Halbzeit – Premier League


Veröffentlicht am 8. Januar 2014

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Spannung im Mutterland des Fußballs

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Premier League als Hort der Fußballleidenschaft. Vier Spieltage zum Jahreswechsel und den Feiertagen. Zwischen Ende Hinrunde und Beginn Rückrunde lagen drei Tage „Pause“. Begeisterung allenthalben, Leidgesänge von Spielern sind nicht zu vernehmen. „Nebenher“ gibts noch Runde drei im FA Cup. Nach der Hälfte und einem Spieltag Rückrunde bietet sich ein famoses Bild der Spannung. Die Abstiegszone beginnt irgendwie schon bei Platz zehn, das Meisterrennen offen und spannend wie nie.

The Queen is not amused. Wenn sie auf die Tabelle schaut, muss sie um ihren Lieblingsclub West Ham United bangen. Ein Jahr nach Aufstieg und dem Vergabe-Sieg um die künftige Nutzung des Londoner Olympiastadions wollte West Ham sich im Mittelfeld etablieren. Pustekuchen, nichts mit neuem Glanz, altes Elend zieht auf. Das Team vom knorrigen Manager Sam Allardyce schwebt in Abstiegsnot. Die Blütenträume der Zukunft machen einen welken Eindruck, der Manager in großer Gefahr. Seine Londoner Kollegen, Martin Jol vom FC Fulham und André Villas-Boas von Tottenham Hotspur, hat es schon aus der sportlichen Kurve getragen. Fulhams Kader liest sich auf dem Papier erstaunlich stark, die Ergebnisse dagegen, auch unter Jol-Nachfolger Meulensteen, ernüchternd schlecht. Villas-Boas scheiterte an Gigantomanie und Ungeduld seines Vereinsbosses Daniel Levy, offenkundig auch an sich selbst. Erst die Stars von Chelsea, nun das von ihm zusammengestellte Team der Spurs, für Villas-Boas kam die Premier League offenbar zu früh, er braucht einen Neustart. Sein Nachfolger Tim Sherwood eine interne Lösung. Levy träumt weiter vom großen Namen. Tottenham nun Teil eines kleinen Tabellenmittelfeldes.

Das Mittelfeld der Premier League besteht außerdem aus Southampton, Everton, Newcastle und Manchester United. ManUtd liegt drei Punkte hinter Tottenham auf Platz sieben, Everton einen Punkt vor den Spurs auf Platz fünf. Der FC Everton ist unter Manager Martinez die absolute Überraschung der bisherigen Saison. Der 20-jährige Ross Barkley gilt als größtes Talent des englischen Fußballs, baldiger Weg zu einem Großclub vorgezeichnet, der ausgeliehene Stürmer Romelu Lukaku als Torgarant. Einen Punkt vor Everton der Lokalrivale FC Liverpool auf Platz vier, derzeitiger Teil der Big Four und Champions League Kandidat. Manager Brian Rodgers, wie Villas-Boas auch er ein Schüler von José Mourinho, baut seit zwei Jahren an der Anfield Road etwas auf, verfügt mit Luis Suárez über den derzeit wohl torgefährlichsten Stürmer des Weltfußballs. Für den Titel wird es noch nicht reichen, aber die Zukunft könnte wieder Triumphe für die Reds bereithalten.

Der FC Everton ist bis dato die wohl größte Überraschung der Premier League Saison 2013/2014. Im Zweikampf behauptet sich hier der neunfache Torschütze Romelu Lukaku (ausgeliehen vom FC Chelsea) gegen Dejan Lovren vom FC Southampton. Der 20-jährige Angreifer steht exemplarisch für viele starke Belgier auf der Insel.

Der FC Everton ist bis dato die wohl größte Überraschung der Premier League Saison 2013/2014. Im Zweikampf behauptet sich hier der neunfache Torschütze Romelu Lukaku (ausgeliehen vom FC Chelsea) gegen Dejan Lovren vom FC Southampton. Der 20-jährige Angreifer steht exemplarisch für viele starke Belgier auf der Insel.

Die Gegenwart gehört allerdings dem Trio an der Tabellenspitze. Arsenal mit 45, Manchester City mit 43 und Chelsea mit 42 Punkten bilden die Tabellenspitze, der Meister wird aus ihren Reihen kommen. Niemand in England rechnet mit einem Einbruch aller drei Teams. Der Dreikampf elektrisiert. Die Truppe von Arsène Wenger hat viele Sympathien über London hinaus, das mag auch am charismatischen Fußballphilosophen an der Seitenlinie liegen, dem fast ganz Fußball-Europa endlich wieder einen Meistertitel gönnt. Arsenal kann noch Wengers geliebte Ballstafetten in die Unendlichkeit spielen aber mittlerweile auch dreckige Spiele gewinnen und schon verschenkte Partien in drei Punkte verwandeln. Aus solchem Holz werden Meister geschnitzt. Star ist der Trainer. Ohne Charisma und Starqualität kommt Manuel Pellegrini daher. Unaufgeregt und für Fans wie Mannschaft durchaus wohltuend hat er die aufgeheizte Atmosphäre der Mancini-Jahre bei Manchester City beruhigt, mit sachlichem Arbeitsstil eine Mannschaft geformt, die als Einheit wirkt und neben ihrer enormen Heimstärke langsam auch auswärts Boden gewinnt. Ein breiter Qualitätskader mit großem Offensivpotential steht dem Chilenen zur Verfügung. In Yaya Touré hat Pellegrini einen klugen Lenker und torgefährlichen Mittelfeldspieler, um den ihn der Fußballkontinent beneidet. Manchester City und Pellegrini haben den Titel drauf, Charisma hin oder her.

Charismatisch ein anderer Herr, José Mourinho. Ihm gönnt eigentlich nie einer irgendetwas, deshalb nimmt er es sich. An Selbstbewusstsein und Können mangelt es dem Portugiesen nicht, er bot schon Pep Guardiola mehr als nur die Stirn. Erfolgsmenschen seiner Couleur – sofern sie nicht die l’art de vivre eines Arsène Wenger – sind immer in Gefahr der Unbeliebtheit. Diese teilt Mourinho mit seinem Club-Boss Abramowitsch. Seine Mannschaft rekrutiert sich aus alten Premier League Recken und kreativen Brasilianern, die auch Kämpfernaturen wie David Luiz in ihren Reihen haben. Eine spielerische Bank und Belebung ist der torgefährliche Eden Hazard. Die Handschrift des Managers wird immer sichtbarer, das Team findet sich. José Mourinho war nie ein Anhänger blinden Offensiveifers um des schönen Fußballs Willen, für ihn ist Fußball Fehlervermeidung nebst Defensivkönnen mit auf den Gegner abgestimmten taktischen Fallen und Finessen. Diesen Stempel drückt er auch dem aktuellen Kader von Chelsea auf. Mit der Mannschaft von der Stamford Bridge ist zu rechnen.

Die erste Halbserie bei ihren neuen Clubs hätte für David Moyes (links) und Manuel Pellegrini kaum gegensätzlicher verlaufen können. In der Tabelle liegt United stolze zehn Zähler hinter den Citizens zurück.

Die erste Halbserie bei ihren neuen Clubs hätte für David Moyes (links) und Manuel Pellegrini kaum gegensätzlicher verlaufen können. In der Tabelle liegt United stolze zehn Zähler hinter den Citizens zurück.

Die bisherige Enttäuschung der Saison ist Manchester United. Die Ferguson-Krone drückt David Moyes schwer. Jeder wäre unter dieser Last krumm. Die Tatsache wird Moyes nicht mehr lange schützen, zu seiner Ehre, er gebraucht sie nicht als Ausrede. Die Lage ist prekär. Daran auch Vorgänger Ferguson nicht unschuldig. Der Kader hat viele Baustellen. Elf Punkte hinter dem Tabellenführer, nicht auf einem Champions League Platz. Das Old Trafford längst keine Festung mehr, eher ein löchriger Käse, mickrige 14 Heimpunkte zeigen die Misere. Die Rotation – traumwandlerisches Instrument der Ferguson Jahre – misslingt Moyes gründlich. Der legendäre Kampfwille von Minute 90 bis Minute 96 dahin. Van Persies Verletzung lässt im Offensivspiel jede Inspiration vermissen, die Defensivleistung kommt des Öfteren zweitklassig daher. Man munkelt von Wintertransfers, es scheint aber kein Land in Sicht. Moyes Boden bleibt unsicherer Grund, Versinken nicht ausgeschlossen.

Furios nicht nur die Brasilianer der Premier League sondern auch die Belgier. Sie sorgen für Top-Leistungen, prägen manchen Spieltag und ihre jeweiligen Mannschaften. Nicht furios, eher sehr skurril geht es bei Cardiff City zu. Besitzer Vicent Tan sorgt für Kopfschütteln. Der ehemalige McDonalds-Konzessionär aus Malaysia wurde Milliardär durch Immobilien und Glücksspiel. Erst gefiel ihm die blaue Vereinsfarbe nicht, er mag es lieber rot, dann wollte er dem Aufstiegstrainer Malky Mackay Taktikhinweise in der Halbzeitpause überbringen. Mackays Entlassung empörte die Fans heiß und ließ Vincent Tan kalt. Nun sitzt Ole Gunnar Solskjær auf dem Schleudersitz, hat dafür das beschauliche Molde verlassen. Solskjær kennt man in deutschen Landen – vor allem bei Bayern München – nicht so sehr als Trainer. Sir Alex lässt grüßen.

Redaktion Magath & Fußball

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