Halbzeit – Primera División


Veröffentlicht am 15. Januar 2014

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Spitzentrio dominiert spanische Liga

Diego Costa kann von Dani Alves und Javier Mascherano in dieser Szene zwar noch am erfolgreichen Torabschluss gehindert werden, erzielte in dieser Spielzeit aber schon 19 Ligatreffer für Atlético Madrid.

Diego Costa kann von Dani Alves und Javier Mascherano in dieser Szene zwar noch am erfolgreichen Torabschluss gehindert werden, erzielte in dieser Spielzeit aber schon 19 Ligatreffer für Atlético Madrid.

Der Fanfarenstoß dieser Kampfansage war laut und deutlich vernehmbar. Florentino Pérez hatte Real weiter nach seinem Bilde aufgerüstet, Wunschspieler Gareth Bale und Wunschtrainer Carlo Ancelotti wurden Teil der Königlichen. Die lauten Töne Richtung Katalonien sorgten bei Barça aber nicht für Furcht, weckten dagegen die Geister eines unmittelbaren Nachbarn. Atlético Madrid spielt die beste Saison seit 1996, der letzten Meisterschaft des Clubs. Beim FC Barcelona bleibt man gelassen, zwei Südamerikaner sorgten dafür. Der Brasilianer Neymar liefert sofort Spitzenleistungen und die ruhige aber unbeirrbare Art des Trainers Gerardo Martino bekommt dem Team gut.

Nun könnte noch ein dritter Südamerikaner dazu kommen, Lionel Messi fehlte des Öfteren, machte bislang nur zwölf Saisonspiele. Ihn plagte eine langwierige Verletzung, er soll diese auskuriert haben und wird in der Rückrunde Barça wohl nicht schwächer machen. Aber ist er noch der Alte? Alexis Sánchez und Pedro sind dafür in die Vollstreckerrolle gegangen und die besten Barça-Torschützen. Cesc Fàbregas ist weiterhin der stete Problemfall, wo soll er spielen, zwischen Mittelfeld und zentraler Spitze hat er alles drauf, aber der Stammplatz ist dennoch fraglich. Er hätte der König bei Arsenal werden können, ein neuer Thierry Henry, er wollt es anders. Grandios wie immer das Uhrwerk des Weltfußballs, Iniesta und Xavi sind das Außergewöhnliche, welches den Fußball an manchen Tagen zu etwas Besonderem macht. Die Qualität oder Schwäche der Defensive von Barça muss sich international zeigen, national sind die Härtetests zu gering.

Real Madrid hat derweil noch die Schmach zu erdulden, in der Hinrundentabelle hinter Atlético nur auf Platz drei einzulaufen. Der Argwohn gegen Trainer Ancelotti wird damit nicht geringer. Aber drei Punkte Rückstand auf den Titelplatz lassen alles noch in einem milden Licht erscheinen. Ob ein in seiner Fußballphilosophie typischer Italiener mit dem Offensivwillen des Weißen Balletts langfristig kompatibel, vielen Betrachtern ist dies immer noch nicht klar. Schon José Mourinho hatte mit den Worten Defensive und Abwehrstärke seine liebe Not im für Euphorie angelegten Edelclub mit dem ewig bescheidenen Anspruch der Nummer eins des Weltfußballs. Dem Trainer gelang es auf jeden Fall, die Kräfte eines Luka Modrić zu wecken, der sich langsam zum Spielgestalter des Teams aufschwingt. Florentino Pérez bleibt ein ungeduldiger Mann, darin ist Carlo Ancelotti allerdings feuererprobt, er diente immerhin schon Silvio Berlusconi und Roman Abramowitsch. Man hat bei Real nun wenigstens wieder den Weltfußballer in seinen Reihen, Ronaldos Knopflöcher platzen endlich wieder aus allen Nähten. Welch ein Theater! Glückwunsch.

Isco gilt als eines der größten Talente des spanischen Fußballs. Der 21-Jährige kam vor der Saison vom FC Málaga zu den Königlichen und ist hier von Valladolids Álvaro Rubio nur mit einem Foul zu bremsen.

Isco gilt als eines der größten Talente des spanischen Fußballs. Der 21-Jährige kam vor der Saison vom FC Málaga zu den Königlichen und ist hier von Valladolids Álvaro Rubio nur mit einem Foul zu bremsen.

Die Ansetzungsplaner hatten ein gutes Händchen, das Endspiel um den Halbzeitsieger zwischen Atlético und dem FC Barcelona ging am 19. Spieltag im Estadio Vicente Calderón über die Bühne. Man trennte sich 0:0, unter dem Strich irgendwie gerecht, der Einsatz von Messi brachte dabei keinen neuen Funken, vom alten Zauber nichts zu sehen. Vielleicht ist der Mann aus Rosario nur ein ganz normaler Fußballer geworden, erschöpft und verbraucht vom ewigen Gipfel und die lange Zeit eines Abstiegs hat begonnen, welcher noch in Höhen stattfindet, die andere Weltklassespieler nie erreichten. Wie soll ein Mensch auch verkraften, was Messi in den letzten Jahren erlebte, hörte, sah und las? Wer mag schon Teil seiner eigenen Vergötterung sein, die weiter voranschreitet? Die Frage nach Privatheit und Lebensnormalität solcher Spitzenspieler stellt man lieber nicht mehr. Aber das Geld stimmt, also Schwamm drüber, der globale Marketingfleischwolf braucht ewige Nahrung. Weshalb also Fragen stellen oder Zweifel haben…

Atlético hat diese direkte Feuerprobe gegen die Katalanen jedenfalls überstanden, lässt sich weiterhin nicht abschütteln. Nach dem Sieg im Stadtduell gegen Real, zumal in deren Stadion, ein weiterer Beweis für die neue Stärke. Gleichauf mit Barça und drei Punkte vor dem übermächtigen Nachbarn geht man in die Rückrunde. Trainer Diego Simeone wirkt oft wie die gegelte Version von Jürgen Klopp und scheint ähnlich erfolgsbesessen. Sein Team funktioniert. Der Weggang von Falcao nach Monaco hinterließ keine negativen Spuren, Diego Costa hat ihn nahtlos beerbt, schießt Tore am Fließband und ist einer der begehrtesten Stürmerjuwelen des Weltfußballs, Begehrlichkeiten bei den europäischen Edelclubs weckend. Die Innenverteidiger Godín und Miranda liefern oft absolute Spitzenklasse, von souverän bis rustikal haben sie alles drauf, der Belgier Thibaut Courtois ist ein Torwart der Extraklasse, im Abwehrverbund von Atlético stimmt es. Das Team von Diego Simeone wird oben dran bleiben.

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Am Tabellenende sieht Real Betis Sevilla wie ein Absteiger aus, auch der Trainerwechsel konnte den erhofften Sofortschub nicht bringen. Der Europa League Teilnehmer muss hart um die Ligazugehörigkeit kämpfen. Die Männer aus dem Baskenland von Athletic Bilbao haben den Weggang des genialistischen Trainers Marcelo Bielsa verkraftet, spielen nun unter Ernesto Valverde mit dem Bielsa-System und etwas mehr Entspanntheit eine gute Saison, sind verdient auf Platz vier und führen von dort aus den Rest der Liga an. Beim FC Málaga ist nüchterne Realität eingezogen, die Truppe von Scheich Al Thani ist unter Bernd Schuster den Abstiegsrängen näher als jeder internationalen Ambition.

Bemerkenswert ist eine neue Generation von besonders veranlagten Mittelfeldspielern, der Paraderegion des spanischen Fußballs, genannt seien hier vor allem Koke (Atlético Madrid) und Isco (Real Madrid). Nationaltrainer Vicente del Bosque wird es mit Freude registrieren. Der Spiel- und Ansetzungsplan der Primera División gleicht von Woche zu Woche längst einem Flickenteppich oder einem Geldsegen, je nach Standpunkt des Betrachters. Keine Spiele in Spanien laufen mehr parallel, an vier Tagen des Wochenendes, von Freitag bis Montag, werden Spiele zwischen 12.00 Uhr und 22.00 Uhr angesetzt. Eine einst legendäre Radioschaltkonferenz – ähnlich der in Deutschland – wäre in Spanien nicht mehr möglich, aus dem Äther käme nur noch das große Nichts, die ewige Stille. Es lebe der Sport.

Redaktion Magath & Fußball

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