Gastgeber vs. Weltmeister


Veröffentlicht am 29. Juni 2013

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Brasilien und Spanien bestreiten das Finale um den Confed-Cup

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„Tanzen wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene“, Muhammad Alis Wortgewalt und sein grandioser Kampfstil haben das Boxen geprägt. Ein wahrer Champion, unerreicht bis heute. Als nach Jahren der Glanz am verlöschen, die Schritte schwer, die Schläge weniger präzis, da hatte er selbst im sportlichen Niedergang mehr zu bieten als die Herausforderer nachfolgender Generationen. Eben ein Champion. Sah man Vicente del Bosque während des Elfmeterschießens seiner Spanier gegen Italien, war man an Boxkämpfe großer Zeiten erinnert, alle Beteiligten hingen buchstäblich in den Seilen, die Option des „Handtuch werfen“ gibt es im Fußball nicht, es wäre an diesem Tag wohl geflogen.

Auch der Glanz der spanischen Champions schien zu bröckeln, reichte aber dennoch für einen Sieg. Gezeichnet von Spiel und Hitze hatte sich der sympathische Mann aus Salamanca in die Ecke der Trainerbank zurückgezogen. Sein Team wirkte während des Spiels ähnlich angeknockt wie ihr Trainer am Ende der Partie. Die Italiener hatten die Oberhand. Spanien taumelte. Nicht ihr Können, nur der Wolkenschuss eines Gegenspielers führte Spanien ins Endspiel. Iker Casillas mochte bei den Versuchen seiner Mitspieler gar nicht mehr hinschauen, er hätte es aber tun sollen. Selten sah man auf beiden Seiten in einem Elfmeterduell so souveräne Schützen, bis dann Bonucci kam… Den sah Casillas mit guter Sicht, er stand im Tor. Die letzte Kraft der Iberer reichte für Siegertaumel an der Eckfahne. Die Squadra Azzurra hatte den Weltmeister am Rand der Niederlage. Trainer Cesare Prandelli konnte Fußballitalien nach dem WM-Desaster 2010 wieder beleben, der Aufschwung seit der EM hält weiter an. Mit Italien ist zu rechnen. Spaniens Spieler werden gefordert wie nur wenige im Weltfußball. So viele Spiele und so viel Siege, alle erwarten stets ein Fußballfest nebst Überlegenheit, derweil die Herausforderer wachsen und kühner werden. Da darf man auch mal am Ende von Kraft und Spielkunst sein. Ein Halbfinalspiel im Confed-Cup ist weder Welt- noch Europameisterschaft, bei aller Ehre. Auch ein Xavi darf mal neben der Genialität spielen, geschenkt.

Italien hat gezeigt, wie man dem Weltmeister begegnen muss und welches Potential in dieser Mannschaft steckt. Italien hatte sich das Endspiel verdient, es sollte anders kommen. Spanien hat nun endgültig eine Ahnung, was den Weltmeister im nächsten Jahr erwartet, der Berg für die Titelverteidigung wird höher, die Gegner entschlossener. Was Spanien noch an Kraft in das Finale schleppt, ist nicht abzusehen. Finals können sie wie kein anderer. Brasilien ist ob der Endspielteilnahme euphorisiert, man sollte aber den spanischen Champion nicht unterschätzen, das ging schon bei Muhammad Ali für dessen Gegner mit bitteren K.O.-Niederlagen aus.

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Biss und Teamgeist hat diese Seleção. Man ist dabei, sich zu finden, die Straße zum erwünschten Spiel aber noch weit. Trainer Felipe Scolari redet von „ungefähr der Hälfte des Weges“. Auch dieser Sieg war glücklich, das Spiel der Brasilianer zerfahren. Uruguay nah dran an der Sensation. Ähnlich den Italienern forderten sie alles vom Sieger. Allen voran Edinson Cavani, der Sturmtank aus Neapel gab dem brasilianischen Real-Abwehr-Spieler Marcelo nebenher noch eine Schulung in Zweikampfführung und Verteidigungskunst.

Verdient oder nicht, Gastgeber wie Weltmeister stehen im Finale. Den Unterlegenen Italienern und Urus bleibt auch die letzte Pein nicht erspart, sie müssen sich in einem sinnlosen Spiel um Patz drei gegenübertreten. Diese „Platz-drei-Spiele“ sollten endlich aus den großen Turnieren verschwinden. Der Mitteleuropäer muss sich am Finalsonntag an ein Spiel um 24.00 Uhr gewöhnen, im nächsten Jahr gibt’s mehr davon. Ansetzungen, ein von den Fernsehanstalten diktierter Spielplan und die Kombination aus Tageszeit plus herrschenden Witterungsverhältnissen bescheren schon jetzt allen Verantwortlichen Sorgenfalten. Die enorme Hitze könnte im nächsten Jahr viel anrichten, das Thermometer sogar den Weltmeister machen. Dann doch lieber Elfmeterschießen.

Redaktion Magath & Fußball

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