Wembley I – Der Sturm zieht auf


Veröffentlicht am 21. Mai 2013

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Gute Aussichten! Für wen? Für den deutschen Fußball, der schon jetzt Sieger. Noch eine gute Nachricht, auch nach dem 25. Mai wird weiter Fußball gespielt, Verlierer und Sieger dem Handwerk nicht abschwören. Einige Protagonisten des Cupfinals tun es künftig allerdings unter anderen Farben. Favorit? Wohl die Bayern, wer möge es bestreiten? Die Frage führt landauf, landab schon seit Wochen zu unendlichen Diskussionen. Haben die Bayern leichte oder deutliche Vorteile? Wie klein und wie groß sind die Außenseiterchancen der Dortmunder? Die Bayern werden den Favoritenstatus bis Samstag nicht mehr los, die Borussia sich im Außenseitermodus wohl fühlen. Die Dramaturgie des Tages scheint klar. Wirklich?

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Mit 25 Punkten Rückstand hinkt Dortmund hinter Bayern ins Meisterschaftsziel, so sieht Deklassierung aus. Die Dortmunder wird es im Moment nicht stören die Bayern nicht einlullen. Es lohnt ein Blick über den Tag. Die letzten drei Spielzeiten waren diese Mannschaften das Maß aller Dinge, keiner in der Bundesliga konnte ihren Takt halten oder Augenhöhe erreichen. Im Zeitraum 2010 – 2012 holte die Borussia von vier möglichen nationalen Titeln derer vier. Nun antworten die Bayern in 2012/13 wohl mit dem nationalen Double. Sollte ein Stuttgarter Pokalwunder dies verhindern? Die letzte Endspiel Konfrontation Bayern – Dortmund erinnert an einen furiosen Sieg der Borussia. Es war auch im Mai. Wir schreiben das Jahr 2012 im Olympiastadion zu Berlin. Dortmund nahm die Bayern auseinander und setze zwei glanzvoll erspielten Meisterschaften auch noch die Pokalkrone auf. Ein Team hatte sich gefunden und vollendet. Vielleicht schon seinen Titel-Höhepunkt erreicht? Freigesetzt wurden an diesem legendären Abend aber auf bayerischer Seite Energien die den Fußballkontinent erschüttern sollten. Der bayerische Fußball-Riese war verletzt, voller Zorn und nun endgültig geweckt. Es galt diese schwarz-gelbe Herausforderung nicht nur anzunehmen, sondern ihr auch zu begegnen. Wut und Ehrgeiz derer in München ließen alle Kräfte ballen und mobilisieren, Jupp Heynckes die beste Trainersaison seiner Karriere entfachen und die Bayern-Granden in einem von der Fußballwelt bestaunten Coup die Personalie Pepe Guardiola eintüten. Diesen alten, neuen Riesen Bayern, der aktuell in den Nimbus der Unbezwingbarkeit gleitet, hat wohl keiner mehr erschaffen als der Dortmunder Spielrausch der letzten Jahre. Ein Kompliment an beide Vereine und die Bundesliga, ein Glücksfall für den deutschen Fußball, ein starkes Signal Richtung Brasilien 2014.

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Die Öffentlichkeit kann sich im Vorfeld des Champions League Finales an so mancher Schlagzeile erfreuen. Zwischen „Jahrhundertduell“ und „Kampf der Giganten“ wird alles geboten was die deutsche Sprache liefert. Erstaunlich, wie erfreulich ist noch eine gewisse Beschränkung der Protagonisten in Sachen öffentlicher Scharmützel. Momentan beabsichtigen offensichtlich beide sich auf Fußball zu konzentrieren, alle Aufgeregtheiten einer beobachtenden und kommentierenden Öffentlichkeit zu überlassen. Man hätte natürlich Pfeile im Köcher. In München wie Dortmund pflegt man klare Töne in Sachen Fußball, lässt an verbaler Deutlichkeit nichts missen – da haben die Dortmunder inzwischen viel von den Bayern gelernt. Beliebige Weichspüler-Sprache, die mit Banalitäten das Publikum langweilt, ist in beiden Vereinen keine geschätzte Tonlage. Auch darin eben zwei Spitzenclubs und keine Provinzhasen. In München und Dortmund schätzt  man das deutliche Wort. Fans lieben Teams und Vereine auch wegen dieser klaren Kante.

An Anzahl von Finalteilnahmen und Titeln den Bayern hoffnungslos unterlegen, zogen die Dortmunder schon einmal in ein Champions League Finale, ausgerechnet in die gute Stube der Bayern, das Münchner Olympiastadion. In einem furiosen Endspiel besiegte man 1997 den Favoriten Juventus Turin mit 3:1, Lars Ricken der unvergessene Held des Abends. Die Alte Dame Juve musste damals erneut Bekanntschaft mit einem deutschen Außenseiter machen, der ihnen den großen Titel verwehrte. Dortmund stand Kopf. Einmal angetreten, einmal gewonnen. Es gibt schlechtere Omen. Die Bayern wissen große Titel des Öfteren in die Heimat zu bringen. Man gehört als Inventar zur Beletage des Weltfußballs. Aber sie kennen auch den Kelch bitterster Niederlagen. In Barcelonas Nou Camp hatte man 1999 die Siegertrikots schon übergezogen, da entschied sich ein gewisser Alex Ferguson einen Herrn Solskjaer einzuwechseln. Das bayerische Bier für die gleichnamigen Duschen wurde schal, die Niederlage gegen Manchester United hängt bis heute nach. Im vorjährigen „Finale dahoam“ hatte Bayern Spielanteile, Chancen und Vorteile für drei Finalsiege nebst einem Eckenverhältnis von 20:1, den Pokal nahmen aber die Minimalisten des FC Chelsea mit nach London. Bei den Bayern weiß man um die Favoritenrolle in Wembley. Hellwach und motiviert werden die Münchner sein, die Dortmunder es ihnen gleich tun und auf bayerische Nachlässigkeit weder setzen wollen noch können.

Die Fußballwelt erwarte sich ein Fest, Fußballfans haben einen glanzvollen Finalabend verdient. Fußballdeutschland darf sich auf diesen Tag in London freuen, egal ob am Ende München oder Dortmund in einen Feierrausch fallen. Mögen nicht Unwägbarkeiten und Ungerechtigkeiten dem Spiel dieser beider Klassemannschaften den Stempel aufdrücken, sondern die bessere Mannschaft als Sieger vom Platz gehen. Stolz auf beide Teams dürfen wir schon vor Anpfiff sein.

Redaktion Magath & Fußball

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