in Sachen Kondition und Fitness. Auf ein Ergebnis der Arbeit des Stabes Magath ist er besonders stolz. „Mannschaften, bei denen wir im Team von Felix Magath zuletzt gearbeitet haben, haben im Vergleich zu anderen Clubs relativ wenig Verletzte. So soll es sein.“

Über die Zusammenarbeit mit Magath sagt Werner Leuthard: „Unsere Arbeit basiert auf Partnerschaft. Ich schere mich auch nicht weiter um meinen Ruf, sondern möchte lieber im Team von Felix Magath Taten sprechen lassen. Magath weiß, Hollerbach und ich stehen fest und uneingeschränkt an seiner Seite und zu unserer gemeinsamen Arbeit. Anders geht es nicht. Mit persönlicher Klasse und seinem Willen zum Erfolg hat sich Felix alles erarbeitet, uns dabei zum Teil seines Teams gemacht.“ Seit 2002 gehen Leuthard und Magath einen gemeinsamen Weg, doppeltes Double in München und Sensationsmeisterschaft in Wolfsburg sind Wegmarken dieser Erfolgsspur.

Den tadellosen Musterprofi Bernd Hollerbach, dessen Einstellung („Was ich mache, mache ich richtig.“) auch der seinen entsprach, holte der Trainer Felix Magath 1996 als Spieler zum HSV. Seither achtet man sich. Bernd Hollerbach über Felix Magath: „Ich weiß um die Fähigkeiten von Felix Magath beim Aufbau einer Mannschaft. Wir ticken in Sachen Fußball einfach gleich. Wir kennen uns, wir schätzen uns. Wir legen die gleichen Maßstäbe an. Ich teile Felix‘ Werte und Philosophie, dass Zielstrebigkeit und professionelle Einstellung zum Erfolg führt. Außerdem haben wir viele Stunden beim Schafskopf verbracht. So etwas verbindet.“ Seit 2007 sitzt Bernd Hollerbach neben Felix Magath auf der Trainerbank. Zum erfolgreichen Magath-Team, welches die Meisterschaft nach Wolfsburg holte, gehörte an gewichtiger Stelle auch er.

imago07459138m_c

Magath und seine Assistenten sind längst Partner, eine verschworene Gemeinschaft in Sachen Fußball, wie es sie in der Intensität und Dauer im heutigen Berufsfußball nur noch selten gibt. Eben ein echtes Team. Weggefährten. Sollte der junge Gascogner d’Artagnan immer noch auf der Suche nach drei Musketieren sein und die Hoffnung auf Anstand, Ehrlichkeit und Loyalität nicht gänzlich begraben haben, dann wäre er bei den Menschen und Sportlern Bernd Hollerbach, Werner Leuthard und Felix Magath richtig aufgehoben. Das Herz einer Königin werden auch diese Männer ihm nicht schenken können, aber in Sachen Titel und Pokale wäre er an einer ziemlich guten Adresse.

Zur Person Werner Leuthard

geboren am 24. Januar 1962 in Hauzenberg (Bayern)

Sportlicher Werdegang
1992-1997: Konditionstrainer im deutschen Federations-Cup-Team (Tennis)
1999: persönlicher Fitnesscoach für Fredi Bobic

Trainerstationen
1999-2001: Konditionstrainer Spvgg Unterhaching
2001-2002: Fitnesstrainer beim FC Tirol

Arbeit mit Felix Magath
2002-2004: VfB Stuttgart
2004-2007: FC Bayern München
2007-2009: VfL Wolfsburg

Am 25. Oktober 2012 verließ Werner Leuthard nach der Entlassung von Felix Magath den VfL Wolfsburg auf eigenen Wunsch.

Zur Person Bernd Hollerbach

geboren am 8. Dezember 1969 in Würzburg

Sportlicher Werdegang
1988 spielte er für die Würzburger Kickers. Ab 1991 für den FC St. Pauli in der Bundesliga, darauf in der 2. Bundesliga.
1994/1995: Aufstieg mit dem FC St. Pauli und Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern.
1996: Hamburger SV unter Trainer Felix Magath.

Trainerstationen
2006-2007: VfB Lübeck

Arbeit mit Felix Magath
Ab Juni 2007: VfL Wolfsburg (Co-Trainer)
2009/2010: FC Schalke 04 (Assistent und Co-Trainer).
Ab 18. März 2011: VfL Wolfsburg (mit Felix Magath und Werner Leuthard).

Am 25. Oktober 2012 verließ Bernd Hollerbach nach der Entlassung von Felix Magath den VfL Wolfsburg auf eigenen Wunsch.

2 Gedanken zu „Loyalität als Prinzip

  1. norwood

    Ein schöner Text, nicht zuletzt wegen dem Verweis auf die Musketiere. Eine kleine Korrektur und eine Frage hätte ich allerdings noch. Zunächst: D´Artagnan wollte nie das Herz einer Königin gewinnen. Seine Liebe galt Constance, einer Hofdame, welche leider ein tragisches Schicksal ereilt.

    Und die Frage: Warum findet in dem Text Josef „Seppo“ Eichkorn keine Erwähnung? Mir ist zwar durchaus bewusst, dass er den Weg nach Gelsenkirchen nicht mit Ihnen weiterging, aber dennoch war es nahezu eine Dekade der Zusamenarbeit. Das empfinde ich, als Außenstehender ohne Wissen über einen möglich Zwist o.Ä., als sehr schade.

    Alles Gute weiterhin und danke für die Arbeit, welche Sie auf Schalke geleistet haben.

  2. Redaktion Magath & Fußball

    Lieber Fußballfreund und Leser,

    herzlichen Dank für die freundliche wie literarische Hinweisung. Auch wir schätzen Dumas père in seiner reinen Form, mögen die Geschichte der Musketiere und ihrer Leidenschaften. Die edle Constanze sollte hier also nicht unterschlagen werden. Ein bisschen wollten diese ehrenvollen Kämpfer des Königs wohl auch immer das Herz ihrer Königin „erobern“.

    In diesem Beitrag haben wir unser Augenmerk bewusst auf zwei Kollegen gelegt, denen Felix Magath auch persönlich sehr nah steht. Es ging hier ausschließlich um Bernd Hollerbach und Werner Leuthard.

    Über Grüße und Dank hat Felix Magath sich gefreut. Ihnen einen guten Tag. Für Hinweise, für Kritik und Anregungen bleiben wir stets dankbar.

    Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar