George Best


Veröffentlicht am 28. August 2013

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Das Fußballgenie mit dem „verprassten Geld“

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Die graue Gewissheit eines unklaren Novemberhimmels lag über London. „George Best wird innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben. Seine Stunden sind gezählt. Es ist nicht möglich, dass er sich erholt. George Best ist am Ende eines langen Kampfes angekommen. Er wird nicht mehr zurückkehren.“ Die Botschaft erschütternd, die Aussage lapidar, ein Mediziner hat dafür immer den richtigen Ton, Prof. Roger Williams vom Londoner Cromwell-Hospital traf diesen. Nur nahe am Mikrofon stehende Zuhörer bemerkten das Beben in Williams‘ Stimme. Hier nahm auch ein Freund Abschied. Nun war alles gesagt.

Europas Fußballer des Jahres 1968, der einzige Spieler, den Pelé wirklich ob seines Könnens beneidete, steter und bekennender Alkoholiker, starb einen Tag später, am 25. November 2005 mit 59 Jahren. Da hatten sie in Belfast längst schon alle Tränen vergossen. Er war einer von ihnen, seinem Sarg folgten 100.000 Menschen, „come on George!“ zierte die Häuserwände. 361 Spiele bestritt George Best für Manchester United, schoss dabei 137 Toren und wurde mit den Red Devils 1965 und 1967 englischer Fußballmeister, holte 1968 den Europapokal, die heutige Champions League. Sein Trainer, der legendäre Matt Busby. Dieser verzieh Best alle Eskapaden, damit hatte er dann schon reichlich zu tun. Aber er wusste eben auch, was er am quirligen, einfallsreichen und mit allen technischen Gaben gesegneten Nordiren hatte. Wenn nichts mehr ging, dann galt das nicht für George Best. Zur Not musste er es eben allein richten. Dribblings über den ganzen Platz gab es schon vor Maradona und Messi, allerdings viel weniger Kameras, solche Spektakel auch einzufangen, von YouTube nicht zu reden. 37 Spiele für die Nationalmannschaft von Nordirland waren nur eine Fußballrandnotiz, George Best aber immer sehr wichtig.

imago01818673m_cDer Mann mit der Nummer sieben musste mit nur 26 Jahren seine Profi-Karriere beenden. Manchester United drängte auf den Rücktritt, eine Jahrhundertkarriere war vorbei. Alkohol, Glücksspiel, Frauen in Mehrzahl, Prügeleien und angetrunkene Trainingseinheiten, die Verantwortlichen nach Busby hatten längst kein Verständnis mehr. Es begann nun auch ein sozialer Abstieg, der Restruhm konnte noch in etwas Geldverdienen bei unterklassigen Vereinen und in den USA verwertet werden, doch die Fußballsonne über George Best war erloschen. Was folgte war ein unstetes Leben, viele unschöne Dinge im privaten wie geschäftlichen Bereich, davon muss nicht erzählt werden. 2002 dann fast das Ende, eine Lebertransplantation rettete Best das Leben. Allerdings hörte dieser nicht auf zu trinken, der Ausgang war absehbar. Kurz vor seinem Tod ließ er Fotografen an sein Krankenbett, brach auch hierbei mit bürgerlichen Normvorstellungen, der charmante Best-Blick, Schläuche und eine gelbe Gesichtsfarbe blieben in Erinnerung, vor allem seine Botschaft „don’t die like me“. Best warnte Jugendliche und Kinder vor den Folgen des Alkoholkonsums. In ärmlichen Verhältnissen in Belfast aufgewachsen, hatte er den Alkohol seit frühester Kindheit als Wegbegleiter, er wurde ihn ein Leben lang nicht mehr los.

Das Finale furios wie sein Spiel und sein Leben. Solche Trauermengen hatte es im Königreich nur bei George VI. und Winston Churchill gegeben. Die Premier League kündigte für das erste Wochenende nach dem Tod von George Best eine Schweigeminute in allen Stadien an. Die Choreographie dieser Trauerminute wurde von den Fans in allen Stadien unterlaufen, sie spendeten eine Minute lang stehend Applaus, eine letzte Ovation für einen der Größten, dem sie je bei seinem Spiel zusehen durften.

In einem Beitrag über George Best darf er natürlich nicht fehlen: „I spent a lot of money on booze, birds and fast cars. The rest I just squandered.“

Redaktion Magath & Fußball

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