Von Wembley nach Ruhleben


Veröffentlicht am 16. Mai 2014

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Fußballfest steht an – DFB Pokalfinale 2014 in Berlin

Bayern wie der BVB landen am Pokaltag an der Berliner U-Bahnlinie U2. Zwischen Neu-Westend und Ruhleben raus, schon ist man am Olympiastadion. Immerhin! Aber man ist eben nicht am Estádio da Luz zu Lissabon. Wenn dort das Champions League Finale steigt sind Bayern wie Dortmunder nur als Sprossen auf der Final-Leiter von Real Madrid ein Erinnerungshauch. Auf dem Weg der Königlichen verdorrten die Bayern am Ballbesitz, scheiterten an souveränen Madrilenen während die Dortmunder nur über sich selbst und ihre desaströse Chancenverwertung stolperten. Die Klopp-Mannen hatten das Ancelotti-Team phasenweise an die Wand gespielt, über das Spiel der Guardiola-Elf wird dies niemand so sagen. Alles Vergangenheit, das europäische Finale also ohne seine letztjährigen Protagonisten. Darin liegt auch ein wenig die Crux der Saisonbetrachtung beider Clubs.

Im Mai 2013 traf man sich zum wichtigsten Spiel des Jahres noch in Wembley, kämpfte mit spielerischen Mitteln um die glänzende Krone des europäischen Vereinsfußballs. Mit diesem Londoner Endspiel war die Dortmunder Borussia nebenher wieder bei den Großen in Europa gelandet. Die Bayern traten als Sieger die Kontinentalherrschaft an, ein kommendes Fußballzeitalter schien den Münchnern gewiss. Ein neues Barca lag in der Luft, reihenweise deutsche Endspiele und Cup-Siege wurden am Horizont heraufbeschworen. Zwölf Monate später hat sich vor die Mai-Sonne des Jahres 2013 im Bayern-Universum wie auf dem Planeten der Dortmunder Borussia ein Wolkenhimmel geschoben. Man duelliert sich heuer nicht mehr um europäisches Metall, es geht gemeinsam ins deutsche Pokalfinale. Aus dem Heynckes-Triple kann maximal ein Double werden, bekanntermaßen immer zu wenig im bayerischen Herrschaftsanspruch. Die Dortmunder sind anders gepolt, sie wollen den Nachweis erbringen weiterhin ein ernstzunehmender Konkurrent der Münchner zu sein. Die nächste Saison wird in Sachen Bundesligatabelle wohl auch diesen Glauben weiter pulverisieren. Dennoch könnte der Pokalsieg für einen kurzen Moment viel übertünchen, man würde als moralischer Sieger vom Platz gehen, den Pott als Pflaster auf die Götze-Narben und die Lewandowski-Wunden kleben.

Keiner der beiden Clubs weiß wohl derzeit so richtig wie es sportlich um ihn steht. Unsicherheit ist zu spüren, einige Fragen stehen im Raum, beschwichtigende Vereinstrommeln hin oder her. Mit dem DFB-Finaltag werden beide Teams den Versuch von Antworten unternehmen. Dennoch steht mit dem Duell Bayern gegen Dortmund beste deutsche Fußballkunst auf dem Spielplan. Den Fans könnte guter bis großer Fußball und sogar ein tolles Spiel ins Haus stehen. Der Siegerjubel des alten oder neuen Pokalsiegers wird sich mit den aufklingenden Fanfaren der heraufdämmernden WM vermischen, der Countdown Richtung Zuckerhut tickt vernehmlich. Für die Pflege eines guten Mannschaftsgeistes und das Projekt die titellosen Jahre der Nationalelf zu beenden könnten die Nationalspieler aus Dortmund und München ja einen gemeinsamen Abend vor der Glotze einlegen, dem Teamspirit Schwung verpassen und am 24. Mai um 20.45 Uhr nach Lissabon schauen. Aber vor dem TV-Abend und dem Trip Richtung „Campo Bahia“ haben die Fußballgötter noch den Gang nach Ruhleben gesetzt. Möge der Bessere und der Fußball gewinnen.

Redaktion Magath & Fußball

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