Das Stadion im Fels


Veröffentlicht am 2. November 2013

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Die Steinkulisse des SC Braga

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Bei den Übertragungen der Fußball EM 2004 aus Portugal hatten die TV-Zuschauer etwas zu staunen. Noch bezog sich das Staunen nicht auf Otto Rehhagel und seine Griechen, die kamen später. In zwei Vorrundenspielen richtete sich die optische Aufmerksamkeit der Fußball-Betrachter auf eine Felswand in Braga. Die Heimspielstätte des SC Braga war Austragungsort zweier Gruppenspiele. Seither trägt der Erstligist SC Braga dort seine Spiele aus. In der Saison 2010/2011 war die Kulisse des Stadions ganz Europa erneut ein Augenschmaus, das Team des SC Braga sorgte für furiose Heimspiele, erst in der Champions League und dann in der Europa League. Selbst die weitgereisten Fans des FC Liverpool fuhren, von dieser Stadionarchitektur sichtlich beeindruckt, zurück an die Anfield Road. Die Reds hatten in Braga 0:1 verloren und mussten nach einem 0:0 im Rückspiel die Segel streichen. Durch weitere beeindruckende Heimspielleistungen schaffte der SC Braga den Einzug ins Finale der Europa League, welches man in Dublin gegen die Landsleute vom FC Porto verlor. Dem Heimstadion sprachen viele eingefleischte Fans in dieser außerordentlichen Saison fast magische Kräfte zu. 

Am Stadtrand von Braga gelegen, befindet sich das Stadion Estádio Municipal de Braga direkt am Monte Castro, dem geographisch höchsten Punkt der Stadt. Heute heißt die Spielstätte, nach einer marketingtypischen „Umtaufe“, wie ein Versicherungsunternehmen: Estádio AXA. Wenige Monate vor dem Turnierstart wurde das Stadion im Dezember 2003 eröffnet und bietet seither seinen Gästen 30.154 überdachte Sitzplätze. An beiden Längsseiten des Spielfeldes hat der portugiesische Stararchitekt Eduardo Souto de Moura jeweils eine Tribüne gesetzt. Beide Tribünen sind im Zuschauerbereich komplett überdacht. Die weit ausholenden Tribünendächer werden von einem komplizierten Stahlseilsystem gehalten. In den steinernen Monte Castro hat man die Haupttribüne hineingehauen und gebaut. Phantastisch, dabei etwas an Jules Verne erinnernd, führt der Weg zu dieser Haupttribüne. Um einer beschwerlichen Bergwanderung zu seinem Platz zu entgehen, die man zu den Zugangstoren tatsächlich machen kann, besteht die alternative Möglichkeit, ein Tunnelsystem zu nutzen, welches unterhalb des Spielfeldes direkt zu den Sitzplätzen der Haupttribüne führt.

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Auf einer der beiden Torseiten befindet sich eine martialische Felswand mit einer hochmodernen digitalen Anzeigetafel. Dieses Felsmassiv verbindet sich symbiotisch mit dem Spielfeld und den Tribünen, ist der ungewohnte Blickfand von jedem Fußball-TV-Zuschauer, zieht natürlich auch die Aufmerksamkeit aller neuen Stadionbesucher sofort auf sich. Hermetisch schließt die naturgewaltige Wand das Stadion zu dieser Seite ab. Auf der gegenüberliegenden Seite das genaue Gegenteil, der Blick wird dort nicht durch ein Felsmassiv oder eine Tribüne versperrt, ein völlig offener Bereich lässt dort den Zuschauer in die Weite und auf eine wundervolle Landschaft blicken. Dabei entsteht ein Gefühl von Ferne und Nähe, welches vom Betrachter wie eine Verschmelzung zwischen Natur, Mensch und Sport empfunden wird. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, der so manch gebotenes Spiel auf dem Platz nicht immer gerecht wird.

Im Stadion – so sieht heute moderne Stadionarchitektur aus – befinden sich Kongresseinrichtungen und Tagungsstätten sowie viele Eventmöglichkeiten. Aber keine Veranstaltung, ob auf oder neben dem Platz, kann den Blick auf die gewaltige Felswand an Intensität übertreffen. Eine ähnliche Intensität strahlen auf den Besucher auch steingebaute Tribünen und Schauspielstätten des antiken Griechenland aus. Apropos Griechenland…

Redaktion Magath & Fußball

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