Harry is back


Veröffentlicht am 26. Mai 2014

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Harry Redknapp in der Trainerkabine Wembley

Harry Redknapp in der Trainerkabine Wembley

Harry Redknapp kehrt in die Premier League zurück

Nach Leicester City und dem FC Burnley sind nun die Queens Park Rangers als Sieger des Relegationsfinales in die Premier League aufgestiegen. Mit QPR kehrt auch Harry Redknapp – Legende unter den britischen Fußballmanagern – in die oberste Spielklasse zurück, zu deren Inventar er schon ewig zählt. Nach einem Jahr also der direkte Wiederaufstieg, nicht immer eine leichte Übung für den Absteiger aus der Premier League. Viele sind an diesem Kraftakt gescheitert. Redknapp wird mit 68 Jahren der Doyen unter den Premier League Trainern. Er hat Probleme mit dem Knie, vor Jahren Schwierigkeiten mit dem Herz. Dennoch machte er einfach weiter. Es wird auch von gewisser Lust auf Ruhestand gemunkelt. Darüber lacht Redknapp herzlich. Diesen Haudegen wirft nichts mehr um, weder ein malades Knie noch andauernde Gerüchte. Die Premier League könnte sich außerdem als Jungbrunnen erweisen.

Als Redknapp Ende November 2012 das Amt bei Queens Park Rangers übernahm war der Verein eigentlich schon abgestiegen. Viele Probleme ließen sich in den verbleibenden Spielen nicht mehr lösen. Falsche Spieler, verkrustete Strukturen, misslungene Umbrüche und teilweise Auflösungserscheinungen im Team waren nicht mehr zu kitten. Redknapp – eigentlich „unabsteigbar“ – stieg ab und nahm diese Herausforderung mit Besitzer Tony Fernandes an. Gemeinsam schmiedeten sie Aufstiegspläne. Es lief ordentlich, allerdings selten optimal. Die beiden direkten Aufstiegsplätze wurden aus den Augen verloren. Die Mühe der Relegation stand an. Über die Station Wigan gelangte QPR ins Wembley-Endspiel. Dort wartete der Finalgegner Derby County. Die Redknapp-Truppe war ab Minute sechzig mit einem Mann in Unterzahl, versuchte sich über die Verlängerung ins Elfmeterschießen zu flüchten. Dann die unerwartete Erlösung durch  Stürmer Bobby Zamora, der in der 90. Minute den 1:0 Siegtreffer gegen Derby setzte. Das fast schon verlorene Ufer erreicht und die Schlacht siegreich beendet. Championship ist für Redknapp Geschichte, die Premier League hat ihn wieder.

Harry Redknapp ist kein Besänftiger und Verkleisterer. Die Trainerbank am Seitenaus ist sein Feldherrenhügel. Von dort lenkt und ordnet er seine Truppe, begleitet ihre Aktionen mit stoischem Gesichtsausdruck. Redknapp will nicht charismatisch wie José Mourinho oder weltgewandt wie Arsène Wenger daher kommen, er will lieber den Tugenden des englischen Fußballs eine Stimme geben. In Zeiten von Laptoptrainern und Matchplanpamphleten wirkt dies für oberflächliche Betrachter manchmal antiquiert und hat doch immer wieder Erfolg. Die Tottenham Hotspurs brachte einst Harry Redknapp in die Champions League Ränge. Wie man ihn auch beurteilt, wo Harry Redknapp ist, da ist auch immer ein Stück Fußball. Sympathische Fannähe und Lust am unverstellten Spiel sind bei ihm stets am Werk, die Gefahr von Langweile meistens gebannt. Am Abend nach seinem eigenen Erfolg konnte er dann noch zwei seiner alten Schützlinge begutachten, die zu seinen großen Entdeckungen gehören. Luka Modric und Gareth Bale gewannen in Lissabon die Champions League. Beider Trainer in gemeinsamen Erfolgszeiten bei den Tottenham Hotspurs war Harry Redknapp.

Redaktion Magath & Fußball

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