Tage des Zorns und des Fußballs


Veröffentlicht am 24. Juni 2013

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Confed-Cup: Gastgeber und Weltmeister ohne Probleme im Halbfinale

„Der Zorn ist die gestaltende Kraft der menschlichen Zivilgesellschaft“, so wusste schon der große Heilige Thomas von Aquin zu sagen. Die Bürger Brasiliens sind zornig. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, Bildungschancen für Kinder, eine solide Gesundheitsversorgung und eine gesicherte Zukunft sind das Leben. Kein Tor oder Titel kann diese Prioritäten verschieben. Weltweite Aufmerksamkeit zog eine breite brasilianische Öffentlichkeit auf sich, die ihren Protest in landesweiten Massendemonstrationen zum Ausdruck brachte. Sorgen und Nöte einer ganzen Gesellschaft legten sich über das Spektakel Fußball. Bemerkenswert volksnah und am Puls der Fans haben sich die Spieler der Seleção und ihr Trainer in den letzten Tagen zu den Missständen in ihrem Land geäußert, sich mit den Protesten solidarisiert.

Zum Sport und zum Fußball. Auch da ein Fingerzeig der brasilianischen Nationalmannschaft. Es lässt sich ahnen, Brasilien wird – Weltrangliste her oder hin – ein gewichtiges Wort in Sachen Titelvergabe mitreden, den Gastgebervorteil durchaus nutzen können. Bis vor wenigen Tagen glaubten selbst einheimische Fans nicht wirklich daran. Beim Confed-Cup erkennt man erste Konturen der erfolgreichen Handschrift des Trainers Scolari. Seine Siegermentalität elektrisiert das Team. Man kann sich eine Weiterentwicklung dieser Mannschaft durchaus vorstellen. Scolari hat selber eine klare Ansage getätigt: „Wir müssen den Titel gewinnen, wenn wir Zweiter werden habe ich versagt.“ In Brasilien wird es unterhalb des Weltmeistertitels kein Sommermärchen oder Feierlichkeiten geben.

Geliebt wurden die Spieler Tahitis. Das Team war chancenlos und zog Sympathie auf sich. Es mag die Sehnsucht nach dem reinen und einfachen Spiel gewesen sein, das Bewusstsein um den Fußball nur um des Fußballs willen. Dafür gebührt den Männern von der Südseeinsel Dank und Respekt.

Der Confed-Cup bietet ein durchaus denkbares WM Halbfinale. Weltmeister Spanien ist natürlich dabei, die Titelhamster bleiben hungrig. Die Männer aus Italien sind auch immer gut für einen Knall, Deutschland kann ein Lied davon singen. Den Urus traut man kaum die WM-Qualifikation zu, sie quälen sich arg. Aber wenn sie in einem Turnier, dann ist einiges möglich. Mindestens Deutschland, Holland und Argentinien werden dieses WM-Halbfinale auch anstreben. Ob die Trophäe mit der vergoldeten Weltkugel in Südamerika bleibt oder von einer europäischen Nation mitgenommen werden kann, die Frage ist weiter völlig offen und wird auch von diesem Confed-Cup nicht beantwortet werden.

Redaktion Magath & Fußball

Halbfinalspiele Confed-Cup

Brasilien – Uruguay (Mittwoch, 26. Juni, 21.00 Uhr MEZ, Belo Horizonte)
Spanien – Italien (Donnerstag, 27. Juni, 21.00 Uhr MEZ, Fortaleza)

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