José Mourinho vs. Pep Guardiola


Veröffentlicht am 21. Juni 2013

0 Flares 0 Flares ×

Wiedersehen vorprogrammiert – Explosion nicht ausgeschlossen

imago09410323m_c

An alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist José Mourinho, hat Verein, Standort und Perspektive gewechselt. In seiner Lieblingsstadt London ist er wieder Manager des FC Chelsea. Understatement war seine Sache nie, Bescheidenheit hält er für keine Tugend. „I am the European Champion. I think I am a special one.“ Der erste Einstieg in England war laut wie deutlich. Spott war dem Premier League-Newcomer damals sicher. Die Medien rieben sich die Hände. Was zählt schon ein Champions League Sieg mit Porto? Im Mutterland des Fußballs offenbar nicht viel.

Als Mourinho die Insel wieder verließ hatte er sechs Titel in der Tasche, darunter zwei Meisterschaften und einen FA-Cup. Fußballgrößen von Alex Ferguson über Arsene Wenger bis Harry Redknapp zollten ihm Respekt. Einige hatten ihn richtig lieb, andere derweil weniger. Die Liga war aufgemischt. Nach „dem Speziellen“ würde es nie mehr so sein wie vorher. Den FC Chelsea – Londons Nobelclub aus dem Westen der Stadt – hatte er, unterstützt vom Geld des Roman Abramowitsch, als Spitzenteam der Liga und im europäischen Top-Wettbewerb etabliert. Am Team von der Stamford Bridge würde künftig keine Titelvergabe mehr vorbei gehen. So blieb es seit den Zeiten von José Mourinho. Nur die verflixte Champions League wollte ihm dort nicht gelingen. Darum kümmerte sich dann ein anderer. Nun also die Rückkehr und kollektiver Jubel im Mutterland des Fußballs. Was den einen ihr Mourinho ist den anderen ihr Guardiola.

In München, bei den Bayern, heuert zeitgleich der Gegenspieler aus Katalonien an. Mourinho ein Rückkehrer, Guardiola ein neues und spektakuläres Wagnis. Die Bayern momentan sicher wesentlich weiter als Chelsea. Aber sind sie auch uneinholbar enteilt? Wenn der Champions League-Sieger auf den Europa League-Sieger trifft, es wird sich ein Blick in Europas Fußballzukunft auftun.

Pep Guardiola hat ein lebhaftes Gefühl für die reale und die abstrakte Schönheit des Spiels, seine Anhänger schreiben ihm nicht nur asketische sondern fast messianische Züge zu, die Spielweise von Barcelona gilt als eine Art Glaubensbekenntnis der Anschauungen des Katalanen. José Mourinho dagegen kennt die Unvollkommenheit, die der Welt und dem Fußball innewohnt. Der Perfektionist macht sich diese Fehlerhaftigkeit zunutze. Aus den Schwächen von Inter baute er in der Champions League-Saison 2010 für Barca und Guardiola eine Hürde an der diese scheitern sollten. Beide sind besessen in Sachen Fußball, heitere Gelassenheit ist ihnen fremd, wenn es um die ganz großen Ziele geht. Scharfsinnig strotzen beide von unbegrenzter Tatkraft. Besitzt Guardiola aber die Fähigkeit, Dinge in sich hineinzufressen, ähnlich seinem Ziehvater Johan Cruyff, käme Mourinho nie auf solche Gedanken, er lässt den Emotionen freie Bahn, um die Folgen kann man sich dann später kümmern. Darin er seinem Vorbild Alex Ferguson gleich.

Im Unterschied zu Guardiola hat Mourinho seine Erfolge nicht nur an einem Ort eingefahren, er kann Spitzenfußball überall, diesen Beweis muss der Katalane noch erbringen, so beeindruckend seine Barca-Bilanz auch daherkommt. Beide machen dem Trainerberuf alle Ehre, Mourinho allerdings wesentlich vielschichtiger. Nicht erst Jupp Heynckes und die Bayern knackten den oft zitierten Barca-Code. José Mourinho gelang dies mit Inter Mailand und auch mit Real Madrid. Gespannt darf man den Moment erwarten, wo der Mann von der Stamford Bridge auf den Mann von der Säbener Straße trifft. Mag die Frage nach dem dritten Sieg in der Champions League dem ein oder anderen auch verfrüht scheinen, der Wettlauf hat längst begonnen.

Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar