Halbzeit – Premjer Liga (Russland)


Veröffentlicht am 14. Januar 2014

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Liga des WM-Gastebers 2018 dümpelt in Mittelmäßigkeit dahin

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Ein großes Land, große wie enthusiastische Fanmassen, Ressourcen für phantastische Stadionbauten und eine fast unerschöpfliche finanzielle Ausstattung der Besitzer für ihre jeweiligen Clubs. Es könnte eine Erfolgsgeschichte sein und ist doch eher ein Trauerspiel. Der russische Fußball nimmt mit seiner „Premjer-Liga“ einfach nicht an Fahrt auf.

Die lokale und nationale Brille verstellt weiterhin den Blick auf die internationalen Leistungsanforderungen wie auf die Notwendigkeit, den Clubs eine professionelle und wettbewerbsfähige Struktur zu geben. Die Liga verliert weiter an Boden. Ausnahme ist Zenit St. Petersburg, ein italienisch-deutsches Gespann unter Führung von Trainer Luciano Spalletti sorgt dort für ein höheres Maß an Professionalität gegenüber den in der Hauptstadt Moskau oder anderen Regionen ansässigen Clubs. Petersburg ist die positive Ausnahme von der eher trostlosen Regel. Negativbeispiel ist das mäßige Abschneiden der Moskauer Clubs in den europäischen Cupwettbewerben. Nicht von ungefähr hat Zenit also die Halbserie als Tabellenerster beendet und beste Chancen auf den Meistertitel. Wenn auch die Moskauer Vereine dicht gestaffelt in der Tabelle folgen, Lokomotive sogar Punktgleich auf Augenhöhe liegt, das Team von Spalletti ist nervenstark und hat einen ausgeglichenen wie sehr erfahrenen Kader, wird sich dem Ansturm erwehren können und sich am Ende durchsetzen.

Für internationale Aufmerksamkeit sorgte der Abgang von Guus Hiddink beim FK Anschi Machatschkala, dem ein Spielerausverkauf in viele Richtungen folgte. Ein vor wenigen Jahren mit großen Ambitionen gestarteter Verein, dem immerhin auch ein Samuel Eto’o zur Verfügung stand, wurde bei Wegfall der kräftigen Finanzmittel des Eigentümers sofort zu einem notleidenden Abstiegskandidaten, der nach 19 Spieltagen abgeschlagen das Tabellenende ziert. Die Liga brachte auch ein beachtliches Talent hervor, der junge Alexander Kokorin von Dinamo Moskau hat alle Anlagen zu einem großen Stürmer, er muss nun aber den Sprung vom Talent zum großen Spieler schaffen. Diesen Entwicklungssprung blieb er bisher schuldig. Eines scheint auch klar: ZSKA Moskau wird wohl seinen Titel nicht verteidigen, Zenit St. Petersburg hat beste Chancen, den dritten Meistertitel innerhalb von vier Jahre zu erringen. Wirkliche Überraschungen sind dies nicht, sie waren im russischen Ligaalltag auch so selten wie man spielerische Highlights mit der Lupe suchen musste. Es tummeln sich viele Altstars und viele Rückkehrer in der russischen Liga, ein Aufbruch frischer Nachwuchskräfte Richtung Heim-WM 2018 ist nicht erkennbar. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor den russischen Vereinen und dem russischen Fußball.

Redaktion Magath & Fußball

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