Halbfinale winkt


Veröffentlicht am 8. April 2014

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Ezequiel Lavezzi (links) brachte PSG im Hinspiel schon nach drei Minuten auf die Siegerstraße.

Ezequiel Lavezzi (links) brachte PSG im Hinspiel schon nach drei Minuten auf die Siegerstraße.

Rückspiele im Viertelfinale – Champions League biegt auf die Zielgerade

Paris Saint-Germain hat für den Aufmerker gesorgt, ein Sieg, zwei Tore Vorsprung und Chelsea ruhmlos zurück nach London. Sicher die Überraschung der Hinspiele, wenn auch keine Sensation. PSG-Trainer Laurent Blanc hat ein Team mit Ambitionen und Eigentümer, die – wie Roman Abramowitsch – alles möglich machen. Am Ende kritisierte José Mourinho die Abwehrleistung seiner Chelsea-Elf nicht, er fand nur Spott und das Defensivverhalten „lächerlich“, was wesentlich schlimmer als sein Zorn. Im Stadion saß Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari, der sich die Augen gerieben haben muss. In Chelseas Mannschaft liefen immer noch Spieler auf, die er in seiner Amtszeit 2008/2009 ausmustern wollte, weil sie ihren Zenit überschritten. Die Macht dieser Spieler – so stark wie in keinem Club der Welt – ließ damals kein frisches Blut für Chelsea zu, brachte vielmehr Scolari um seinen Job. Mourinho ist stark und gefestigt, wird sich zum Saisonende sicher auch von einigen Instanzen trennen, den Neuanfang intensivieren. Mit Zlatan Ibrahimović fehlt PSG die personifizierte breite Brust, man fährt dennoch selbstbewusst an die Stamford Bridge. Laurent Blanc weist immer darauf hin, PSG ist viel mehr als Zlatan Ibrahimović. Ob dem wirklich so ist, man wird es erleben. Die Cavani, Motta oder Thiago Silva haben jedenfalls eine Menge Fußball drauf, sind hungrig auf den Schritt ins Halbfinale, können es auch schaffen. Wie viel Appetit die Chelsea-Stars noch entwickeln, um gegenzuhalten, es wird sich zeigen. Aufgabe wird José Mourinho nicht dulden.

Ein Generationswechsel wurde auch bei Manchester United nicht rechtzeitig vollzogen, David Moyes steht diese Umbauphase noch bevor, er ist allerdings weder gefestigt noch stark, muss sich mit viel Skepsis gegen seine Person rumschlagen. Die Saison wird wohl erfolglos bleiben, der Meistertitel weg. Sehr ungewohnt im Old Trafford. Im Gegensatz zum sonstigen Verlauf der Saison hat sich Moyes im CL-Viertelfinale mit seinen Männern beachtlich aus der Affäre gezogen. Den Bayern auf internationalem Parkett ein Unentschieden abzutrotzen, in einem Spiel wo es um alles geht, viele Teams schaffen dies nicht. Es wird wohl trotzdem in der Gesamtrechnung nicht reichen, dafür die Bayern dann doch zu stark, zu selbstbewusst, zu gut drauf. Eine Niederlage in Augsburg sollte niemand ernst nehmen. (Achtung haben sich die Augsburger dennoch verdient.) Pep Guardiola will seinen dritten Champions League Sieg. Wer will ihn daran hindern?

Carlo Ancelotti wird es wenigstens versuchen, in Sachen CL-Siege steht er Guardiola und Mourinho nicht nach. Er muss auch liefern, um die Meisterschaft steht es nicht gut und ohne Champions League Titel ist jeder Trainer der Königlichen auf treibendem Grund, egal wie bedeutend seine Reputation. Real scheint weiter, Dortmund geschlagen. Jürgen Klopp sah in Madrid schon mal in die Zukunft ohne Robert Lewandowski. Beste Torchancen konnten für das notwendige Auswärtstor nicht genutzt werden. Einst den Bayern die Show gestohlen, in deren Sphären gewildert und mit Fußballfeuerwerk Titel gewonnen, nun wieder im Schatten der Münchner, um dort mit Schalke und den Industrievereinen Leverkusen und Wolfsburg um die Reste zu kämpfen. Die Rücklichter der Bayern entfernen sich derweil weiter, eventuell springt ja noch ein weiterer BVB-Spieler auf den Bayern-Express mit seinen funkelnden Verlockungen. Dieses Damoklesschwert wird ewig über Dortmund hängen – man hat noch wirklich gute Kicker im Kader, trotz des 0:3 im Bernabéu. Viele Gründe für Jürgen Klopp, etwas angefressen zu sein. Eine gewisse Dünnhäutigkeit überlagert mittlerweile die Ironie und macht dem Sarkasmus Bahn. Man wirft ihm auch Zorn bei Reporterfragen vor, sollte aber bitte auf die „Qualität“ solcher Fragen achten. Das Umklammern eines Mikrofons oder das sich dahinter Verschanzen ist auch weiterhin kein irdisches Kompetenzsiegel. Warum manch Fußballtrainer bei den fachentleerten Fragen und Phrasen – die oftmals direkt nach dem Spiel einprasseln – nicht schreiend aus dem Stadion rennt, es bleibt ein großes Rätsel unserer Zeit.

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Atlético Madrid konnte über eine ganze Saison weder von Real noch von Barca abgeschüttelt werden und scheint auch in der Champions League Ambitionen zu hegen, die denen der Clásico-Teams ähneln, dabei fühlt man sich allerdings als Außenseiter pudelwohl und ist zu vielem fähig. Barca hat dieser Tage viele Baustellen neben dem Platz und hinterlässt auf dem Rasen manchmal Ratlosigkeit bei eigenen Anhängern. Dieses Team wird immer an selbst gesetzten Maßstäben gemessen, die naturgegeben kein ganzes Jahrzehnt haltbar sind. Sieht man eher dem Abstieg einstiger Größe zu oder dem Aufstieg zu neuen Höhen? Schwer zu sagen. Selbst im Niedergang ist Barca noch gigantischer als alles was Europas Spitze so zu bieten hat, die Bayern wohl ausgenommen. Das Barca unserer Zeit ist allerdings wenig berechenbar, sie können glanzvoll ins Halbfinale oder einfallslos ausscheiden, vieles ist möglich, Erwartetes wie Unerwartetes. Atlético wird alles geben, um die Katalanen aus dem Wettbewerb zu schmeißen, sieht man Trainer Diego Simeone am Seitenrand – darin ähnlich seinem deutschen Kollegen Klopp – scheint kein Trainer heißer und besessener auf den Halbfinaleinzug. Messi und Co. müssen auf alles gefasst sein. Wohl die spannendste und offenste Partie des Viertelfinals, Elfmeterschießen nicht ausgeschlossen…

Die Rückspiele im Champions League Viertelfinale

Dienstag, 8. April 2014, 20.45 Uhr
Borussia Dortmund – Real Madrid (Hinspiel 0:3)
FC Chelsea – Paris St. Germain  (Hinspiel 1:3)

Mittwoch, 9. April 2014, 20.45 Uhr
FC Bayern – Manchester United (Hinspiel 1:1)
Atlético Madrid – FC Barcelona (Hinspiel 1:1)

Redaktion Magath & Fußball

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