Er machte die Menschen glücklich


Veröffentlicht am 2. September 2013

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Zum 100. Geburtstag von Liverpool-Legende Bill Shankly

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Im Zorn ähnelte dieser Schotte aus Glenbuck dem Donnergott Thor, in seiner Zuneigung konnte er herzlich und hilfreich sein wie Florence Nightingale. In Liverpool beim FC begann er 1959 und hat aus einem zweitklassigen Verein „The Reds“ geschaffen, dafür gesorgt, dass die Mannschaft zurückkehrt in die erste Liga. Detail- und erfolgsbesessen, mit Sachverstand gesegnet, schuf er einen der besten Fußballvereine der Welt, einen großen Club. Die Trikots des FC Liverpool gehören heute rund um den Globus zu den begehrtesten Ausstattungsstücken, die sich Fußballfans gönnen. Für den FC Liverpool zu spielen, bleibt Lebenstraum vieler Fußballer. 

Bill Shankly ist zu ehren! Sein Erfolgsrezept war einfach, er liebte den Sport und die Menschen, schätzte Arbeit über alles. Ehrlich rackernde Leute, die sich von ihrem mühsam erworbenen Verdienst eine Karte für den Fußball erwarben, die waren ihm seine liebsten Gesprächspartner. Stundenlang stand er nach Training oder Spiel mit ihnen am Zaun und schenkte seine Zeit. Als Champagner und VIP-Logen die Stadien eroberten, hatte er längst ausgedient. Zeit seines Lebens fühlte und bekannte er sich als Sozialist, weshalb ihm wohl der Adelstitel verwehrt wurde. imago08979797m_cIn Liverpool empfindet man diese gefühlte Zurücksetzung bis heute schmerzlich. Beim Titel „Sir Bill“ hätte Shankly wohl gelacht, er verfügte laut seinem Assistenten Bob Paisley über trefflichen Humor und einen Adel des Herzens, der Shankly mehr auszeichnete, als alle Huldigungen dieser Welt. Seine Person war ihm nie wichtig, Fußball und Menschen galt die einzige Leidenschaft. Ein anderer Schotte, dieser wurde zum Sir, verehrt auch er, der beim größten Konkurrenten eine noch größere Ära einleitete, Alex Ferguson, hat Shankly wegen dessen Besessenheit und seinem Streben nach Erfolg oft als sein Vorbild bezeichnet. In Liverpool werden heute noch Kinder nach Bill Shankly benannt. Ihn zu ehren, wurde eine Statue seines lebensgroßen Abbildes in Anfield errichtet, die natürlich vor der grandiosen Stehplatztribüne „The Kop“ ihren Platz gefunden hat. Auf dem Bronzesockel ist zu lesen „He made the people happy“. Shankly wird in Liverpool bis heute von Menschen geliebt, die ihm nie begegnet und erst geboren als er längst gestorben. Sein gerahmtes Credo „Ich bin ein Mann des Volkes – nur das Volk zählt“ findet sich noch heute, gemeinsam mit seinem Porträt, bei vielen Liverpoolern zwischen den Bildern der eigenen Familie. Bill Shankly gehört in Liverpool einfach dazu, so war es und so wird es wohl immer bleiben.

In Erinnerung bleibt das legendäre „Some people think football is a matter of life and death. I don’t like that attitude. I can assure them it is much more serious than that.“ Auch in Erinnerung werden die jeweils letzten zehn Minuten seines Teams bleiben. In Shanklys Ära schoss keine Mannschaft in den Schlussminuten mehr Tore und war erfolgreicher als „die Roten“. Intensive Konditionsarbeit in der Saisonvorbereitung und über die gesamte Spielzeit hinweg machte den FC Liverpool zum fittesten Team der Liga. Wenn andere pusteten, liefen Shanklys Jungs noch richtig rund. Diese berühmten zehn Minuten bestimmten viele Jahre den englischen Fußball, später abgelöst durch die legendär-berüchtigte Fergie-Time der Rivalen vom Old Trafford.

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1974 beendete Shankly seine Trainerlaufbahn bei Liverpool und sagte dem Fußball adé. Die kommenden Jahre pilgerte er oft zum Trainingsplatz, beobachtete von fern das Geschehen und ging so unbemerkt von dannen wie er still gekommen. Als er 1981 im Alter von 68 Jahren starb, stand das Herz der Stadt für einen Moment still. Gestorben war nicht nur die bemerkenswerteste Persönlichkeit des Liverpooler Fußballs, hier verschwand auch die Verkörperung des großen menschenliebenden Enthusiasten aus der englischen Fußballwelt. Über seine Erfolge ließe sich einiges nacherzählen, dreifacher englischer Meister, zweifacher FA-Cup Sieger, Gewinner des UEFA-Pokals. Sein geschätzter Trainer-Ziehsohn und Nachfolger Bob Paisley wurde sogar noch erfolgreicher, führte Shanklys Erbe vorbildlich weiter, an die Legende Shankly konnte und wollte er nie heranreichen. Am 2. September 2013 würde William „Bill“ Shankly seinen hundertsten Geburtstag begehen. In Liverpool werden dies viele Menschen in herzlicher Erinnerung auch tun. Dabei werden sie vielleicht fühlen und denken, was einst Leonard Bernstein über Mozart sagte: „Und als er die Welt verließ, war sie neu, bereichert und durch seinen Besuch gesegnet.“

Redaktion Magath & Fußball

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