And the Winner is: Atlético Madrid


Veröffentlicht am 17. Mai 2014

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Diego Simeone und Tata Martino

Diego Simeone und Tata Martino

Finaltag in der Primera División brachte Entscheidung im spanischen Titelkampf

In einem feuchten Spiel – Berlin zeigte seinen Gästen ein arg nasses Gesicht – ging der Pokalsieg nach München. In einem Spiel unter Gleichwertigen gewannen die Bayern 2:0 gegen den BVB obwohl Dortmund in Minute 64. eigentlich das 1:0 machte, aber wie so oft… Und es regnete und regnete, derweil die Fußballsonne über einer anderen Finalentscheidung strahlte. Spanien hat beim Wetter oft die Nase vorn. Ob dies weiterhin auch für den Fußball gilt wird ein Brasilianischer Sommer zeigen. In Spanien ist der Pokal längst vergeben, man stand vor dem letzten Spieltag, es sollte nochmals spannend werden. Real Trainer Carlo Ancelotti wurde nach dem Champions League Spiel gegen die Bayern wegen seiner aufgegangenen Taktik in den Fußballhimmel gehoben. Von dieser Verklärung profitierte auch das Weiße Ballett, man war wieder da und alle Unbill der Saison vergessen. Bei den Königlichen schlug man sich selbstgewiss auf die Schulter. Das freudige Abklatschen war kaum verhallt, da folgten auf dem Fuße zwei Remis und eine Niederlage in der Primera División, die Meisterschaft war verspielt. Lokalrivale Atlético bekam die Meistertrümpfe endgültig in die Hand, begann aber seinerseits zittrig zu werden, geplante Punkte blieben liegen. Das madrilenische Zittern auf der Zielgeraden brachte die schon geschlagene Truppe des FC Barcelona wieder ins Rennen und in die Nähe eines Matchballs. Es lief tatsächlich auf ein Meisterschaftsendspiel im Camp Nou hinaus, Heimvorteil Barca. Nur ein Sieg musste her und der Titel würde nach Katalonien gehen.

Es ist vollbracht, anders als in Barcelona gedacht. Atlético Madrid gewann die spanische Meisterschaft mit einem 1:1 in der Höhle des Löwen, der offenkundig längst seinen Biss verloren. Nach 18 Jahren wieder ein Meistertitel für Atlético, deren Fans mit Schlusspfiff in umgehende Dauerekstase verfielen. Atlético hatte in dieser Saison den übermächtigen Gegnern von Real und Barca nicht nur den Kampf angesagt, es hat ihn eine ganze Saison heißblütig geführt, dabei oft das Glück eines Tüchtigen zur Seite. Daheim ohne Niederlage, in Auswärtsgefilden das beste Team, aus diesem Holz sind Meister geschnitzt. Am Ende des Tages ist diese Meisterschaft absolut verdient.

Für Barca war das Remis zu wenig, geschlagen ging man vom Platz. Eine Saison ohne Titel wird dem Trainer Tata Martino das Amt kosten, selbst die Meisterschaft hätte dem sympathischen Argentinier nicht mehr geholfen, der Nachfolger steht schon in den Startlöchern. Das Glück schien dem Barca Coach zu Saisonbeginn gewogen. Der Start war famos. Dann begann das leichte Stolpern, Atlético stand bereit die Tabellenspitze zu übernehmen und tat dies eindrucksvoll. Bei Barca läuft indes alles auf Luis Enrique als neuen Trainer hinaus, ehemals Spieler bei den Katalanen und eine der Vereinslegenden. Ihn erwarten komplexe Baustellen – aber das ist Zukunft. Die Gegenwart gehörte einem anderen Trainer, Atlético-Coach Diego Simeone. Auch er ein Argentinier wie Tata Martino und diesem in Achtung und Sympathie verbunden. Vor dem Spiel eine herzliche Begrüßung unter Landsleuten.

Viele in Spanien und auf dem Kontinent trauen dem Simeone-Team längst auch den Titel in der Champions League zu. Ancelotti wird sich einiges an Taktik einfallen lassen müssen um dies zu verhindern. Wer bei Chelsea siegt und in Barcelona mehrfach besteht, dem muss vor Real nicht bange sein, Furcht ist auch keine Kategorie im Universum von Diego Simeone und seinen Mannen. Rückschläge wurden und werden stets mit breiter Brust verdaut, so auch am Entscheidungstag. Erst verlor das Simeone-Team zu Beginn der Partie in Barcelona seinen Torjäger Diego Costa, wenig später eine wichtige Schaltstelle im Mannschaftsgefüge, den türkischen Nationalspieler Arda Turan, in der Folge dann der Tiefschlag durch die 1:0 Führung von Barca. Die Vorzeichen für einen Titelgewinn verdüsterten sich. Doch dann kam wieder zum Vorschein was national und international ein Markenzeichen der Saison von Atlético, dieses Team wächst als Gemeinschaft über sich hinaus, steht als echte Einheit auf dem Platz und gibt niemals auf. Nichts gegen glänzende Stars und Individualisten des Fußballs, sie bescheren uns große Momente, aber dieser unerwartete Titelgewinn von Atlético Madrid ist in erster Linie vor allem ein großer Triumph für den Mannschaftssport Fußball. Dafür Respekt wie Glückwunsch in Richtung des Teams aus dem Estadio Vicente Calderón.

Redaktion Magath & Fußball

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