You’ll Never Walk Alone


Veröffentlicht am 5. Januar 2014

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Vom „Kop“ um den Planeten

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Wenn es im Fußball eine Art „Vaterunser“ gibt, die Hymne aus den Tiefen des legendären Liverpooler Fan-Block „Kop“ hat sich den Titel seit einem halben Jahrhundert wohl längst verdient. „You’ll Never Walk Alone“, große Gefühle, unendlicher Jubel, zerbrochene Träume und epochale Triumphe. Eine Liedzeile für ein Meer unendlicher Emotionen, schlichtweg Hochamt des Fußballs. Die Anfield Road zu Liverpool hat den ultimativen Schlachtengesang des Fußballs längst auf Augenhöhe mit „Rule, Brittania!“ und „God Save the Queen“ gehievt, gesungen trifft es besser. Der Siegeszug durch die Fußballarenen der Welt ist bis heute unaufhaltsam. Der alte Musicalsong „You’ll Never Walk Alone“ aus der Nachkriegszeit wurde Anfang der 60er Jahre von „Gerry & the Pacemakers“ in Liverpool neu aufgenommen und schnell zur Stadion- und Vereinshymne der Reds. Leadsänger Gerry Marsden bekommt heute noch feuchte Augen, wo immer er als alter Rocker das Lied zu offiziellen Anlässen persönlich intoniert.

imago04273589m_cOb das Begräbnis des erfolgreichsten Liverpool-Trainers Bob Paisley oder die Beisetzung der Asche von Liverpool-Legende Bill Shankly unter dem Rasen von Anfield, „You’ll Never Walk Alone“ war immer dabei. Von der Trauerfeier für die Opfer von Hillsborough oder so manchem Wembley Finale, vom legendären Champions League Endspiel FC Liverpool gegen AC Mailand zu Istanbul im Jahre 2005 gar nicht zu sprechen. Die Fußballgemeinschaft gab Halt in Freude wie in Leid. Wer sich dem Teil von Fußball hingibt, der nicht nur von Kommerz, Markendenken und Technokraten geprägt wird, der weiß um die Gänsehaut dieser Zeile und des Textes, sei es auf oder neben dem Platz. In „You’ll Never Walk Alone“ geht es – ähnlich der ganz großen Oper – um alles, also ums pure Leben und die Kämpfe, die darin zu bewältigen sind. Jeder, der hört oder singt, fällt seinen eigenen Gedanken anheim und ist doch Teil einer gigantischen Einheit. Keine Angst vor der großen Emotion: „Du bist nicht alleine.“ Auch das ist Fußball.

In Deutschland ist die stimmgewaltige Zeile natürlich auch angekommen, vermittelt Gänsehaut und Zugehörigkeit gleichermaßen. Die gelbe Wand in Dortmund kann sich an guten Tagen längst mit Liverpool messen. Quer durchs Sportland ist die Nummer Teil der Fußballrealität. Ob in Bremen, auf St. Pauli, in Darmstadt oder in Aachen und in vielen anderen Orten, längst emotionaler Treibstoff für große wie kleine Fußballmomente. Von Ort zu Ort unterschiedlich intensiv und doch von derselben Leidenschaft genährt. Auch andere Länder, man höre nur die Fans des FC Genua bei ihrem Gesang, haben den Titel aus Liverpool zur feurigen Herzensangelegenheit gemacht. Sportarten wie Eishockey und Basketball wollen nicht ohne die emotionale Schubkraft dieses einfachen, wie genialen Liedes auskommen.

Jede große und schöne Sache zieht immer auch Kopisten an. Alle Torheiten und Versuche, die Welthymne des Fußballs zu verhunzen, zu okkupieren oder gar zu zerstören, prallten bis zum heutigen Tage an der Lebendigkeit der Zeilen und der Musik ab. So wird es bleiben. Kein Verdienst von Kampagnen oder Werbestrategen, einfach nur stimmungsvolle Lebensleistung von Millionen Fußballfans auf der ganzen Welt, die das Lied fackelgleich weitergeben – von Generation zu Generation, ewig und immer wieder. Mögen diese Stimmen nie verstummen. Solange „You’ll Never Walk Alone“ erklingt, wird auf diesem Planeten Fußball gespielt.

Redaktion Magath & Fußball

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