Der Sieger geht leer aus


Veröffentlicht am 7. Mai 2014

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Besessener des Fußballs – Luis Suárez ist Englands Fußballer des Jahres

Gestik versteinert, Körpersprache leer, Fußballseele gefroren. Wie war den Spielern des FC Liverpool und ihrem Torgaranten Luis Suárez wohl zumute? Die Londoner Nacht legte sich für die Reds bitter auf den Selhurst Park, die Heimstatt von Crystal Palace. Was auch noch passiert, es war trotzdem die Saison des Luis Alberto Suárez Díaz, es war sein Jahr und dabei steht die WM erst noch ins Haus. Der Uruguayer in den Diensten des FC Liverpool wurde vor wenigen Tagen Fußballer des Jahres in doppelter Ausführung, Spieler und Journalisten wählten ihn zu ihrer Nr. 1 dieser sich neigenden Saison. Trotz Steven Gerrard und Yaya Touré, die es auch verdient hätten, es konnte wohl nur einen geben, den Torjäger, Antreiber, Fußballer par excellence Luis Suárez.

Der Weltklassestürmer, der dieses Prädikat verdient und nicht nur als Monstranz mit sich durch das Fußballeben trägt, spielt seit 2011 für den FC Liverpool und hat wohl gerade die bisher beste Saison seiner Karriere hingelegt. Die Wahl zum besten Spieler einer grandiosen Liga wird ihn schwerlich trösten. Er will immer alles für sein Team und nicht für den persönlichen Erfolg, auch darin eher eine Ausnahme im heutigen Fußballuniversum. Lieber fliegt er für seine Mannschaft vom Platz als dem Gegner einen Triumph über sein Team zu gönnen, dabei geht er mit sich und seinen Widersachern über Grenzen, die oft für Aufregung und Provokation sorgen. Halbheiten sind nicht die Sache des Luis Suárez, er schont nicht sich, er schont niemanden. Fußball total oder gar nicht. Der persönliche Lorbeer wird diesen Spieler nicht befrieden, dessen Fußhallhunger giert nach mehr. Er braucht Titel und Ehren für seinen Club, Erfolg für sein Team. Nah dran waren die Reds. Die Meisterschaft greifbar, der Titeltraum erfüllbar.

Der FC Liverpool stand 24 Jahre nach der letzten Meisterschaft vor dem Triumph, eine neue Generation von hungrigen Fußballern vor der frühzeitigen Vollendung. Unter ihnen keiner so außergewöhnlich und bemerkenswert wie der Uruguayer Luis Suárez. Aber am 27. April patzte an der legendären Anfield Road ausgerechnet die Clublegende Steven Gerrard, das Chelsea des José Mourinho entführte drei wichtige Punkte, der am Horizont aufkeimende Meisterglanz der Reds bekam eine erste Schlagseite, drohte nun zu kentern. Ein Liverpooler Gütesiegel dieser Saison ist aber niemals aufzugeben, Manchester City sollte der Titel nicht kampflos überlassen werden. So ging man auch ins schwere Auswärtsspiel gegen die zurzeit wie entfesselt aufspielenden Aufsteiger Crystal Palace. Am Abend des 5. Mai 2014 führten die Liverpooler in der 78. Minute mit 3:0, das dritte Tor hatte in Minute 55 Luis Suarez persönlich besorgt, sein 31. Treffer im 32. Spiel. Ab der 79. Minute nahm dann ein Unglück seinen Lauf, es kam in Form der unermüdlichen Kämpfer von Crystal Palace. Neun Minuten später stand es 3:3, aus den erhofften drei Punkten wurde einer, zu wenig für den Meisterglanz, zu wenig für den heiß ersehnten Titel, zu wenig für Luis Suárez. Leere, Tränen, Bitterkeit und maßlose Enttäuschung, die Gesichter verloren in den Abendhimmel blickend, Luis Suárez gehörte zu den Untröstlichen. Der Fußballer des Jahres Luis Suárez wird nicht aufgeben, noch hungriger weitermachen, auch die Torjägerkrone in der Premier League ist ihm nicht mehr zu nehmen. Was für eine Saison und doch diese Leere…

Trost kann man Luis Suárez wohl nicht spenden, aber man darf respektvoll und anerkennend zu einer famosen und grandiosen Spielzeit dem Fußballer des Jahres in England gratulieren. Bei Luis Suárez kann man sicher sein, es war nicht sein letzter Triumph. Zur Weltmeisterschaft wird man ihn wieder mit 110 Prozent erleben und erneut bewundern können. Eine Aussicht, wenn man an die dortige Gruppenkonstellation denkt, welcher man in England sicher nicht nur mit purer Freude entgegen blickt. Glückwunsch Luis Suárez zum Fußballer des Jahres. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

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