Monty Python mit Philosophen am Ball


Veröffentlicht am 15. Dezember 2013

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Diese Partie hat wohl nie stattgefunden

Der Engländer leidet am Fußball, aber er kann auch trefflich drüber lachen. Was den Deutschen Loriot, ist den Briten bis heute die Truppe von Monty Python. Der Preuße und die Engländer fuhren dem Spießer nicht mit kalter Grausamkeit ins Genick sondern schlugen lieber die Trommel der feinen Ironie, getreu dem Tucholsky-Motto „Satire darf alles“. Was dem einen der „Kosakenzipfel“ war den anderen ihr „Brian“. Ein grandioser und unvergessener Sketsch der Komikertruppe Monty Python ist ihr berühmtes „Fußballspiel der Philosophen“*. Im Olympiastadion zu München trafen sich im Jahre 1972 Geistesriesen zum finalen Duell* der Denker. Das deutsche Nationalteam tritt an gegen die griechische Nationalmannschaft. Im Vorfeld der Partie hat es Gerüchte über Spannungen innerhalb der deutschen Mannschaft gegeben, Bundestrainer Martin Luther konnte diese im Vorfeld aber ausräumen. Das deutsche Team läuft in Bestbesetzung mit folgender Startformation auf: Gottfried Leibniz – Immanuel Kant, Georg W. Hegel (Kapitän – worüber Kant empört.), Arthur Schopenhauer, Friedrich Schelling – Franz Beckenbauer, Karl Jaspers – Friedrich Schlegel, Ludwig Wittgenstein, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger. Die Nominierung von Franz Beckenbauer irritiert Experten wie Fans und den Kaiser selbst, Karl Marx muss für ihn auf die Bank. Besonders angespannt scheint Nietzsche, der in den letzten vier Spielen bereits drei Gelbe Karten kassierte.

Die Griechen können ebenfalls auf ihr stärkstes Team zurückgreifen, sie beginnen mit folgender Formation: Platon – Epiktet, Aristoteles, Sophokles, Empedokles – Plotin, Epikur – Heraklit, Demokrit, Sokrates (Kapitän – unumstritten), Archimedes. Die Männer von der Akropolis sind in ausgezeichneter Verfassung, Aristoteles hat sein Formtief überwunden, Archimedes endlich seine Verletzung auskuriert, Sokrates spielt die ganze Saison souverän wie immer. Aber auch die Deutschen sind guter Dinge, sie setzen vor allem auf ihr Laufwunder Schopenhauer und die Doppelsechs Jaspers/Beckenbauer. Es wird eine Partie auf Augenhöhe erwartet, Schiedsrichter ist einer der besten seines Fachs, Konfuzius. Er wird an den Linien assistiert von Thomas von Aquin und Augustinus. Beide ordnen ihren Heiligenschein, Konfuzius blickt auf seine Sanduhr, Anpfiff. Entscheidend ist auf dem Platz und im Kopf. Einige Spieler wirken von Beginn an entrückt, kaum bei der Sache. Der Ball wird nicht beachtet, zu aufwendig ist in der Anfangsphase die Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken, beide Teams scheinen davon betroffen. Der immer noch über seine Nominierung staunende Beckenbauer macht einen sehr verwirrten Eindruck und wartet vergebens auf ein Zuspiel, er möchte aber auch nicht als einziger den Ball belästigen.

In Höhe Mittelfeld kommt es zu einem Disput zwischen Nietzsche und Schiedsrichter Konfuzius, der dem Deutschen schließlich eine Gelbe Karte zeigt, weil dieser ihm unterstellte keinen freien Willen zu haben. Konfuzius bleibt asiatisch gelassen, beruft sich bei der Karte auf eine Tatsachenentscheidung und wedelt mit der Sanduhr. Ohne erkennbare Höhepunkte plätschert das Spiel bis zur Schlussminute beim Stand von 0:0 dahin, die Verlängerung liegt in der Luft. Bundestrainer Luther setzt alles auf eine Karte, nimmt den enttäuschenden Wittgenstein vom Platz, der mit hängendem Kopf das Feld verlässt, und wechselt in der Schlussminute Karl Marx ein. Die Einwechslung verpufft sofort, Marx kann keine Impulse setzen und stürzt sich in einen Disput.

Plötzlich ein Aufschrei, lautstark tönt ein „Heureka!“ aus dem Mund von Archimedes. Das Publikum hält den Atem an, aufgeschreckt beginnen die Griechen mit hektischer Aktivität, beziehen den Ball ins Spiel und benutzen diesen in kraftvoller Vorwärtsbewegung. Sokrates stürmt neben Archimedes aufs Tor, mit feinem Doppelpass überspielen sie die deutschen Reihen. Der Rest ist Formsache, per Kopfball erzielt Sokrates, nach präziser Archimedes-Flanke, mit dem Schlusspfiff den entscheidenden Treffer. Griechenland ist Weltmeister. Die Deutschen nehmen weder das Tor noch die Niederlage hin. Mit Kant ist nicht zu reden, er ist der festen Überzeugung, das griechische Tor existiere nur in der Vorstellung. Marx sieht die Dinge einfacher, für ihn war es ein glasklares Abseits. Er kommt mit seiner Feststellung zu spät. Die Griechen jubeln und Konfuzius macht sich auf den Heimweg.

Falls jemand die Engländer vermisst. Die sind im Halbfinale ausgeschieden, gegen Deutschland. Ob nach Elfmeterschießen? Nichts Genaues weiß man nicht.

*Die Partie hat es so (höchstwahrscheinlich) nie gegeben. Daher kann auch nicht gesagt werden ob der griechische Trainer ein Deutscher war…

Redaktion Magath & Fußball

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