Wer muss runter?


Veröffentlicht am 3. Mai 2013

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Die Entscheidung im Bundesliga-Abstiegskampf naht

Der Titelkampf – sollte es in dieser Spielzeit jemals einen gegeben haben – ist längst entschieden. Lange schon lockt die Frage, wer die Meisterschale im 50. Bundesligajahr in Empfang nehmen darf, keinen Fußballfan mehr vor den Fernseher. Umso enger geht es dafür wieder einmal im Tabellenkeller zu. Dort streiten sich drei Spieltage vor Saisonende noch immer vier Mannschaften um jene zwei begehrten Plätze, die den Klassenverbleib garantieren. Während ein Team den direkten Gang nach unten antreten muss, bietet Relegationsrang 16 zumindest noch die Möglichkeit für eine verspätete Rettung. Magath & Fußball beleuchtet die Ausgangslage der Kontrahenten vor den entscheidenden Wochen im Bundesliga-Klassenkampf.

An der Weser steht Werder Bremen am Samstag ein wahres Endspiel ins Haus. Mit einem Sieg über die TSG aus Hoffenheim würden sich die Grün-Weißen wohl so gut wie aller Abstiegssorgen entledigen. Nach zuletzt zehn Partien ohne dreifachen Punktgewinn wäre ein Erfolg über den Gast aus dem Kraichgau Balsam für die geschundene Werder-Seele. In Leverkusen zeigten sich die Bremer zwar schon deutlich verbessert gegenüber der Vorwoche (da verlor man daheim 0:3), vermochten es angesichts der knappen 0:1-Niederlage aber trotzdem nicht, Zählbares mit in den Norden zu bringen. Dennoch bedankten sich die mitgereisten Fans mit Treuebekundungen an die Adresse von Thomas Schaaf, das allein spricht für sich. Natürlich brachte der Rauswurf von Marko Arnautovic und Eljero Elia nach deren nächtlichen Eskapaden noch einmal Unruhe zur Unzeit – nichtsdestotrotz aber geht Werder als klarer Favorit und mit den besten Karten ins Saisonfinale. Zwei Heimspiele und ein durchaus machbares Restprogramm sind die entscheidenden Trümpfe.

Fazit: Ein zweiter Bremer Abstieg nach 1981 ist mehr als unwahrscheinlich. Die Erfahrung von Thomas Schaaf und die individuelle Klasse des Teams wenden das Worst-Case-Szenario an der Weser ab.

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Derweil schrillen auch bei Fortuna Düsseldorf die Alarmglocken. In der Rückrundentabelle mit nur neun Zählern gar noch geringfügig schlechter als der Nordclub und punktgleich mit Schlusslicht Fürth, wartet der Aufsteiger nunmehr seit neun Spielen auf einen Dreier. Schlimmer noch, von den letzten fünf Begegnungen gingen vier verloren. Da nützt es wenig, dass der Mannschaft von Norbert Meier wie zuletzt in Hamburg und gegen Borussia Dortmund (jeweils 1:2) oft nur Nuancen zum Punktgewinn fehlen. Ruhe und Besonnenheit könnten dieser Tage am Rhein also die bestimmenden Schlagworte sein, nicht nur Manager Wolf Werner („Wir brauchen einfach die Ruhe im Abstiegskampf.“) weiß das. Allerdings meint es der Spielplan nicht gerade gut mit den Fortunen, die in Frankfurt und Hannover noch zweimal auswärts antreten müssen. Und in der Fremde hat der Traditionsclub, der zu Saisonbeginn noch fünfmal in Folge ohne Gegentreffer und sechsmal nacheinander ungeschlagen blieb, bekanntlich so seine liebe Mühe.

Fazit: Planungssicherheit hat in den kommenden Wochen zunächst wohl allenfalls Robbie Kruse. Der australische Angreifer (vier Tore) wird 2013/2014 in Leverkusen mit Sicherheit erstklassig spielen. Ansonsten dürfte in Düsseldorf aber bis zur letzten Minute gezittert werden – eine Sonderschicht in der Relegation, womöglich gegen den rheinischen Rivalen aus Köln, scheint möglich.

Gibt es ein besseres Sinnbild für die Stärke des FC Augsburg in diesem Kalenderjahr als Sascha Mölders? Der Vollblutstürmer verpasste zwar das komplette erste Saisondrittel aufgrund eines Knöchelbruchs, ist mit stolzen zehn Toren in nur 21 Spielen seither aber der Garant für die neuerliche Aufholjagd der Schwaben. Zur Winterpause abgeschlagen mit nur neun Pünktchen auf Platz 17 – dafür aber zehn Zählern Rückstand auf das rettende Ufer – war der FCA für viele eigentlich schon abgestiegen. Selbst kühnste Zweckoptimisten hätten bei Saisonhalbzeit wohl nicht daran geglaubt, dass die Fuggerstädter in der Rückserie ein derart beeindruckendes Comeback würden hinlegen können. Inzwischen aber dient der sympathische Verein aus dem Süden als leuchtendes Beispiel dafür, dass sich Teamgeist und Geduld – trennte man sich im Winter doch trotz scheinbar aussichtsloser Lage nicht von Chefcoach Markus Weinzierl – im Profigeschäft mitunter auszahlen können. Nicht erst der ebenso deutliche wie hochverdiente 3:0-Heimsieg über den VfB Stuttgart am vergangenen Spieltag darf als deutliches Signal der Augsburger Willensstärke auf der Zielgeraden gewertet werden. Diese ist mit schweren Auswärtsaufgaben in Freiburg und beim kommenden Deutschen Meister zunächst mehr als steinig. Ein Heimspiel ausgerechnet gegen Fürth am 34. Spieltag aber nährt die Hoffnung auf ein weiteres Bundesligajahr.

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Fazit: Der FC Augsburg wird in den entscheidenden Wochen vom mit Abstand größten Rückenwind aller Kellerkinder getragen. Platz sechs in der Rückrundentabelle setzt jenes Vertrauen in die eigene Stärke frei, das letztlich den Unterschied zugunsten der Schwaben ausmachen kann. Die direkte Rettung ist greifbar.

Bleibt noch die TSG 1899 Hoffenheim. Vollmundig sprach man beim selbsternannten Dorfclub im vergangenen Sommer von Europa, ja, mittelfristig war für die mit einer Vielzahl an namhaften Akteuren und gut dotierten Verträgen bestückten Kraichgauer sogar die Champions League das erklärte Ziel. So weit, so gut. In der nun beinahe vollständig zurückliegenden Spielzeit aber lief alles anders, als geplant. Während den drei Auftaktpleiten zwei deutliche Siege folgten dachte man schon, 1899 hätte sich gefangen. Doch weit gefehlt, das Schlimmste stand noch immer bevor. Denn bis zur Winterpause wurde in der Folge nur ein einziges Mal gewonnen, sechs Niederlagen zum Jahresausklang am Stück bedeuteten schließlich die schlechtestes Halbserie der zugegebenermaßen noch recht jungen Hoffenheimer Bundesligageschichte. Markus Babbel war da schon nicht mehr im Amt, interimsweise betreute der vormalige Reserve-Coach Frank Kramer im Dezember eine völlig verunsicherte Elf. Mit Marco Kurz übernahm dann zu Beginn des Jahres einer, dem man zunächst Abstiegskampf und/oder Neuaufbau gleichermaßen zutraute. Auch dieser aber wurde Anfang April, als das Abstiegsszenario immer bedrohlichere Formen annahm, gemeinsam mit Manager Andreas Müller von seinen Aufgaben entbunden. Unter Markus Gisdol gelangen der TSG zuletzt immerhin zwei Siege und sieben Punkte in vier Partien. Doch wie viel kann der Retter mit der blonden Mähne im Saisonfinale noch bewirken?

Fazit: Trotz Markus Gisdol (Sejad Salihovic: „Er hat eine klare Linie und weiß genau, was er will.“) und einer spürbaren Aufbruchsstimmung im Kraichgau sind die Hoffenheimer Chancen auf den Klassenerhalt eher gering. Ein schweres Restprogramm – niemand sollte ernsthaft denken, ausgerechnet der BVB würde am letzten Spieltag, eine Woche vor dem Champions League-Finale, Geschenke verteilen – und das schlechte Torverhältnis könnten den ersten Bundesliga-Abstieg besiegeln. Allenfalls Relegationsrang 16 scheint noch im Bereich des Möglichen.

Redaktion Magath & Fußball

Die Ausgangslage drei Spieltage vor Schluss:

14. Werder Bremen 32 Punkte 45:60 Tore (-15)
15. Fortuna Düsseldorf 30 Punkte 37:49 Tore (-12)
16. FC Augsburg 30 Punkte 30:45 Tore (-15)
17. 1899 Hoffenheim 27 Punkte 37:60 Tore (-23)

Das Restprogramm der verbliebenen 4 Abstiegskandidaten:

Bremen: Hoffenheim, Frankfurt, Nürnberg (A)

Düsseldorf: Frankfurt (A), Nürnberg, Hannover (A)

Augsburg: Freiburg (A), München (A), Fürth

Hoffenheim: Bremen (A), Hamburg, Dortmund (A)

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