Fußballstreifzug nach Ostern


Veröffentlicht am 24. April 2014

1 Flares 1 Flares ×

imago16268309m_c

Ligen im Endspurt – WM am Horizont – Tage der Entscheidung

Helenio Herrera feiert fröhliche Auferstehung in Person von José Mourinho. Die Defensivtaktik des Portugiesen machte dem gloriosen Erfinder des Catenaccio alle Ehre. Die noch im Viertelfinale der Champions League mit eigener Defensivtaktik über Barca obsiegenden Mannen von Atlético Madrid, bissen sich nun im Halbfinalhinspiel auf eigenem Rasen die Zähne am FC Chelsea aus, versuchten offensiv viel, erreichten wenig. Mourinhos Wand wackelte, kostete ihm Personal aber sie hielt stand. Defensive um jeden Preis verdient selten Schönheitspreise, erntet gerümpfte Nasen, verboten ist sie nicht. Nun stehen die Weichen in Sachen Finaleinzug nicht schlecht für das Team von der Stamford Bridge. Unendlicher Ballbesitz oder die Mär vom schönen Spiel interessierten Mourinho schon immer wenig, er weiß den Erfolg einzufahren, davor wird sich auch der Finalgegner fürchten. Carlo Ancelotti ist Italiener und hat Defensive im Blut, die von Real sah wesentlich ästhetischer aus als Mourinhos Mauerwerk. Aber Gegner werden dann wohl doch die Bayern des Pepe Guardiola, der dem Spiel stets Bedeutung geben möchte. Der in Deutschland zu einer Art Fußballheiliger erhobene Guardiola ist einst mit Barcas Fußballzauber an einer meisterlichen Inter Defensive gescheitert, Trainer der Mailänder: José Mourinho. Dieser lebt die alte Fußballweisheit „Tore können Spiele entscheiden, die Defensive gewinnt Titel“. Wird Guardiola auf dem europäischen Parkett an seinem pragmatischen Widersacher aus London scheitern? Oder wird am Ende Atlético alle Pläne durchkreuzen und mehr aus dem heimischen 0:0 machen als momentan zu erwarten? Mit steigenden Frühlingstemperaturen und dem nahen Zieleinlauf der Champions League wissen wir mehr.

Auf der Zielgeraden auch der Fußball in Deutschland, aus dem im Oberhaus die heiße Spannungsluft schon seit vielen Wochen gewichen. Der Fußballstreifzug schaut in die 2. Bundesliga. In Köln feiert man Aufstiege eh und je wie Champions League Siege. Ein exzellenter Trainer machte am Rhein vieles wieder möglich, auch sofort einsetzende utopische Träume. Peter Stöger steht in bester Wiener Trainertradition. An einen österreichischen Trainer werden sie in Hamburg wehmütig denken. Was dieser berühmte wie geniale Fußball-Grantler über Niedergang, selbsternannte Reformer, Gegenrefomer und latente Inkompetenz in seinem Ex-Verein so zu sagen hätte, ein Grab auf dem Hernalser Friedhof zu Wien verbirgt es für alle Zeiten. Die Bundesliga verzeichnet kurz vor Saisonende auch noch eine Trainerentlassung. Der Holländer Gertjan Verbeek musste seinen Platz beim Club räumen. Nürnbergs Manager Martin Bader hatte vollmundig angekündigt, man werde „alles hinterfragen“. Beim Hinterfragen kommt er völlig überraschend auf allerhand Zeug, nur auf den Manager Bader kommt er nicht. Bei Einstellung Verbeek wollte Bader sein Schicksal unbedingt mit dem des Holländers verknüpft sehen. Worte. Wieder ein Funktionärsdasein auf dem Rücken eines entlassenen Trainers gesichert.

Ein Trainer und gleichzeitig Manager in einer ganz anderen Sphäre des Fußballs musste in Manchester weit vor dem geplanten Vertragsende gehen. David Moyes konnte dem großen Ferguson-Erbe und dem daraus resultierenden Erwartungsdruck nicht standhalten, die Ergebnisse waren ihm keine Fürsprecher. Der erste Nachfolger von Ferguson, egal welchen Namens und welcher Erfahrung, konnte wohl nur scheitern. Nun sucht man bei United eine Lösung die passt, das Erbe der Vergangenheit bewältigt und die Zukunft plant ohne in der Gegenwart den Anschluss zu verpassen. Eine schwere, reizbare wie große Aufgabe. An der Linie bis Saisonende eine Legende: Ryan Giggs.

imago16171191m_c

Einige Kilometer weiter scheint die Fußballsonne, der lange auf der Stadt liegende Ferguson-Schatten verflüchtigt sich. In Liverpool ist nach 24 Jahren der Titel für die Reds greifbar, eine Stadt steht unter Fußballstrom. Hier heißt die letzte Hürde wohl Chelsea, am kommenden Sonntag steigt das Duell in Anfield. Sollte José Mourinho dieses Spiel schon unter dem Gesichtspunkt des kommenden CL-Halbfinal-Rückspiels sehen, Liverpool wird am Hindernis wohl nicht scheitern. In Portugal bei Benfica und in Kroatien bei Dinamo ist man schon ein Stück weiter, Benfica Lissabon und Dinamo Zagreb feierten bereits den Gewinn der Meisterschaft, in Kroatien ist der Titelkampf wie in Deutschland längst nur „Ein-Club-Angelegenheit“. In Frankreich will Olympique Marseille den Abstand zu den finanzstarken Clubs Paris Saint Germain und dem AS Monaco durch eine spektakuläre Trainerpersonalie verringern, zur neuen Saison soll Argentiniens Trainerlegende Marcelo Bielsa verpflichtet werden. Bielsa gilt vielen immer noch als eigentlich optimaler Barca-Trainer, der es natürlich wegen seiner unbeirrbaren Geradlinigkeit nie werden wird. In Holland steht Ajax vor seinem 33. Meistertitel, sehnt sich aber längst wieder nach großen internationalen Zeiten wie weiland unter Michels, Cruyff und van Gaal.

Wie nichtig oft der Fußballalltag, mit seinen kleinen und großen Aufgeregtheiten, zeigt der Blick nach Brasilien und auf ein Sportlerschicksal. An der Copacabana fallen Schüsse bei Protesten und Straßenschlachten, es brennen Barrikaden in den Armenvierteln, Gewalt erreicht längst die Touristenviertel, der soziale Friede im Gastgeberland der WM scheint fragil. Ein kalter Schatten legt sich auf die Vorfreude. Trauer im australischen Fußball und bei West Ham United, ein junger Nachwuchsspieler mit einst großer Veranlagung stirbt an Ostern nach langer Krankheit mit nur 20 Jahren an Krebs. Die Trikotnummer von Dylan Tombides wird in dessen Angedenken bei West Ham nie mehr vergeben. Auch diese Dinge sind Teil der Fußballwelt.

Hollands Jahrhundertfußballer Johan Cruyff sorgt sich derweil um den FC Barcelona, welcher aus seiner Sicht nicht am Fußball und seinen Spielern, sondern eher an seinen Funktionären krankt. Ob Cruyff ein Mahner und Kritiker bleibt oder gar aktiv ins Geschehen eingreift, nichts Genaues weiß man nicht. Ein Vereinspräsident Cruyff wäre sicher nicht weniger erfolgreich als der Spieler und Trainer. Mittelmaß war seine Sache nie, sein Wort hat in Katalonien Gewicht wie in Amsterdam. Diese und viele Fragen bleiben offen, die Antworten werden bald gegeben, die WM naht, der Kalender macht Druck, kurz nach dem Hochstemmen von Meisterpokalen gilt es schon wieder eine neue Saison vorzubereiten, Weltmeisterschaft hin oder her. Entscheidungen auf und neben dem Platz stehen an. Am Ball bleiben lohnt.

Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar