Die Sache mit dem Regenschirm


Veröffentlicht am 5. Juli 2013

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Steve McClaren wird Assistenztrainer bei Harry Redknapp

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Wenn es regnet wirst du nass. Soweit wollte es Steve McClaren nicht kommen lassen und griff – für einen Briten nicht untypisch – zum rettenden Regenschirm. Seit John Steed kennt man die Faszination von Schirmen, das Accessoire gehört zum Lebensgefühl der Insel. Einem englischen Nationaltrainer kann so ein Ding zum Verhängnis werden. So geschehen am 21. November 2007 in Wembley. England verspielte gerade die EM-Qualifikation gegen die Kroaten, währenddessen sich Nationaltrainer McClaren unter einem großen Schirm am Spielfeldrand vergrub. 2:3 verloren, aus der Traum – mal wieder. Immerhin, die Haare blieben trocken. So begann McClarens Leidenszeit und endete die Karriere als Nationaltrainer, die „Daily Mail“ gab den Ton vor: „Trottel mit dem Regenschirm“.

Steve McClaren war der geborene Assistent, seine Cheftrainer redeten in höchsten Tönen, waren voll des Lobes. Assistenten sind in England hoch angesehen, haben vielfältige Aufgaben für Manager, Team und den Verein. Wer wollte aber einem Soldaten den Traum vom General verübeln? Weihnachten 1998 begann eine gute Zeit, als zweiter Mann hinter Alex Ferguson heuerte Steve McClaren bei Manchester United an, gewann an der Seite des Schotten Meisterschaft, FA-Cup und Champions League. Dieses Triple und der Segen von Sir Alex machten die Runde, McClaren bekam eine Chefposition, wurde Manager beim FC Middlesbrough. Dort blieb er fünf Jahre, schaffte es bis ins UEFA Cup-Finale. Von dort wieder auf eine Assistentenstelle, die Trainerbank der Nationalmannschaft. Nach dem Abgang von Sven Göran Eriksson dann Nationaltrainer. Alles lief gut, bis der Regen kam. Die Sache blieb hängen. Diesen Ruf versuchte McClaren in der europäischen Fußballprovinz abzuschütteln. Im holländischen Twente wurde er Meister, im niedersächsischen Wolfsburg sollte er an Magaths-Glanz anknüpfen, den sich anbahnenden Abstieg des Vereins musste Felix Magath verhindern. In Nottingham wollte McClaren den ehemaligen Europapokalsieger zurück in die Premier League führen, vergebens. Am Ende nochmals Twente, hier lebte noch alter Meisterruhm, McClaren warf nach wenigen Wochen das Handtuch.

Bei den Queens Park Rangers wird Steve McClaren nun also neuer Assistent von Harry Redknapp, dem alten Schlachtross unter Englands Fußballtrainern. Sacharbeit unter den Fittichen eines starken Vormannes. Darin einem anderen Ferguson-Assistenten gleich, Carlos Queiroz. Dieser war genial als Mann hinter Ferguson. Als Cheftrainer bei Real Madrid und als Nationaltrainer von Portugal stolperte er in den zu großen Schuhen von del Bosque und Scolari. Vom Chefstuhl bei Real wechselte Queiroz umgehend wieder auf die Stelle neben Ferguson.

Redknapp holt sich McClaren für sein Projekt Aufstieg in sein Trainerteam. Der QPR-Manager hat selber eine Höllenzeit hinter sich. Erst ging er bei der Vergabe um Englands Nationaltrainer-Amt leer aus, dann musste er den Stuhl bei den Spurs räumen. Sein Rettungsversuch, die Queens Park Rangers in der Premier League zu halten, ging gründlich schief. Dieser Makel soll in dieser Saison korrigiert werden, der direkte Wiederaufstieg ist Ziel. Wie man im Regen steht und doch trockenen Fußes davon kommt, da weiß keiner besser Rat als Harry Redknapp. Den Schirm kann Steve McClaren künftig also getrost im Ständer lassen.

Redaktion Magath & Fußball

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