Markus Liebherr


Veröffentlicht am 7. Februar 2014

0 Flares 0 Flares ×

Der Retter des FC Southampton

Markus Liebherr

Markus Liebherr verfolgt ein Spiel seiner Saints.

„Manchmal trifft man einen, der ist wie ein Licht…“, diese Gedichtzeile der deutschen Lyrikerin Eva Strittmatter wird man wohl in der südenglischen Hafenstadt Southampton eher nicht kennen. Das Phänomen dieses in Poesie verwandelten Satzes hat man aber im Sommer des Jahres 2009 hautnah erlebt, eine Art Wunder kam über die Fußballherzen der Hafenmetropole. Kein philanthropischer Engländer, kein glitzernder Oligarch oder ein sagenumwobener Scheich war für den FC Southampton zu begeistern. Die Situation des Southampton Football Club ähnelte der Titanic nach deren Begegnung mit dem Eisberg. Eine Geschichte der Leiden lastete auf dem Rücken von Verein und Fans. 2005 stieg der englische Traditionsverein aus der Premier League ab und wurde 2009 in die dritte Liga durchgereicht, 30 Millionen Schulden drückten den Club in Todesnähe. Der Besitzer des Clubs musste Konkurs anmelden, Aktien wurden vom Handel ausgesetzt, Löhne nicht mehr gezahlt. Der Club hatte sich mit dem Bau des schönen, wie kostspieligen St.-Mary’s-Stadion finanziell völlig verhoben. Der Spielbetrieb drohte eingestellt zu werden. Ein Retter war nicht in Sicht. Da stand im Juni 2009 urplötzlich die pure Solidität vor der Tür, ein Schweizer Unternehmer ohne Flitter und Tand, aber dafür mit viel Klang im Namen, einer Vision und Könnerschaft, natürlich auch Geld im Gepäck.

Der 1948 geborene Markus Liebherr, Eigentümer der von ihm 1994 gegründeten MALI International AG, betrat die große Fußballbühne. Eine personifizierte Erfolgsgeschichte in der großen Unternehmenswelt und ein leidenschaftliches Fußballherz, gepaart mit dem Blick für richtige Entscheidungen, stand, wie aus dem Nichts kommend, den Saints zur Seite. Markus Liebherr kaufte den FC Southampton, arbeitete und investierte, erhielt einer Stadt und der ganzen Region den Fußball und den Glauben an bessere Zeiten. Der kluge wie weitsichtige Schweizer Investor fackelte nicht lange, packte an, traf Entscheidungen, stellte Weichen, fand das richtige Personal und sicherte Überleben und Zukunft des englischen Traditionsvereins aus dem Süden der Insel. Diese Neugeburt war ein Himmelfahrtskommando, mit dem Rucksack von zehn Punkten Abzug musste in der dritten Liga begonnen werden. Markus Liebherr ließ sich davon weder schrecken noch aufhalten, Herausforderungen belebten ihn. Wenn ein großer Mensch ein helles Eck hat, dann strahlt es darin besonders. Im Eck von Markus Liebherr strahlte die Lust am Fußball. Er hat in seinem Unternehmerleben eine Menge erlebt, Höhen und Tiefen immer mit dem Blick nach vorn angenommen, war ein Gestalter und Problemlöser, ein Macher im besten Sinne des Wortes. Auch in seinen Fahrzeugen und Maschinen stecken viele technische Revolutionen, einiges war seiner Zeit weit voraus, man denke nur an die legendären Traktorenmodelle Mali trac. In seinem Beruf entfaltete sich der ganze unternehmerische Mut von Markus Liebherr zu voller Größe. Die kühne Tat wohnte seiner Persönlichkeit stets inne.

imago15447003m_c

Markus Liebherr steht in dem Ruf, vielen Menschen unspektakulär geholfen zu haben. In ihm sahen auch Mitarbeiter stets den unbestechlichen, harten, selbstlosen Arbeiter. Unternehmerisches Lied, das war bei ihm ein arbeitsreiches Lied. Unternehmerisch zu denken, zu handeln und zu entscheiden, daraus bestand sein Leben. Auf ihn trifft der schöne Vergleich zu, den Bismarck auf sich anwandte: Jedes andere Steckenpferd sei vom Beruf verschlungen worden wie die kleinen Forellen von den großen. Nur das Steckenpferd Fußball ließ sich Markus Liebherr einfach nicht nehmen.

Völlig überraschend und für seine Familie wie Freunde unfassbar ereilte der Tod Markus Liebherr und riss ihn mitten aus einem aktiven Leben. Am 10. August 2010 starb der Retter des FC Southampton, Unternehmer, Förderer und Fußballfan im Alter von 62 Jahren. In Southampton hielt man den Atem an, nicht nur unter Fans war die Trauer groß, wie berührend. Ein Mann wie ein Baum war gefällt, seine Wurzeln aber treiben weiter. Ihm flicht die Nachwelt Kränze. Wenn der FC Southampton heute im gesicherten Mittelfeld der Premier League wieder der Beletage des englischen Fußballs angehört und in sicheren Fahrwassern verkehrt, dann ist es ein Verdienst vieler. Aber kein Anteil ist so riesig daran, wie der von Markus Liebherr. Dieses Fußball-Erbe hat nun in großer Verantwortung seine Tochter Katharina Liebherr mit Souveränität und Tatkraft angetreten und das Steuer im Verein persönlich in die Hand genommen. Der Vater wäre wohl nicht nur sehr glücklich, er wäre sicher auch sehr stolz. Es gibt noch Menschen, die wissen wo es langgeht, und die Fußball-Geschichte machen. Die Liebherrs gehören dazu. „Manchmal trifft man eine, …“

Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar