Feinde des Fußballs


Veröffentlicht am 27. Oktober 2013

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Chaoten setzen ein Zeichen

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Die Bundesligapartie Schalke 04 – Borussia Dortmund beginnt neben dem Platz mit unschöner Ouvertüre. Rauch und Feuer bestimmen die Szene. Fußball wurde dann auch noch gespielt, der Champions League Finalist drückt der Partie seinen Stempel auf. Danach Betroffenheit. Der Dortmunder Geschäftsführer sprach von Asozialen, der Borussen Trainer schämte sich. Die beiden sonst so sprachgewaltigen Männer wirkten ratlos wie kleinlaut. Bei den Feuerwerks-Szenen im Dortmunder Block zeigten sich ganz reale Feinde des Fußballs am Werk. Eine Sportveranstaltung sollte gestört werden, Gefahr für Leib und Leben von Menschen wurde dabei billigend in Kauf genommen. Jetzt gilt es daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und nicht wieder im Eiltempo zur Tagesordnung zu wechseln. Man darf im Rückblick nicht in Verharmlosung verfallen und den Mantel des Vergessens über dieses Chaotenverhalten legen. Es bedarf Entschiedenheit, sonst bahnt man den Feinden unserer Fußballkultur weiter den Weg.

Die Lage benötigt nicht die Tünche der lauen Beliebigkeit oder eine sprachliche Weichspülung zur Ausblendung unschöner Realität. Es bedarf einer deutlichen wie couragierten Ansage. DFL Geschäftsführer Andreas Rettig fand klare Worte, er ist dafür zu loben: „Angesichts der Bilder muss man sich schämen. Wir verurteilen die Vorfälle aufs Schärfste. Hier werden von Einzelnen Verletzungen Anderer billigend in Kauf genommen. Jetzt gilt es, dass die Polizei gemeinsam mit den Klubs die Täter schnellstmöglich ermittelt, damit diese gezielt bestraft werden.“ Ob er sich der überbordenden Vereinnahmung des Fußball durch die Auswüchse überdrehter Marketingapologeten annimmt oder deutlich und entschieden gegen Chaoten, Gewalttäter, Hooligans und Pseudofans agiert, da scheint ein Mann am richtigen Platz, ein rechtschaffender Anwalt des Fußballs und seiner wahren Fans. Man merke, er spricht von Tätern und nicht von Fans. Richtig!

Die Zuschauer und Fans, die gesamte Bundesliga und die Vereine dürfen nicht in Geiselhaft solcher Täter gelangen, die dem Fußball in Wirklichkeit feindlich gegenüberstehen, nur die Bühne der Aufmerksamkeit für ihre sport- und menschenverachtenden Handlungen benötigen. Wie abgrundtief müssen diese Chaoten auch den Verein verabscheuen dessen Trikot sie tragen: Wäre dem anders, sie hätten wohl wahrlich nicht den eigenen Kapitän mit ihren Rauchbomben attackiert als dieser ihrem Wahn Einhalt gebieten wollte. Was solche Leute antreibt entzieht sich jeder rationalen Betrachtung. Es muss etwas Masochistisches sein. Ähnlich wie bei dem Irren, der auf die Frage, warum er ewig mit dem Kopf an die Wand rennt, antwortet, dass das Aufhören so schön sei.

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Auch auf diesen Seiten wurde die Dortmunder Fankultur gelobt, sogar eine Film- und Kinoproduktion hat dem legendären Gelb der Dortmunder ein Denkmal gesetzt. Nun aber ein sehr schwarzer Fleck auf der glanzvollen Weste. Allerdings sind diese Entgleisungen wahrlich keine Dortmunder Eigenart, sie schleichen sich längst überall in unseren Fußballalltag. Kein Verein ist davor gefeit. Wir alle sind gefragt und aufgerufen diesen Chaoten und ihrem Treiben entschieden entgegen zu treten. Diese Trupps agieren ja nicht im luftleeren Raum sondern in aller Öffentlichkeit. Im großen Kreis wirklicher und anständiger Vereins- und Fußballfans treiben sie ihr verachtenswertes Spiel. Der gewaltbereite Mob vermummt sich nicht im dunklen Keller. Er handelt inmitten von tausenden Zuschauern, von vielen Menschen umgeben. Die Gerätschaften, mit denen im Extremfall dann Augenlicht und Gesundheit zerstört werden können, im schlimmsten Fall auch das Leben, werden unter dem Blick hunderter Augenpaare ausgepackt. Wie dieses militärische Handwerkszeug immer wieder in deutsche Stadien gelangt bleibt dem Betrachter ein andauerndes Rätsel. Wo bleibt also das Aufbegehren der Fußballfans im Interesse ihrer eigenen Sicherheit und der ihrer Mitbürger?

Funktionierende Gemeinschaft im Sport wie in der Gesellschaft braucht immer Verteidiger und eine Menge Zivilcourage. Wo bleibt diese Courage der breiten Mehrheit gegen eine radikalisierte Minderheit? Diese Frage muss erlaubt und auch beantwortet werden. Wegschauen zerstört über kurz oder lang die Atmosphäre in unseren Fußballstadien. Wohin diese Chaoszustände dann führen sehen wir längst im italienischen Fußballalltag, wo solche Exzesse an der Tagesordnung. Wollen wir diesen Weg gehen?

Wenn Stadionkultur, sportliches Miteinander und fairer Wettkampf am Ende scheitern, der Fußball damit auf der Strecke bleibt, dann liegt es nicht an der Stärke seiner Gegner sondern an der Gleichgültigkeit seiner Unterstützer. Dahin darf es nicht kommen. Die schweigende Mehrheit sollte endlich entschlossen Flagge zeigen und hinsehen, gemeinsam mit Spielern, Verantwortlichen, Vereinen und Verbänden diesem Treiben entschlossen Einhalt gebieten. Sich nach den Taten unter ein wärmendes Dach der gemeinsamen Empörung zu stellen bleibt unzureichend. Damit mag man sein eigenes Gewissen beruhigen, löst aber nicht das Problem. Den Feinden des Fußballs sollten wir nicht unsere Stadien und unsere Fußballkultur überlassen. Es ist an der Zeit denen das Handwerk zu legen. Gefordert ist eine gemeinsame Anstrengung aller Fußballfreunde.

Redaktion Magath & Fußball

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