Narben der Geschichte


Veröffentlicht am 9. September 2013

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Die Elland Road – ein typisch englischer Fußballort

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Wäre Elland Road ein menschlicher Körper, er würde von Brandnarben überzogen und vom Leben gezeichnet, vielleicht sogar ein seelisches Wrack, eben der Schicksalsschläge zu viel. Aber Elland ist ein Stadion und damit Legende. Wenn auch von den Stürmen der Zeit gebeutelt, gehört Elland Road zu den Menschen aus Yorkshire. Für die Fans von Leeds ist Elland Road ein Ort mit Herz und Seele, eine zweite Heimat mit bewegter Geschichte. Im Stadion besingen sie schon vor dem Spiel die Härte und Leidenschaft der Leute aus Yorkshire, die Kargheit der Landschaft und die Liebe zu Leeds United. An der Elland Road feiert man eine ganze Region und dann auch den Fußball.

Die Geschichte des Stadions ist auch die Geschichte einer ständigen Baustelle und von tragischen Brandkatstrophen. Oft war nie ganz absehbar, ob eine Baustelle gerade fertig oder frisch eröffnet. Ein Stadion mit einer lebendigen Geschichte und mit großen Wunden. Alex Ferguson hält die Elland Road für einen gefürchteten Ort, die Atmosphäre dort für eine der besten im Fußball auf der Insel. Allerdings nicht für Gastmannschaften. Von außen eher spröde, verschachtelt und ohne architektonische Highlights, kommt dieser Ort unprätentiös daher. Die Menschen in England gehen zum Fußball und ins Stadion, weniger zu einem Event im Vergnügungstempel, finden die Stadionarchitektur dem Ereignis angemessen. Ein Prunkbau würde auch nicht zur Mentalität von Yorkshire und seiner Menschen, nicht zu Leeds United passen.

In den 20er Jahren entstand der überdachte und legendäre Stehplatzrang namens Lowfields Stand. An der Nordseite wurde der große Stehplatzrang namens The Kop geschaffen. Eine Legende der Fußballstimmung. 1953 dann auch endlich eine Flutlichtanlage. Holzbestandteile in Stadien haben viel Kummer und Tragödien über den englischen Fußball gebracht, so auch in Leeds an der Elland Road. Der Stehplatzrang wurde von einem hölzernen Tonnendach geschützt. Am Morgen des 18. September 1956 verwüstete ein Feuer den West Stand. Eine infernalische Brandentwicklung machte auch vor dem Spielfeld keinen Halt. Die Tribüne war nicht zu retten, der Boden verbrannt, im Stadion befindliche Funktionsräume und die Geschäftsstelle völlig zerstört. Ein Neubau der Tribüne und vieler Einrichtung wurde nötig, Eröffnung zur Saison 1957/1958. Zwei Jahre nach dieser Eröffnung brach abermals ein Feuer aus. Der Brand wurde rechtzeitig entdeckt, größerer Schaden konnte vermieden werden. So manch Bauprojekt der kommende Jahrzehnte drohte auch an fehlenden Finanzierungen zu scheitern, aber es ging immer irgendwie weiter. Eine Art ständiger Baukasten.

Anfang der 60er Jahre zog mit Trainer Don Revie bei Leeds auch Erfolg und eine gloriose Zeit ein, Leeds United erlebte seine besten Jahre an der Elland Road. In diesen glorreichen Jahren – angeführt von Kapitän Billy Bremner – gewann Leeds United zwei Meisterschaften, den FA Cup und verbuchte zwei Siege im internationalen Messepokal, etablierte sich in der Spitze der englischen Liga. Als 1974 Don Revie ins Amt des englischen Nationaltrainers wechselte, war diese Ära unwiderruflich vorbei und es dämmerten langsam harte Zeiten herauf. Heute spielt Leeds United, immer noch der Stolz einer ganzen Region, in der zweiten englischen Liga, der Football League Championship, und strebt Jahr für Jahr den Aufstieg in die Premier League an.

Elland Road ist längst ein Denkmal für Yorkshire, bleibende Heimat für The Whites. Das Stadion hat – ob Feuer oder Baugrube – alle Katastrophen überdauert. Den Eingangsbereich der Elland Road ziert heute eine Statue von Billy Bremner, für die Leeds-Fans der beste United Spieler aller Zeiten. Die vier überdachten Ränge bieten 39.460 Sitzplätze und wer im Stadioninnern ist, der fühlt sich mittlerweile in ein wirkliches Schmuckkästchen versetzt. Wenn die Leeds-Fans dann ihr heißblütiges Werk beginnen, überkommt einen die berühmte Gänsehaut, die von Stimmungen in englischen Stadion manchmal herbeigezaubert wird. Spätestens nun versteht man auch den Respekt von Alex Ferguson vor dieser Arena.

Redaktion Magath & Fußball

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