Halbzeit – Ligue 1 (Frankreich)


Veröffentlicht am 4. Januar 2014

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Die Reichen unter sich

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Die Fußballauguren der Ligue 1 kreisten vor Saison und waren sich einig: Es sollte das große Duell im französischen Fußball werden. Oligarch gegen Scheich, Aufsteiger gegen CL-Teilnehmer. Die Milliarden des Besitzers vom AS Monaco, Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew, gegen die Milliarden der FC Paris Saint-Germain Besitzer, die Qatar Sport Investment (QSI). Natürlich war auch für Volk und Rasen eine Menge Zauber vorgesehen. Falcao, der Sturmtank aus Kolumbien in Diensten des AS Monaco – frisch aus Madrid von Atlético an die Côte d’Azur gewechselt – hat ein Sturmduo der Extraklasse gegen sich, die Tormaschinen Zlatan Ibrahimović und Edinson Cavani auf Seiten von PSG. Nach der Hälfte der Spielzeit stehen bei Falcao neun Treffer zu Buche, Ibrahimović (15) und Cavani (zwölf) brachten es gemeinsam auf 27 Treffer. Vorteil PSG.

Falcao hat noch nicht seine alte Wucht und Torquote erreicht. In Punkten ist die Sache allerdings weniger eindeutig. PSG führt die Tabelle nach 19 Spieltagen mit drei Punkten vor Monaco an, die Pariser haben 44 Punkte auf ihrer Habenseite, die Monegassen kommen auf 41 Zähler, noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ausgerechnet am Schlusstag der Hinrunde schwächelten die beiden neureichen Giganten, Paris kam daheim nur zu einem 2:2-Unentschieden gegen Girondins Bordeaux. Monaco ließ die große Chance liegen und verschluckte sich an der tollen Vorlage, man verlor im heimischen Stadion gegen den Abstiegskandidaten Valenciennes FC mit 1:2, Matchball versaut. Monaco hat seine völlig neu formierte Mannschaft jedenfalls schnell als ernstzunehmenden Gegner von PSG etabliert, ein Verdienst von Trainer Claudio Ranieri. PSG hat mit seinem neuen Coach Laurent Blanc nicht mehr die Trainer-Klasse eines Carlo Ancelotti an der Linie. Das direkte Aufeinandertreffen beider Vereine am sechsten Spieltag in Paris endete 1:1, die Torschützen hießen Ibrahimović und Falcao…

Ein Team bietet momentan beiden Spitzenreitern noch Paroli, „die Doggen“ vom OSC Lille. Die Mannschaft aus der legendären, nordfranzösischen Handelsmetropole hält noch mit, liegt mit 40 Punkten auf Platz drei. In Lille lenkt der französische Unternehmer Michel Seydoux als alleiniger Herr die Geschicke des Vereins und hat mit René Girard einen sachlichen wie harten Arbeiter auf der Trainerbank, der sein Team optimal auf jede Art von Gegner einstellt. Lille fühlt sich in der Außenseiterrolle pudelwohl und hat die Sympathien von sehr vielen Franzosen, weit über die Stadtgrenzen von Lille, hinter sich. Nach Platz drei klafft eine Lücke in der Tabelle, zehn Punkte hinter Lille führt Girondins Bordeaux das Mittelfeld von Platz vier aus an. Ab da muss man sich um die Plätze und die Europa League Teilnahme balgen oder im schlimmeren Fall gegen den Abstieg ankämpfen. Große Fußballnamen wie Olympique Marseille oder Olympique Lyon sind, ähnlich Bordeaux, weit entfernt von Titelchancen oder früherem Glanz.

René Girard führte den HSC Montpellier 2012 überraschend zur Meisterschaft. Seit dieser Saison ist der 59-Jährige, der als Spieler siebenmal für die Équipe Tricolore auflief, Cheftrainer beim OSC Lille.

René Girard führte den HSC Montpellier 2012 überraschend zur Meisterschaft. Seit dieser Saison ist der 59-Jährige, der als Spieler siebenmal für die Équipe Tricolore auflief, Cheftrainer beim OSC Lille.

Spannung und Spannungen in Frankreichs Fußball auch neben dem Rasen. In Frankreich protestierten Vereine wie Spieler während der laufenden Saison, die extrem hohe Steuerlast ist ihnen ein Dorn im Auge. Man befürchtet, dadurch keine großen Trainer und Spieler mehr für die französische Liga zu gewinnen, im internationalen Vergleich abgehängt zu werden und denkt natürlich auch an die eigene Brieftasche. Anders als Nationalikone Gérard Depardieu können Vereine auch nicht die Koffer packen und sich vor dem Fiskus an die Seite von Wladimir Putin flüchten, um künftig als russische Teams in deren Premier Liga aufzulaufen. Die Lage bleibt sehr angespannt, Verband und Regierung verhandeln, ein Kompromiss bisher nicht in Sicht, der Konflikt schwelt weiter. Der AS Monaco sollte gezwungen werden, als Verein der französischen Liga auch in Frankreich steuerlich gemeldet und veranlagt zu werden, die Monegassen konnten diesen Vorstoß bisher abwehren und sich ihren Steuervorteil bewahren. Radamel Falcao wird es freuen. Dennoch geistert im Zusammenhang mit ihm ein Name immer lauter über der Spielbank von Monaco und der Ligue 1: Real Madrid.

Redaktion Magath & Fußball

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