And the Winner is: Manchester City


Veröffentlicht am 13. Mai 2014

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Symbolfigur einer Meisterelf: Yaya Touré.

Symbolfigur einer Meisterelf: Yaya Touré.

Premier League Saion 2013/14 spannend wie selten – Kämpfe oben wie unten

Irlands großer Schriftsteller Georg Bernard Shaw meinte einst: „Es gibt im Leben zwei Tragödien. Die eine ist, dass man sich einen Herzenswunsch nicht erfüllen kann, die andere, dass man sich seinen Herzenswunsch erfüllt hat.“ Steven Gerrard hat am 36. Spieltag die Sache mit dem „Herzenswunsch“ am eigenen Leib gespürt. Ein persönliches Missgeschick in Form eines Ausrutschers und Chelsea führte an der Anfield Road, holte am Ende die drei Punkte die Liverpool so dringend für die Vollendung des Meistertraums benötigt hätte. Der erste Meistertitel für Steven Gerrard lässt also weiter auf sich warten. Auch wenn Legendenbildung das Individuum mag und die Masse ignoriert, dieses Schlüsselspiel wurde von der Liverpooler Mannschaft und nicht von einem Spieler verloren. In Anfield singen sie seither den Namen von Gerrard noch lauter und steigern Verehrung in Liebe. Auch notorische Anhänger der Schadenfreude hatten seither ihren unsportlichen Spaß, so ist es mit dem Pech der Großen, es erwärmt oft die Geringen. Liverpool ist zurück in der Champions League und Luis Suárez spielte eine famose Saison, wurde Torschützenkönig und zeigte die gute Seite seines Fußballgesichtes. Die Reds wird man auch in der kommenden Saison auf dem Zettel haben müssen. Es gibt wahrlich schlechtere Bilanzen.

Ein anderer Großer kommt weder mit dem Nimbus von Gerrard noch mit dem Temperament von Suárez daher, war in seiner speziellen Art mit den beiden Liverpooler Spielern wohl die prägende Figur der Saison 2013/14, Fixpunkt und Garant für die Meisterschaft von Manchester City. Yaya Touré ist eine der staunenswerten Ausnahmeerscheinungen im Fußball, Weltklasse ohne Trommelwirbel, der Mann macht einfach seinen Job. Wenn er diesen einmal nicht ausüben kann, wie im Nachholspiel gegen Sunderland, gerieten auch die Meisterambitionen von ManCity sofort ins Stottern, ein 2:2 im heimischen Emirat kostete fast den Titel. „Nebenher“ lieferte der Mittelfeldspieler noch 20 Tore und 9 Vorlagen zur Meisterschaft, auch dies mehr als nur beachtlich. Klasse auf allen Ebenen. Die Mancini Meisterschaft von Manchester City war vor zwei Spielzeiten eine Talfahrt emotionaler Auf- und Ausbrücke. Theater, Nervenfieber, Degradierungen und Begnadigungen schienen an der Tagesordnung. Am Ende lohnte sich der Trubel dennoch, ein Herzschlagfinale ließ den Rivalen Manchester United geschlagen zurück und rief nochmals alle Energien des Nachbarn Alex Ferguson auf den Plan. Die frisch errungene Meisterschaft unter dem gelernten Ingenieur Manuel Pellegrini glich dagegen einer wissenschaftlichen Laborarbeit, mit Beharrlichkeit und dem Wissen um die richtige Mischung im Team ließ sich der Chilene nicht von Stimmungen leiten, er ging einfach seinen Weg, sein erster Meistertitel auf europäischem Boden war die Belohnung.

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Die Eigentümer von ManCity werden nun auch spürbare Champions League Ambitionen hegen, man darf auf die Verstärkungen der Citizens gespannt sein. UEFA Sanktionen werden die ehrgeizigen Ziele des Clubs wohl nicht aufhalten. Potential für einen weiteren Sprung nach oben ist selbst im jetzigen Team ausreichend vorhanden. Man denke nur an den in 15 Spielen verletzten und damit fehlenden Kun Agüero. Er lieferte in den ihm verbleibenden 23 Spielen immerhin 17 Treffer, hätte Luis Suarez die Torjägerkrone wohl als einziger streitig machen können. Ihr Duell könnte einer der Reizpunkte der neuen Saison werden, bei der WM werden sie beide auf Jagd für ihre Länder gehen, Begegnung nicht ausgeschlossen. Ein weiterer Garant für den Meisterlauf von ManCity war die Magath-Entdeckung Edin Dzeko, der unter Pellegrini endgültig Stammpersonal im Team wurde, ihn hätte José Mourinho gerne als Fußballer des Jahres gesehen, wenn er diese Meinung auch ziemlich exklusiv hatte.

Mourinhos Männer ließen im Saisonfinale an der heimischen Stamford Bridge völlig unvermutet gegen Sunderland und Norwich fünf mögliche Punkte liegen, diese auf dem Konto hätten die Meisterschaft gebracht. Ob die Fixierung auf die Champions League diese Ausrutscher zu verantworten haben ist seither Gesprächsstoff. Arsenal startete rigoros und mit Meisteranspruch, plötzlich ging die Luft vernehmlich aus und der Kampf um Platz vier begann, den auch ein über die Saison großartig aufspielendes Team vom FC Everton in greifbarer Nähe hatte und die ambitionierten Spurs aus London wieder nicht erreichten. Auf der Zielgeraden sicherte das Team von Arsène Wenger dann doch noch die CL-Teilnahme. Die Nachfolge von Alex Ferguson barg die offenkundige Gefahr eines Schleudersitzes. David Moyes wurde letztendlich das Opfer von Erwartungen, die unter diesen Umständen wohl kein Trainer der Welt hätte erfüllen können. Am Ende eher ein Sündenbock für Spieler mit großen Namen. Die spielten auf seinem Rücken mit vielen durchschnittlichen Leistungen eine mäßige Saison und verspielten dabei nebenher die Internationalität von Manchester United. Egal wer das Ruder im Old Trafford künftig übernimmt, in der nächsten Saison wird sich das spielende Personal dort wohl nicht mehr so billig aus der Affäre ziehen können. Londons Traditionsclub Fulham FC muss den Gang in die zweite Liga gemeinsam mit Cardiff City und Norwich City antreten, Felix Magath konnte den tabellarisch abgestürzten Verein in der Kürze der Zeit nicht mehr vor dem Weg in die Championchip bewahren. Der Fulham Eigentümer Shahid Khan und sein Manager Magath lassen keinen Zweifel an der Absicht, den Club zukunftstauglich zu machen und in die Erfolgsspur zurückzuführen.

Leicester City und der FC Burnley sind Aufsteiger in die Premier League und warten noch auf das dritte Team, welches in einem Relegationsfinale ermittelt wird. Über die gesamte Saison ein spannendes und völlig offenes Meisterrennen und ein heißer Abstiegskampf, erst kurz vor Schluss lichteten sich in beiden Tabellenregionen der Nebel. An Spannung wurde die Premier League in dieser Saison nur noch von der Primera División erreicht, nichts von deutscher Langeweile. Abschließend geht der Blick noch auf einige außerordentliche Talente, die in dieser Saison einen entscheidenden Qualitätssprung tätigten und der Premier League und ihren Clubs ihr junges Gütesiegel aufdrückten. Die Rede ist vor allem von Raheem Sterling (19 Jahre), Ross Barkley (20 Jahre), Jack Wilshere (22 Jahre), Luke Shaw (18 Jahre) und Alex Oxlade-Chamberlain (20 Jahre). Ihre Qualität und Leistung brachte ihnen das WM-Ticket nach Brasilien, lässt England optimistisch ins Turnier gehen und gibt berechtigte Hoffnung für eine gute Fußballzukunft. Für diese jungen Spieler ist der Trip zur WM eine Premiere, die Erfüllung eines Fußballer-Traumes und für viele auch ein lang ersehnter „Herzenswunsch“…

Redaktion Magath & Fußball

 

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