Michael Ballack – Weltklasse!


Veröffentlicht am 3. Juni 2013

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Mitnichten unvollendet. Ein Abschiedsspiel mehr als verdient.

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Der Deutschen Hang zur Dramatik machte auch vor Michael Ballack nicht halt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, der einzige Weltklassespieler seines Landes, rettete er die Nationalmannschaft oft im Alleingang vor Blamage und Niederlage. Eben ein Kapitän. Viermal Deutscher Meister, einmal Englischer Meister, dreimal DFB-Pokalsieger, dreimal FA-Cupsieger, dreimal Fußballer des Jahres, 55-mal die Kapitänsbinde seines Landes am Arm. So eine Bilanz verdient sich in Deutschland zwischenzeitlich den Titel „Unvollendeter“. Weil dem aber zu wenig Dramatik innewohnt, klebt man noch flott ein „ewig“ davor. Dank sieht anders aus. Nun aber wohl – richtig so – Ende gut, alles gut.

Seit 1996 hat Deutschland keinen Welt- und Europameistertitel mehr gewonnen, da müssen also viele „Unvollendete“ am Werk gewesen sein. Benannt wird nur Ballack. Die „Goldene Elf“ der Ungarn zerschellte in Bern an Herbergers Jungs. Ferenc Puskás deswegen ein „Unvollendeter“? Sein späterer Real-Kamerad Alfredo Di Stéfano gilt als Urbild des Fußballers, kein EM- oder WM-Titel schmückt sein Haupt. Auch er „unvollendet“? Portugals „Goldene Generation“ versuchte alles, sogar eine Heim-EM und einen brasilianischen Weltmeistertrainer. Vergebens. Keine Titel. Figo & Co. also „Unvollendete“? Johan Cruyff war 1974 dicht dran, aber Sepp Maier und Gerd Müller verhinderten die Krönung. „Unvollendet“ auch er? George Best, Denis Law, Ryan Giggs, Paolo Maldini, Luis Suárez, Omar Sívori, Lew Jaschin, Oleg Blochin, Lato, Eusébio, Kaká, Kevin Keegan, Rivera, Eric Cantona, Pavel Nedvěd. Allesamt „unvollendet“? Eine Weltauswahl der „Unvollendeten“ oder gar der „ewig Unvollendeten“ wäre wohl ein Jahrhundertteam. Da wir Übertreibungen so sehr lieben, wohl ein Jahrtausendteam.

Am Ende und im Abschied der Spielerlaufbahn des Jungen aus Görlitz auch unschöne Kapitel, hier wie da. Auf offener oder versteckter Bühne drohten Respekt und Achtung auf die Verliererstraße zu geraten. Nach teilweise unwürdigem Hick-Hack, in dem auch Michael Ballack etwas unglücklich agierte, trübte sich der Blick auf den ehemaligen Bayern und Chelsea-Spieler. Diese Szenerie hat der Sportler und Mensch Ballack absolut nicht verdient, sie sollte der Vergangenheit angehören.

imago02164070m_cHängen wir alten Zoff lieber tiefer, rüsten rhetorisch ab, erfreuen uns im Rückblick – dankbar wie staunend – über Laufbahn und Karriere des Michael Ballack. Dieser Fußballer war jahrelang Teil unserer Liga und unserer Nationalmannschaft, hat seinem Land und seinen Vereinen auf den Plätzen dieser Welt Ehre gemacht. Sein Spiel wie seine Tore haben Fans helle Freude bereitet und Ekstase verursacht. Ein Aushängeschild des deutschen Fußballs par excellence.

Am 5. Juni 2013 zu Leipzig ist aus Anlass seines hochverdienten Abschiedsspiels Gelegenheit, die Dinge wieder ins Lot zu rücken, den Glanz dieses Sportlerlebens auch in der Vor- und Nachberichterstattung zu würdigen und im Zusammenhang mit dem Capitano ein schönes wie bescheidenes deutsches Wort in Anwendung zu bringen: Danke!

Redaktion Magath & Fußball

Zur Person Michael Ballack

geboren am 26. September 1976 in Görlitz

Vereine: Chemnitzer FC, 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, Bayern München, Chelsea FC

Vereinsspiele: 553 Spiele (134 Tore)

Nationalmannschaft: 98 Spiele (42 Tore)

Das Abschiedsspiel

Der letzte Auftritt Michael Ballacks wird seinem Motto „Ciao Capitano! Ein Abend mit Weltklasse“ in der ausverkauften Arena in Leipzig am Mittwoch, 5. Juni, vollauf gerecht. Zu Ehren des einstigen DFB-Kapitäns trifft das von Ballack angeführte Team „Ballack and Friends“ dabei auf eine Weltauswahl. Live zu sehen ist die Begegnung ab 20 Uhr im MDR.

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