Der einzig wahre HSV


Veröffentlicht am 2. August 2013

0 Flares 0 Flares ×

Die Geschichte eines typischen Amateurvereins

Heisingen_Mallorca

Heisingen ist ein Stadtteil der Ruhrmetropole Essen. Er liegt mit seinen rund 13.000 Einwohnern im Süden der Stadt, direkt am Baldeneysee und gilt als bürgerlicher, mittelständischer Bezirk. Kohle wird schon seit 40 Jahren nicht mehr abgebaut, dafür steigen die Immobilienpreise. Ein typischer Stadtteil im strukturwandelnden Ruhrgebiet.

Natürlich hat Heisingen auch einen Fußballverein, den Heisinger SV 52/96. Bis in die 90er Jahre hinein waren es sogar noch zwei Vereine, der 1. FC Heisingen und die DJK Aufwärts Heisingen. Nachdem seit 1985 schon die Jugendteams als Spielgemeinschaft auftraten, schlossen sich die beiden Vereine im Jahr 1996 endgültig zum Heisinger SV 52/96 zusammen. Die „52“ steht für das Gründungsjahr des 1.FC, so dass der Verein im letzten Jahr sein 60-jähriges Jubiläum beging.

In den 60 Jahren brachten es zwei Sprösslinge sogar bis zu höchsten Profi-Ehren. Den einen kennt jeder: Jens Lehmann hat sein Handwerk in Heisingen gelernt, bevor er über den ETB Schwarz-Weiß Essen nach Schalke ging. Den anderen kennen wohl nur die wenigsten: Helmut Kafka; er spielte in den 50er Jahren sowohl bei Aufwärts als auch beim 1.FC in der Jugend und machte – stilecht – auf der Heisinger Zeche Carl-Funke eine Knappenlehre. Später wechselte er über Umwege zum Karlsruher SC und spielte Bundesliga. Soweit der Heisinger Anteil am Profifußball.

Doch was ist am Heisinger SV typisch für einen Amateurverein?

Logo_HeisingenDer Vorstand: Alle Mitglieder des derzeitigen Vorstands haben schon für den Verein die Stiefel geschnürt (und tun es in der „Alte Herren“ immer noch). Der 1. Vorsitzende ist Nach-Nachfolger seines eigenen Vaters, der für beide Heisinger Vereine gespielt hat und erster Präsident des fusionierten Vereins wurde.

Die Platzanlage: Voller Stolz wird seit 2009 auf Kunstrasen gespielt. Als eine der ersten Anlagen wurde die „Uhlenstraße“ in Essen mit Kunstrasen ausgestattet, zumindest das Seniorenspielfeld. Der Jugendplatz besteht noch aus roter Asche, die ein jeder Fußballer im Ruhrgebiet kennt und haßliebt. Wer erinnert sich nicht an aufgeschürfte Oberschenkel nach einem gelungenen Tackling und den stechenden Schmerz, den das Tragen von langen Hosen am Tag nach dem Spiel auf der Wunde verursacht hat? Betrieben wird die Platzanlage in Eigenregie; den Kiosk machen der 2. Vorsitzende und der ehemalige Mittelstürmer der 1. Mannschaft – maßgeblich unterstützt von ihren Ehefrauen und Kindern. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass das nicht hauptamtlich, sondern neben einer beruflichen Tätigkeit vollbracht wird.

Die Mannschaften: Der HSV hat vier Seniorenmannschaften im Spielbetrieb, eine „Alte Herren“ und knapp 400 Jugendliche im Alter von 3-18 Jahren. Die 1. Mannschaft spielt seit Jahren in der Bezirksliga, die anderen Mannschaften gestaffelt in den darunter befindlichen Ligen.

Wert gelegt wird beim HSV auf die Identifikation mit dem Verein. Die allermeisten Seniorenspieler haben auch schon in der Jugend für den HSV gekickt und kommen aus Heisingen. Hier wird nicht das große Geld verdient wie bei anderen Amateurvereinen. Das wissen die Jungs. Sie wissen aber auch, dass der Verein mit Herz geführt wird, dass zahlreiche Ehrenamtliche und Helfer Großteile ihrer Freizeit opfern, um ein intaktes Vereinsleben zu ermöglichen. Der HSV soll allen eine Heimat bieten, sportlich und sozial. Wir treffen uns „aufm Platz“. Das ist das geflügelte Wort und jeder weiß, dass er sich auf ein paar Bier und eine Bratwurst auf der Platzanlage einzufinden habe. Wer es sportlich etwas ruhiger angehen lassen will, kommt auch auf seine Kosten: Die 4. Mannschaft spielt Kreisliga C und wird als „Goldene Generation“ bezeichnet. Wo die „Goldene“ auftritt ist was los, wo der HSV auftritt ist was los.

Der Zusammenhalt der Mannschaften zeigt sich Jahr für Jahr in der teamüberspannenden Abschlussfahrt nach Mallorca – wo gute Fußballer hingehören. Es wird gemeinsam gefeiert und gesungen, am Ende steht das Motto genauso fest wie am Anfang: Nur der HSV!

Schreibe einen Kommentar