Nick Hornby – Sorge um den Fußball


Veröffentlicht am 17. August 2013

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imago56960090m_c„Ich hasse Geld als bestimmenden Faktor des Spiels. Es nimmt jeglichen Wettkampf aus einem Turnier. Wer wird nächstes Jahr Meister in Frankreich, Deutschland, England, Spanien? Es ist langweilig. Und Fans, die längst wissen, dass ihre Mannschaft sowieso nicht gewinnen kann, müssen trotzdem lächerlich hohe Eintrittspreise bezahlen. Aber es wäre schön, wenn wir zumindest in demselben Wettkampf wären wie der Rest. Ich verspüre langsam eine allgemeine Entzauberung, ein Schwinden des Interesses. Es gab diese Saison eine Menge leerer Plätze bei Arsenal, und das nach Jahren restlos ausverkaufter Spiele. Und es gab viele Touristen mit Fotoapparaten, die einfach nichts zur Stimmung im Stadion beitragen.“

„Der englische Fußball ist von Oligarchen und Scheichs ruiniert worden. Es gibt zu viele Fußballer in England, die zweihundertfünfzigtausend Euro in der Woche verdienen und keinerlei Interesse an dem Klub haben, für den sie spielen, geschweige denn so etwas wie ein Zugehörigkeitsgefühl verspüren. Nur drei Teams können die Meisterschaft gewinnen, und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Die Pokalwettbewerbe werden entwertet durch das Bedürfnis nach Champions League-Fußball. Viele unserer besten internationalen Fußballer kommen in ihren Klubs kaum zum Spielen. Beim Match von Manchester United gegen Real Madrid saß selbst Rooney auf der Bank! Ich habe keine großen Hoffnungen für die Zukunft des Fußballs in unserem Land. Aber vielleicht müsst ihr das auch irgendwann durchmachen. Bayern wirkt auch schon zu stark für die Bundesliga.“

(Nick Hornby, Schriftsteller, Arsenal-Fan, Autor von Fever Pitch, Interview Die Zeit, 27. Mai 2013)

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