Brasilien lebt


Veröffentlicht am 1. Juli 2013

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WM Generalprobe lässt auf und neben dem Platz Fragen offen

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Brasilien siegte verdient im Confed-Cup Finale und spielte über den Erwartungen. Spanien hingegen blieb im Finale unter den Erwartungen. Brasiliens Trainer Scolari und sein spanischer Kollege del Bosque werden damit umzugehen wissen, ein Wiedersehen nicht ausgeschlossen. Diese seltene Paarung des Weltfußballs könnte auch 2014 auf dem Finalplan stehen. Deutschland, Argentinien, Italien und andere Mitbewerber werden entschieden etwas dagegen haben. Wer dieser Tage Zuschauer und Seleção während der Hymne verschmelzen sah, der ahnt was den Gegnern im nächsten Jahr ins Haus steht. Ein ganzes Land will den Titel. Aber ein ganzes Land will auch Veränderungen. Fußball ist in Brasilien nicht mehr alles. Kein Confed-Cup wie jeder andere.

imago13892370m_cDie Endspielniederlage ändert nichts. Spanien ist Weltmeister, kann seinen Titel in 2014 verteidigen. Niemand wird die Spanier aus der Favoritenliste streichen. Die unter die Leute gebrachte Metapher von der Entzauberung mag für ein Spiel gelten, sie gilt sicher nicht für den spanischen Fußball und seine Nationalmannschaft. Keiner weiß dies besser als Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari, der gab gleich nach dem eigenen 3:0 Finalsieg seine Hochachtung vor dem spanischen Fußball und dessen Leistungsstärke zu Protokoll. Er und seine Brasilianer wissen auch um den Wert des Confed-Cup-Sieges. Sie kennen die Vergeblichkeit daraus den Weltmeistertitel zu machen. Bei drei Siegen ist es ihnen nicht gelungen, mit diesem vierten Triumph soll es anders werden, das erhoffte Aufbruchsignal ist geschafft. Ein sportlich gewichtiger Gastgeber wird die Fußballwelt im nächsten Jahr begrüßen und den Titel im Land behalten wollen.

Brasilien kann Weltmeister werden, so die klare Botschaft des Turniers. Trainer Scolari hat den ersten Teil seines Versprechens eingelöst, der Fußballnation wieder Hoffnung auf den Titel gegeben. Er hat sein Team zusammen, es wird kaum noch Veränderungen geben, nun beginnt der Feinschliff. Seine Mannschaft kann auf einer soliden Defensivbasis hohes Tempo gehen und verfügt über eine enorme Zweikampfstärke, für Tore war die Seleção immer gut. Disziplin und körperliche Fitness fordert Scolari von seinen Spielern, Zusammenhalt, Freundschaft und Solidarität erwartet er in der Mannschaft. Die Seleção scheint auf dem richtigen Weg. Dem „jogo bonito“, dem schönen Spiel, hat Scolari körperbetonten Fußball und Abwehrarbeit zur Seite gestellt, er will nicht in Schönheit sterben und dabei ohne Titel bleiben. Darin folgen ihm brasilianisches Publikum und Medien, ein Paradigmenwechsel in diesem fußballverrückten Land.

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Ein Sommer der Versprechen und der Hoffnungen auch neben dem Platz. Brasiliens Bürger haben den Blick auf Fußball und Großturniere verändert. Deren Präsidentin Dilma Rousseff gab nach andauernden Massenprotesten gewichtige Zusagen, von deren Einhaltung auch der Verlauf der WM 2014 maßgebend abhängt. Werden die Menschen enttäuscht, könnte das Turnier ein Desaster werden. Die Segnungssprüche Sepp Blatters, dessen hohe Meinung von sich und der FIFA als Quell aller Freude, werden die Brasilianer nicht beruhigen. Der FIFA täte ein ungeschminkter Blick in die Lebensrealität und Alltagssorgen von Menschen gut.

Fußball ist ein Wort, das in mannigfaltiger Weise verwendet wird, es wirkt als Mythos und als Wirklichkeit, ist Leidenschaft und Hobby von Millionen, große Unterhaltung für Millionen und ein Milliarden-Umsatzspektakel. Die Tage des einfachen Fußballs sind längst vorbei. Werbewelten, Sendezeiten, Übertragungsrechte und eine unaufhörliche Kommerzialisierung geben den Ton an, geben dem Sport seinen Takt vor. Was passieren kann, wenn der Fußball seine Fans verliert, davon bekamen wir in den Tagen des Confed-Cups eine Ahnung. Was Fans für den Fußball bedeuten, als Gänsehaut pur bekam man es beim Abspielen der brasilianischen Hymne hautnah zu spüren. Wie es in Brasilien weiter geht? Wer in einem Jahr Weltmeister wird? „Wir sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Redaktion Magath und Fußball

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