Botschaft per Stadionheft


Veröffentlicht am 16. Dezember 2013

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Dietmar Hopp belebt das Instrument Stadionheft

Watzke liest Hopp

Watzke liest Hopp

Stadionhefte im Fußball sind oft verweht bevor der Abpfiff verklungen, manche damit einem gnädigen Schicksal anheimgefallen, andere im Sammelsurium von Fanutensilien verstaut oder von Sammlern für die Ewigkeit bewahrt. Die darin veröffentlichten Vorworte sind im Geist der Vereins-PR eine Selbstinszenierung, wer mag es den Vereinen verdenken. Die Bayern – auch hier eine andere Liga – kommen präsidial und doch mit Münchner laisse faire daher. Ein Heribert Bruchhagen zeigt Meisterschaft, weiß mit der Sprache umzugehen, diese einzusetzen, andernorts springt man gewaltig als Trio und landet inhaltlich als halbe Portion. Nun hat Dietmar Hopp das Vorwort im Hoffenheim Stadionheft zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund über den Rang einer Fußballbotschaft gehoben und einen Blick in sein Inneres freigegeben. Bemerkenswert, er schaffte damit eine Vorabmedlung des Spiegel. So viel Ehre und Aufmerksamkeit ist wohl noch keiner Stadionzeitung zuteil geworden.

Hopp macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, seine Offenheit und der ungewöhnliche Appell sorgen für Aufmerksamkeit. Die letzten Jahre zehrten wohl an ihm. Kein Wunder. Familienangehörige eines Vereinsfunktionärs oder Mäzens in aller Öffentlichkeit herabzusetzen, dessen eigenen Kopf als Zielscheibe zu porträtieren, so etwas hatte selbst in der aufgeheizten Emotionswelt des Fußballs eine neue Qualität, „unterste Schublade“ trifft es nur unzureichend. Bei Dietmar Hopp müssen diese kollektiven Entgleisungen der letzten Jahre Wunden hinterlassen haben. Bei welchem normalen Menschen wäre es anders? Nun hat er diese Wunden dem Dortmunder Anhang mitgeteilt, der im Hopp-Bashing besonders aktiv. Sein nun weit zitiertes Vorwort ist nicht larmoyant sondern ließ eher einen kleinen Blick in die Gemütslage des Verfassers zu. Ein Teil des Dortmunder Anhanges sollte dies nun endgültig zu einer Beendigung ihrer Privatfehde mit Hopp nutzen. Die Borussia hat mit glanzvollem Fußball ganz Europa staunen gemacht, da braucht es doch keiner Aufmerksamkeit durch unflätige Gesänge oder erniedrigende Plakatkunst gegen einen Fußballmäzen.

Dietmar Hopp ist ein erfolgreicher Firmengründer und Manager, er liebt den Fußball, mit Leidenschaft und Hartnäckigkeit. Sein Geld steckt er nicht in die längste Luxusyacht der Welt oder in elitäre Eskapaden, er gibt es für den Fußball aus. Wenn man sieht was dabei in Sachen Jugend und Ausbildung herauskommt, dann muss man diese Aktiviäten begrüßen. Außerdem verfügt Dietmar Hopp über die finanziellen Mittel einen Verein auf Bundesliganiveau zu erschaffen. Dazu bleibt er in seiner Heimat und investiert nicht in einer glanzvollen Weltmetropole. Geld ist schon für schlechtere Dinge ausgegeben worden. Als SAP-Gründer und Mäzen, wie als Macher des Vereins TSG 1899 Hoffenheim, kennt ihn die Welt.

Dortmunder Schmähungen in 2009

Anti-Hopp-Aktion in 2009

In seinem nun veröffentlichten Vorwort liest man: „Ich habe solche Demütigungen, wenn schon nicht verstehen, so doch verarbeiten gelernt. Sie schmerzen nicht mehr, sie enttäuschen nur noch. Ich verzeihe die Rufe gegen mich. Erlauben Sie mir aber hier festzustellen, dass ich den Schreiern die Rufe gegen meine Familie übel nehme.“ Warum die Finanzen und das Engagement eines Softwareherstellers so viel Hass hervorrufen bleibt ein Rätsel. Mit ähnlich gelagerten Vereinen der chemischen Industrie oder Clubs von Automobilherstellern hat man doch längst nicht mehr diese Probleme, sich an ihr Dasein am Fußballgeschäft gewöhnt. Ein Blick nach England tut auch gut. Wenn Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan das Etihad Stadium in Manchester betritt, applaudieren die ManCity-Fans. Sie wissen, ohne die Millionen dieses Mannes und seiner Investorengruppe hätte man dem von einem gewissen Herrn Ferguson angeführten Nachbarn wohl nie einen Titel entrissen. Man freut sich dort über Geld, Mannschaft und Aufschwung. Im Old Trafford wird Malcolm Glazer als Besitzer bis heute eher erduldet denn geliebt, einige Fans verließen wegen des amerikanischen Investors sogar Manchester United und gründeten einen neuen Verein. Auch in Zeiten der Schmähgesänge waren Glazers Familienmitglieder aber stets tabu. So kann es auch gehen.

Es mag naiv klingen aber Fans sollten weiterhin ihre Mannschaft unterstützen, nicht den Gegner beleidigen und zum notorischen Feindbild stilisieren, sei es nun der Mäzen oder ein Spieler. Wenn Hopps Botschaft angekommen, seine Worte nicht auf taube Ohren stoßen, dann könnte ja ein Schritt in die richtige Richtung gemacht sein. Nach dem Vorwort ist vor dem Vorwort. Vielleicht belebt sich mit diesem Hopp-Wort sogar die Kultur der Stadionhefte in deutschen Landen. Das geschriebene Wort kann immer mehr sein als blanke PR und dem Fußball auch helfen, wenn es die Schreiber denn wollen. Die Partie, welche mit dem Hopp-Vorwort eingeläutet, gab es auch. Hoffenheim und Dortmund spielten 2:2, man könnte dieses Unentschieden fast als eine Art salomonisches Urteil einer Versöhnung ansehen.

Redaktion Magath & Fußball

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