HSV – Triumph vor 30 Jahren


Veröffentlicht am 21. Mai 2013

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„Fantastico Gol, forza Magath!“

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Michel Platini schritt, eine Mischung aus französischer Präsident und italienischer Feldherr, über den Rasen des Olympiastadions zu Athen, als gelte es die Champions League-Trophäe ohne Spiel und Aufwand gleich mitzunehmen. In feinem Zwirn und teuren Schuhen gewandet, nahm er den Rasen so beiläufig ab wie sein Blick unbeteiligt über die HSVler in ihren Trainingsanzügen glitt. Auch Felix Magath schenkte er keine größere Beachtung, dieser allerdings prägte sich nicht nur jeden Grashalm, sondern auch die Gesten und Gesichter der Konkurrenz ein. Sein Trainer Happel hatte ihm und einigen ausgewählten Spielern vor wenigen Stunden etwas mit auf den Weg gegeben, „konzentriert euch“. Magath nahm seinen Trainer beim Wort. Der Angstschweiß vom Mittagsschlaf war vergessen, die unbesiegbare Juventus-Startruppe auch nur eine Mannschaft. Aber was für eine! Im Tor eine lebende Legende, Dino „Nazionale“ Zoff, an seiner Seite eine Garde Weltmeister, Tardelli, Scirea, Rossi, Cabrini und Gentile, außerdem die beiden Weltklassespieler Boniek und Platini. Wie konnte man denen ans Leder? Happel: „Die Italiener haben das Spiel schon abgehakt. Die sind sich zu sicher.“

Gespielt waren acht Minuten, als Magath auf der linken Seite den Ball bekam. Noch keine Gefahr für Juventus. Aber Magath tritt an und marschiert Richtung Tor. Ein Weltmeister stellt sich ihm in die Laufbahn, Magath täuscht rechts, zieht links vorbei, die Italiener haben das Nachsehen. Magath erinnert sich in dem Moment an eine alte wie einfache Fußball-Weisheit: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann schieß!“ Aus 18 Metern knallt er dem großen Dino Zoff den Ball in den rechten Torwinkel. Magath reißt die Arme nicht sehr lang hoch, „achte Minute, bisschen früh“ denkt er. Sein Treffer und eine kompakte wie disziplinierte HSV-Elf kaufen der „Alten Dame“ allerdings in den noch verbleibenden 82 Minuten den Schneid ab. In der zweiten Halbzeit wich italienisches Selbstbewusstsein purer Ohnmacht, spielerisch hatte das große Juventus dem großen HSV nichts mehr entgegenzusetzen. Ratlosigkeit in den Gesichtern der Weltstars machte sich breit. Trainer Trapattoni konnte von der Bank keine Wende herbeiführen. Happels Hamburger dagegen wussten jederzeit, was zu tun war und blieben Herren im Athener Haus. Schlusspfiff: Hamburger SV – Juventus Turin 1:0.

imago04837141m_cMagath wurde mit diesem Tor zur Legende, schoss seinen Hamburger SV gegen die Startruppe von Juventus Turin zum Europacupsieg, holte die Champions League-Trophäe an die Elbe. Die ganze Mannschaft des Hamburger SV und ihr Trainer Ernst Happel schrieben an diesem Abend Fußballgeschichte. Der beeindruckende Sieg einer funktionierenden Mannschaft über ein Starensemble war zu bestaunen und etwas für Fußballlehrbücher.

In Hamburg ist Magath seither Kult. Bei den Juventus-Anhängern bis heute gleichermaßen schrecklicher Name und Rotes Tuch, Turin nicht wirklich seine Stadt. Der Rest Italiens feiert ihn wie einen aus ihren Reihen. Nach dem Finale taten es viele Tifosi auf Häuserwänden zwischen Rom und Neapel kund: „Magath eroe“. Fans von Inter Mailand wollten ihm später gar einen Pokal des Dankes überreichen. „Fantastico Gol, forza Magath!“ sang und jubelte man in Rom, Neapel oder Mailand. Wenn Magath in Italien weilt, gibt’s an der einen oder anderen Stelle als Dank auch mal eine Flasche Champagner und einen Freudenschrei. Allerdings nicht in Turin…

Redaktion Magath & Fußball

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