Ewige Rivalen


Veröffentlicht am 31. Mai 2013

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El Clásico: Hochamt des spanischen Fußballs

Der in die Jahre gekommene Gipfel zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona elektrisiert die Jugend, fasziniert Zuschauer in der ganzen Welt und lässt die Alten verträumt in Zeiten von Alfredo Di Stéfano und Luis Suárez schwelgen. Die Ausnahmestellung beider Mannschaften im heimischen Fußball, verbunden mit paralleler Teilnahme in Champions League und Copa del Rey, sorgen über die Standardtreffen der Meisterschaft hinaus mittlerweile für ein Dauer-Déjà-vu. Im Jahr 2012 traf man sich innerhalb von 18 Tagen sogar viermal. Das wurde selbst Real-Ikone Iker Casillas zu viel, der diese El Clásico-Anhäufung nur noch „ermüdend“ empfand. Was früher ein spanischer Saisonhöhepunkt, ist heute globales Spektakel.

Die Real-Legenden Alfredo di Stéfano (links) und Ferenc Puskás im November 1966.

Die Real-Legenden Alfredo di
Stéfano (links) und Ferenc
Puskás im November 1966.

Der Clásico brachte große und bittere Tage für beide Gegner. Einige Spiele haben längst Legendform angenommen. Über ihren Hergang ranken sich Mythen, die von Generation zu Generation verklärt wie weitergetragen werden. Am 27. Januar 1963 feierte Real Madrid den höchsten Auswärtssieg der Geschichte. 5:1 besiegten sie Barcelona in deren eigenem Stadion, eine Demütigung. Spieler des Tages war der Ungar Ferenc Puskás mit drei Toren und einer spielerischen Gala. Es war einer der letzten großen Auftritte der Real-Legende Alfredo Di Stéfano, der im Sommer 1964 seine Karriere bei Real beendete und ausgerechnet bei Espanyol Barcelona anheuerte. Der Stachel dieser Niederlage saß tief im Selbstbewusstsein der Katalanen.Elf Jahre später machte die Galavorstellung eines anderen Spielers, begnadet und genial wie Ferenc Puskás, aber diesmal in den Reihen von Barca, die Schmach mehr als wett. Am 17. Februar 1974 schlug der FC Barcelona – angeführt vom Holländer Johan Cruyff – mit einer eindrucksvollen Leistung die Madrilenen in deren Bernabéu Stadion mit 5:0. Real, mit Günter Netzer in seinen Reihen, hatte nicht den Hauch einer Chance. Madrid hielt den Atem an. Viele Menschen sahen in dieser Niederlage sogar eine Art Vorzeichen für das nahende Ende der Franco-Herrschaft. Günter Netzer im Rückblick: „Man fühlte, was dieser Sieg für die Franco-Gegner bedeutete.“ Es war der berühmteste Barca-Sieg der Geschichte, der bis heute auch den phantastischen Erfolg vom 2. Mai 2009 überstrahlt, als eine Barca-Mannschaft um Samuel Eto‘o im Bernabéu mit 6:2 gewann.

Die Rivalität der beiden Giganten liegt nicht nur im sportlichen Bereich begründet, kulturelle und sprachliche Barrieren zwischen Kastilien und Katalonien spielen ebenfalls eine Rolle im Duell der spanischen Großstädte. Mit Beginn der Diktatur Francos im Jahr 1939 wurde Fußball auch benutzt, um das Regime in der Außendarstellung aufzupolieren. Real wurde ein weltweit beachtetes wie geachtetes Aushängeschild Spaniens. Die großartigen internationalen Erfolge des Teams und der tolle Fußball des „Weißen Balletts“ in den europäischen Cup-Wettbewerben sorgten für immense Aufmerksamkeit. Barcelona verlor hingegen sogar seine Vereinsbezeichnung, musste sich CF statt FC nennen, durfte viele Jahre nicht sein Emblem auf dem Trikot tragen. Für Gegner des Franco-Regimes, Katalanen und Republikaner gab es das geflügelte und geflüsterte Wort: „Der FC Barcelona ist die Armee, die Katalonien nie hatte.“ Die Zeiten haben sich gewandelt und die Rivalität ist längst wieder zentral auf den sportlichen Bereich gerichtet, einige alte Wunden sind aber auch über viele Jahre noch nicht ganz verheilt. Einen identitätsstiftenden Beitrag in unserer Zeit liefert mit ihren großartigen Leistungen die spanische Nationalmannschaft, die sich vor allem auf Spieler von Barca und Real stützt und zum gemeinsamen Stolz der gesamten spanischen Nation geworden ist.

imago08378943m_cDen Clásico der Neuzeit prägten in den letzten Jahren zwei Spieler entscheidend mit. Der Portugiese Cristiano Ronaldo auf der Seite der Madrilenen und der Argentinier Lionel Messi im Trikot von Barca. Auch neben dem Rasen entwickelte sich ein brisantes Duell. Mit José Mourinho und Pep Guardiola prallten zwei Trainerauffassungen und Fußballwelten aufeinander.

Redaktion Magath & Fußball

Statistik

257-mal standen sich beide Clubs seit 1902 im direkten Duell gegenüber (Stand: 31. Mai 2013). 225 dieser Spiele hatten einen offiziellen Charakter, bei den restlichen 32 handelte es sich um Freundschaftsspiele.

  • In den bisher 225 offiziellen Clásicos fielen insgesamt 743 Tore (Real Madrid 379 – 364 FC Barcelona).
  • Die 743 Tore wurden von 251 unterschiedlichen Spielern erzielt.
  • Nur vier Spieler schafften es, ein Tor im Trikot beider Clubs zu erzielen: Luis Figo, Luis Enrique, Ronaldo und Josep Samitier.
  • Der erste Clásico fand am 13. Mai 1902, im Zuge der Copa de la Coronación (Krönungspokal Alfons XIII.), einem Vorgängerwettbewerb der Copa del Rey, statt.
  • Die beiden Spieler, die die meisten Clásico-Tore erzielt haben, sind Alfredo Di Stéfano und Lionel Messi mit je 18 Treffern.

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