50 Jahre Bundesliga = 50 Jahre Fankultur


Veröffentlicht am 7. Mai 2013

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Ihre Treue kennt keine Ausstiegsklausel, es bindet sie kein hochdotierter Vertrag. Fan ist man für immer – eine verläßliche Größe für den eigenen Verein. Einmal infiziert, kommen Fans immer wieder und bleiben ein ganzes Leben. Weder furchterregende Kilometerzahlen noch schlechte Bahnverbindungen zu entlegenen Orten oder die Widrigkeiten von Wind und Wetter können sie aufhalten. Selbst tragische Tabellenstände und schlimme Leistungen des eigenen Teams lassen ihre Liebe nicht erkalten. Ob im Fußballhimmel der großen Erfolge oder im Jammertal der Tabelle, auf sie war und ist immer Verlass. Deutschland ist berechtigt stolz auf 50 Jahre Bundesliga. 50 Jahre Fankultur gehören untrennbar dazu. Die Erfolgsgeschichte Bundesliga lebt von ihren phantastischen Möglichkeiten, gesunden Strukturen, tollen Spielern, großartigen Mannschaften und solide geführten Vereinen. Diese Bundesliga lebt aber auch durch die Fans, die allem den richtigen Farbtupfer geben, deren Begeisterung ihre Vereine durch die Spieltage trägt und deren Enthusiasmus die Liga mitprägt.

Einst marschierte Vater mit der Zigarre im Mund und dem Kleinen an der Hand ins Stadion, es sah alles einen Tick farbloser aus, aber grenzenlose Leidenschaft damals wie heute. Die Zeit der grauen Mäntel und Hüte ist längst vorbei. Heute ist die Fan-Welt entschieden lebendiger, spiegelt die Bandbreite unserer Gesellschaft. Oftmals ist die gesamte Familie elektrisiert von ihrem Verein, geht in Gesamtheit ins Stadion.

Manch nassforscher Markenmanager möchte aus Fans gern Kunden machen, als ginge es um einen beliebigen Einkauf im Supermarkt. Vom Herz des Fußballs und seiner Anhänger sind solche Überlegungen oft Lichtjahre entfernt.imago05847324m_c Dabei ist der Fan eine wichtige Lebensader des Vereins. Der Fan ist nah am Verein, ihm immer auf der Spur, bleibt seinem Team auf den Fersen, hält nie Distanz, schafft stets unterstützende Nähe. Ein Fan schaut nicht nur Spiele seiner Mannschaft, man zittert und fiebert, schafft den Rahmen und lebt Fußball. Der Fan liefert die totale Identifikation mit seinem Verein und ist darin manchem Profi um Längen überlegen.

Wer je in ein „Geisterspiel“ zappte, wird sich an gähnende Trostlosigkeit erinnern. Die ablaufende Bundesliga Saison brachte an einigen Spieltagen kollektives Anfangsschweigen mit sich, eine Fan-Reaktion auf ein neues Sicherheitskonzept. Die Szenerie wird noch allen vor Augen stehen, ein Schweigen das nachklingt. Irritiert war ein TV Publikum, die Vereinsverantwortlichen wie die Spieler. Der Fußball schien zu verstummen. Keine verbalen Reporterpurzelbäume konnten etwas herbeireden was nicht vorhanden war: Stimmung. Keine Aktion auf dem Rasen vermochte diese Beklemmung zu lösen. Erst als der Stimmungsmotor wieder angeworfen wurde, hatte der Fußball seinen Herzschlag zurück. Fußball ohne Fans bleibt eine leblose Veranstaltung.

In prekären Situationen weichen Fußballfieber und aufflammende Euphorie manchmal Unmut, der dann oft auch grenzwertig wird. Auch die Fanwelt kennt Schattenseiten. Fehlverhalten findet man nicht nur bei Spielern oder Vereinsverantwortlichen. Wenn kleinste Minderheiten – deren Taten in der Außenwirkung oft verheerend für den Fußball sind – die ganze Fankultur in Misskredit bringen, leidet nicht der Sport oder der Verein an erster Stelle, es sind die tausenden friedlichen Fans und ihr Umfeld, die als erstes Opfer werden.

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Längst hat die Fankultur die Begrenzung der Stadien verlassen und sich die Weiten des Netzes erobert. Wer einen Streifzug im Internet macht, der kann sich eine bunte Reise durch die Welt des Fußballs gestalten. Abseits von offiziellen Vereins- und Fußballportalen gibt es eine individuelle Fußballkultur. Ob einzelne Fans oder Fangruppen, ob kleine und kleinste Vereine im Amateurbereich, mit einfachen Mitteln und vielen pfiffigen Ideen wird dem Fußball in Text und Bild gehuldigt, Fußballleidenschaft pur.

Was Fußballfans vermögen, bei der WM 2006 in Deutschland wurde es bewiesen. Im „Sommermärchen“ entfachten Fans einen frohen Fußballorkan, an dem die Welt teilhaben durfte. Ungehemmte Freude wie beim Karneval in Rio. Fußballfans außer Rand und Band, die auch in dieser Millionen-Masse stets friedfertig blieben. Mit britischer Fairness und südländischem Feuer zeigten sich deutsche Fans der Welt. Der positive Eindruck hallt bis heute nach.

Die Bundesliga ist Teil dieser Fanwelt. Sie ist mit 50 Jahren so jung wie noch nie. Ein Teil ihrer ewigen Jugend bezieht sie aus den immer wieder nachfolgenden Fangenerationen. Möge dies noch lange so bleiben.

Redaktion Magath & Fußball

2 Gedanken zu „50 Jahre Bundesliga = 50 Jahre Fankultur

  1. Micha

    Hallo Felix,

    Im Jahre 1969 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen, die goldenen 80er Jahre des HSV im Volksparkstadion miterlebt, die Bundesliga war für mich immer ein wichtiger Bestandteil meiner Freizeitgestaltung.
    Obwohl ich seit rund zwanzig Jahren im Ruhrpott lebe bin ich selbstverständlich noch großer HSV-Fan.

    Aber die Emotionen sind fast verschwunden, die Entwicklung in der Bundesliga gefällt mir nicht.

    Damals haben die Spieler ihr Trikot noch mit Stolz getragen, die Fans hatten Idole auf die sie sich verlassen konnten.
    Undenkbar zum Beispiel dass Manni Kaltz nach München oder Paul Breitner nach Hamburg wechselt.
    Natürlich, Wechsel zu anderen Vereinen gab es immer und das ist ja auch legitim.
    Aber heute scheint es zum guten Ton zu gehören, möglichst oft zu wechseln, egal wohin, Hauptsache die Kohle stimmt.
    Mit „seiner“ Mannschaft kann man sich nicht mehr identifizieren, wenn die besten Leute zum Erzfeind wechseln oder gerade von diesem geholt wurden.
    Ich kann keinem Spieler zujubeln, den ich in der letzten Saison noch ausgepfiffen habe.

    Ein Fan, in der Regel ein gewöhnlicher Malocher mit „normalem“ Einkommen – vielleicht 1500-2000 Euro monatlich – kann nicht verstehen, dass sein Star, der dem eigenen Verein die Treue geschworen hat, zur Konkurrenz geht, weil er dort dann nicht nur zwei sondern vier Millionen Euro im Jahr verdient (…..Neuer…../Zahlen geschätzt).

    Es macht keinen Spass Angst davor zu haben, dass ein Spieler zu gut ist/wird, weil er dann sowieso weggekauft wird.

    Klar, ich gucke weiter Bundesliga, aber nicht mehr mit soviel Herzblut wie früher.
    Und wenn ich mal einen Spieltag verpasse, geht die Welt – anders als damals – auch nicht unter 😉

    Liebe Grüsse Micha

  2. Wilfried Schade

    Mit der Raute im Herzen geboren und sicher …………………….
    auch irgendwann zu Grabe getragen zu werden.

    Mein erstes Fußballspiel im Volksparkstadion sah ich gegen Burnley an einem kalten Tag in 1961 und danach das zweite gegen Barcelona 2:1 ( mit dem -leider- Tor ) kurz vor Schluss. Danach einige Jahre Rotherbaum und einige Gruppenspiele um die Deutsche Meisterschaft im VP Stadion. Ab 1963 ab und an mal Bundesliga und regelmäßig dann so ab 1966 / 1967 wo ich allein ins Stadion fahren durfte. Erst eine Zeitlang immer Ostkurve aber das Leben war ja im Block E in der Westkurve.
    Später dann mit meinen Kindern erst auf der Südtribüne mit Dauerkarte und in der neuen Arena die Kinder stehend in 25 a und ich sitzend in 25 b und später c. Zuerst wollten die Kinder die Dauerkarte nicht mehr und seit 5 Jahren habe ich auch keine mehr, denn die Leistungen sind mir zu schlecht und schwankend um im Voraus eine ganze Saison vorzufinanzieren. Außerdem friert man „im Alter“ leichter und so bequem ist ein Besuch nicht mehr. Zudem kommen wir aus dem Umland und der gesamte Nachmittag ist für solche Schrottspiele zu kostbar.
    Ich war über 30 Jahre mit Kuno Klötzer eng befreundet und habe daher aber auch aus dem beruflichen Umfeld viele HSV Größen , aber auch „Möchtegern-Größen“ persönlich kennen gelernt. Ich habe zwar ein wenig Abstand gewonnen und die Hände sind nicht mehr ab 15:15 am Samstag schweissnass, aber die Raute im Herzen und die Liebe zum Verein bleibt.

    WS

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