Vor Platz zwei


Veröffentlicht am 4. November 2013

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Brian Clough beim Wort genommen – Ein Porträt in Zitaten

Der britische Autor Phil Shaw hat vor Jahren ein Buch der besten Fußballzitate veröffentlicht. Ungekrönter König auf den Seiten ist die englische Trainerlegende Brian Clough (geb. 21. März 1935 in Middlesbrough; gest. 20. September 2004 in Derby). Bei Meinungsumfragen unter englischen Fußballfans nach dem besten Manager aller Zeiten, landet Brian Clough bis zum heutigen Tag regelmäßig auf Platz 1, lässt auch Sir Alex Ferguson das Nachsehen. Britische Fans halten seine Erfolge – stets mit kleinen Vereinen (Derby County, Nottingham Forest) erzielt – für die größten Leistungen im englischen Fußball. Zwei englische Meistertitel und zwei Cupsiege bei den Landesmeistern (Champions League) stehen zu Buche.

In „Damned United“, laut Independent der unglaublichste Roman, der je über Fußball geschrieben wurde, läßt der Autor David Peace über seinen Protagonisten Brian Clough sagen: „Er glaube nicht an Glück, er glaube auch nicht an Gott, er glaube nur an Brian Clough.“ Ob der reale Clough dem widersprochen hätte, kann nicht mehr ermittelt werden.

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 Selbsteinschätzung

„Ich würde nicht sagen, dass ich der beste meiner Zunft war. Aber ich lag vor Platz zwei.“

Über seine Arbeit bei Nottingham Forrest
„Der Fluss Trent ist wunderhübsch. Ich kann das beurteilen, weil ich dort 18 Jahre lang übers Wasser gelaufen bin.“

Über sich selbst
„Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Aber damals war ich ja auch noch nicht dabei.“

Sein größter Fehler
„Aller Welt zu sagen, was für ein guter Trainer ich doch war. Ich wusste, dass ich der beste war, aber ich hätte die Klappe halten und den Druck fernhalten sollen. Am Ende hätte es ja auch so jeder kapiert.“

Bescheidenheit
„Ich war gelegentlich großkotzig. Ich glaube, die meisten Leute sind das, wenn sie im Rampenlicht stehen. Ich nenne mich selbst Großkotz, um mich daran zu erinnern, nicht großkotzig zu sein.“

Warum er nicht englischer Nationaltrainer wurde
„Ich bin mir sicher, dass die vom englischen Verband sich gedacht haben, wenn sie mich nehmen, will ich den Laden schmeißen. Das sind kluge Kerlchen – denn genau das hätte ich gemacht.“

Gespräche mit Spielern
„Wenn ich Streit mit meinen Spielern hatte, haben wir uns 20 Minuten hingesetzt, drüber geredet und uns dann darauf geeinigt, dass ich Recht hatte.“

Siegermentalität
„Ich habe meinen Spielern im Prinzip jeden Samstag um zehn vor drei das gleiche gesagt: ‚Für zwei Punkte heute Nachmittag würde ich auf der Stelle meine Großmutter erschießen.‘ Sie wussten, wie wichtig es war, alles für den Sieg zu tun. Jedes Mal. Deshalb hatte meine Großmutter auch mehr Leben als meine Katze.“

Fußballphilosophie
„Wenn Gott gewollt hätte, dass wir im Himmel Fußball spielen, wüchse da oben Gras.“

Über Sven Göran Erikssons Ernennung zum englischen Nationaltrainer
„Wenigstens haben sie einen zum Trainer ernannt, der besser Englisch spricht als die Spieler.“

Über seinen Spieler John Robertson
„John Robertson war ein sehr unattraktiver junger Mann. Immer, wenn ich mich ein bisschen neben der Spur gefühlt habe, habe ich mich neben ihn gesetzt. Im Vergleich zu ihm war ich ja der reinste Errol Flynn. Aber auf dem Rasen war er ein Künstler. Der Picasso unserer Zunft.“

Was bleibt?
„Ich will keine Grabinschrift mit irgendwelchen tiefgründigen Sachen. Ich hab meinen Beitrag geleistet. Ich würde mir wünschen, dass man das über mich sagt, und ich würde mir wünschen, dass mich jemand gemocht hat.“

(Phil Shaw, The Book of Football Quotations, Verlag Ebury Press, Erschienen: 2. September 2008)

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