Fast ein Märchen


Veröffentlicht am 11. Juli 2013

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Der Weg des portugiesischen Fußballers Bébé.

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Schon der Name kann einem den Atem nehmen. Tiago Manuel Dias Correia, bekannter unter seinem Kürzel Bébé. Am 12. Juli 2013 wird er seinen 24. Geburtstag feiern. Kometenhaft sein Aufstieg, langsam der Absturz ins Alltägliche.

Seine Eltern wanderten von Kap Verde nach Portugal ein. Man lebte dort oft auf der Straße, Bébés Weg führte bald ins Waisenhaus. Dort fiel der Junge auf, sobald ein Ball in seiner Nähe. Schnell war er der Star im Block. Jugendliche seiner Gruppe bekamen 2009 die Möglichkeit, am Europäischen Street-Fußballfest teilzunehmen. Bébé schoss dort vier Tore in sechs Spielen, erregte Erstaunen. Sein Name machte in engagierten Sozialkreisen die Runde, er sollte in die portugiesische Nationalelf der Obdachlosen berufen werden. Zu dieser Berufung kam es nicht mehr. Ein heller Scout entdeckte den Jungen und empfahl ihn dem Zweitligisten Estrela Amadora.

Auf Anhieb spielte sich Bébé in die erste Mannschaft von Amadora. Ein Funke seiner Geschichte und sein überdurchschnittliches Können fanden bald den Weg zu portugiesischen Erstligisten. Vitória Guimarães sicherte sich seine Dienste und verpflichtete ihn für fünf Jahre, allerdings mit einer Ausstiegsklausel von 9 Millionen Euro. Als Bébé in der Saisonvorbereitung fünf Treffer in sechs Spielen erzielte, berichteten die Medien, aufmerksam wurde Portugals Nationaltrainer Carlos Queiroz. Dieser informierte umgehend seinen alten Chef Alex Ferguson. Queiroz hatte schon Ronaldo, Nani und Anderson für Manchester United entdeckt, das Fachurteil des Portugiesen wog schwer bei Sir Alex. Bébé verließ Guimarães noch während der Vorbereitung, Ferguson hatte zugeschlagen. Von der Obdachlosigkeit ans Old Trafford in weniger als zwei Jahren, eine Geschichte wie aus dem Märchen.

Sein Premier League-Debüt konnte der als Stürmer verpflichtete Bébé am 2. Oktober 2010 feiern, als Ferguson ihn kurz vor Partieschluss einwechselte. 24 Tage später schoss er im League Cup sein erstes Pflichtspieltor für United, Anfang November dann sein erster Auftritt auf der europäischen Fußballbühne im Champions League-Spiel gegen Bursaspor. Der Traum ging weiter. Die Medien stürzten sich auf die Geschichte, der Name Bébé hallte durch den Blätterwald, umgehend stagnierten Bébés Leistungen, es gab keine Einsätze mehr. Für die neue Saison wurde er an Besiktas Istanbul ausgeliehen. Dort kam es nicht zu einem Durchbruch sondern zu einer internen Spielsperre wegen Verletzung der Ausgangsregelung. Bébé konnte in Istanbul nicht Fuß fassen, schaffte aber den Sprung in die portugiesische U19 und U21-Auswahl.

Mit Beginn 2013 wurde Bébé von Manchester United an den portugiesischen Erstligaverein Rio Ave verliehen. Man wollte ihm mehr Spielpraxis in seiner portugiesischen Heimat ermöglichen. Dort endet das Märchen vorerst. Wie im richtigen Leben gibt es auch in Märchen das Böse. Für Bébé offenbar Manchester United. Sein Vorwurf, er bekäme nicht genügend Unterstützung, und persönliche Angriffe auf Alex Ferguson haben die Situation sicherlich nicht verbessert. Man wird weiter auf den außergewöhnlichen Fußballweg dieses jungen Mannes schauen, auf guten Ausgang hoffen. Er hat sich die Zukunft einst gewonnen –  mag der Fußball ihn nicht verlieren.

Redaktion Magath & Fußball

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