Die Passion des Pep Guardiola


Veröffentlicht am 29. April 2014

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Lissabon vor Augen und Katalonien im Herzen

Neben der Leidenschaft für das vollendete Spiel und dem Traum vom ewigen Ballbesitz, treibt Pep Guardiola noch eine andere Leidenschaft um. Pep Guardiola ist ein wahrer Musterkatalane, Verfechter der Unabhängigkeit seines Heimatlandes, ein Vorkämpfer und eine Symbolfigur für alle Gleichgesinnten. Geboren in der Provinz Barcelona, erblickte Guardiola 1971 in der kleinen Gemeinde Santpedor das Licht der Welt, in der Herzkammer Kataloniens. In Santpedor ist der Fußballplatz schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt. Gegen den Bau eines Denkmals hat er aber dann doch sein Veto eingelegt. Ihm geht es nicht um Eitelkeiten, ihm geht es um Katalonien. Seiner Heimatgemeinde und den dort lebenden Menschen ist ihr Pep bis heute treu geblieben. Katalonien trägt er im Herzen, ob er sich nun in der Weltmetropole New York aufhält oder in der bajuwarischen Hauptstadt München seiner Arbeit nachgeht. Worte wie „wir spielen linken Fußball, alle machen alles“ wird er allerdings in München und beim FC Bayern nicht in die Mikrofone sagen. In Barcelona tat er dies regelmäßig. Darin dem großen César Luis Menotti ähnlich und inhaltlich nah beim Che Guevara Verehrer Óscar Tabárez, seines Zeichens uruguayischer Nationaltrainer.

Mit Sätzen wie „Katalonien ist meine Heimat. Und Katalonien ist nicht Spanien.“ genießt Guardiola daheim Sympathie und Zuneigung, die fast schon an Personenkult heranreicht, aber auf der Liebe der Menschen zu einem erfolgreichen Sohn ihres stolzen Landes fußt. Verklärung und Bewunderung sind Guardiola eher peinlich, er fühlt sich als Teil seiner Heimat, hat seine Wurzeln immer geehrt und niemals vergessen. Neben seinem geliebten FC Barcelona wäre er im internationalen Fußball gerne für Katalonien aufgelaufen. Als immerhin 47-facher Nationalspieler Spaniens erklärte er bündig: „Laut Gesetz müssen wir für Spanien spielen – Katalonien ist ja international nicht berechtigt.“ Er beklagte stets die Nichtberücksichtigung von Katalonien durch FIFA und UEFA. Nicht wirklich ein stolzer Spanier aber ein sehr patriotischer Katalane.

Seinen heutigen Ruhm, seine immense Popularität nutzt Guardiola weidlich für die Sache Kataloniens, seine Mitbürger sind ihm dankbar dafür. Santpedors Bürgermeisterin Laura Vilagrà Pons, eine eiserne Verfechterin der Unabhängigkeit, schwärmt von Guardiola: „Pep ist derjenige, der uns momentan viel Aufmerksamkeit für die katalanische Sache bringt. Er macht diese Dinge viel besser als jeder unserer Politiker.“ In Katalonien ist man gegen das Königshaus und gegen die Zentralregierung, man will seine eigene Sprache und seine eigene Kultur verteidigen. Pep Guardiola ist der wohl prominenteste Teil dieser Bewegung. Ein anderer Prominenter – Barca Legende auch er – trainert die seit 2009 existierende Nationalmannschaft Kataloniens, der alte Guardiola-Mentor Johan Cruyff.

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In Santpedor kennt man jeden Schritt von ihm, schwelgt in Geschichten. Ein Klassenkamerad und Freund erinnert sich: „Schon als Junge wollte er die Mannschaft aufstellen und immer gewinnen. Vor allem aber wollte er stets Recht haben.“ Guardiola erlebte eine Kindheit, in der man noch an den Ohren gezogen und zur Bestrafung zu den Nonnen geschickt wurde. Auch dort ließen sich allerdings Streiche organisieren. Wirkliche Bestrafung war allerdings das Fußballverbot. Ohne Spiel und Ball litt Pep wie ein Hund. Vater Valenti Guardiola, glühender wie freundlicher Katalane auch er, vital und engagiert trotz seiner 82 Lebensjahre, informiert seinen Sohn Pep regelmäßig am Telefon über neueste Entwicklungen in Santpedor wie in Katalonien, die Heimat bleibt dem Junior daher immer gegenwärtig. Im März 2014 wurde in den spanischen Medien ein Video veröffentlicht, in dem Guardiola in gutem Deutsch gemeinsam mit anderen katalanischen Prominenten auftritt, aus der UN Charta zitiert und das dort verbürgte Recht „auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ auch für Katalonien einfordert.

Die politische, kulturelle und wirtschaftliche Differenz zwischen der Zentralregierung in Madrid und den Unabhängigkeitsbefürwortern in Katalonien ist sehr groß. In Barcelona hat man bis zum heutigen Tag auch nicht die Behandlung durch Diktator Franco vergessen, der Alleinherrscher regierte auch in den Sport hinein, verbot dem FC Barcelona sogar das Vereinsemblem auf den Trikots und protegierte über Jahrzehnte Real Madrid. Dazu Pep Guardiola einst bei einer Ehrung für seine Verdienste um den FC Barcelona: „Wir haben viele Rückschläge einstecken müssen, als Mannschaft und als Land, aber wir haben uns immer wieder aufgerappelt.“ Auch deswegen sind Spiele für Guardiola gegen die Königlichen immer besonders schwierig und belastend, laut Vater Valenti „steht Pep gegen Real immer unter ganz besonderem Druck“. Es geht eigentlich „nur“ um den Einzug ins Champions League Finale und wer die Endspiel-Tickets nach Lissabon löst, aber ein bisschen geht es auch immer um Katalonien. Mit Sicherheit wird es wieder kein Spiel wie jedes andere für Pep Guardiola.

Redaktion Magath & Fußball

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