Auftritt Titelverteidiger – ein wahrer Monarch


Veröffentlicht am 7. Juni 2014

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Seit 2011 darf er sich Marqués nennen. Gebrauch macht er davon nicht. Bei Anhäufung von Ehre verweist der Geachtete auf eine Lebensmaxime, man solle sich selbst bitte nicht zu wichtig nehmen. Spaniens König Juan Carlos hat dem Bescheidenen – der im Beruf der erfolgreichste spanische Fußballtrainer aller Zeiten – diesen Adelstitel verliehen. Juan Carlos dankt nun ab, der Thron geht an seinen Sohn. Die Spanier sind nicht mehr glücklich mit ihrer Monarchie und ihren Monarchen. Wenn sie die Wahl hätten würden sie nur einen König akzeptieren, den Marqués. Diesen wohl mit einem Abstimmungsergebnis nahe 100 Prozent: Vicente del Bosque González, Marqués de Del Bosque.

Die Spanier verehren del Bosque nicht nur wegen seiner Erfolge, sie achten und lieben diesen Mann wegen seiner Tugenden, seiner Menschlichkeit und seines Anstandes. Sein Charakter ist untadelig, er hat nie seine Wurzeln vergessen, ein Wort ist bei ihm ein Wort. Die Verlässlichkeit seiner Natur hat dem spanischen Fußball gut getan, sie hat die Menschen für ihn eingenommen. Der Erfolgsverwöhnte denkt dieser Tage nicht über Verehrung oder persönliche Meriten nach. Ein königliches Mobiliar beschäftigt den überzeugten Republikaner allerdings schon. Es geht um die Titelverteidigung seiner Furija Roja. Seit 2010 sitzt das spanische Team auf dem WM-Thron, del Bosque und seine Männer haben nicht vor abzudanken. Niemand sollte den Bescheidenen bei diesem Vorhaben unterschätzen. Er macht kein Aufheben um sich und die Sache, aber del Bosque arbeitet akribisch und mit der Souveränität eines großen Champion am Vorhaben Weltmeisterschaft.

In Brasilien die Rechnung ohne die Spanier zu machen wäre töricht. Die Patriarchen des Weltfußballs scheinen weit in ihrem Herbst, die dominierende Mannschaft vieler Jahre ist deutlich in die Jahre gekommen. Fragen drängen sich auf. Die Real Ikone Iker Casillas längst nicht mehr der Souverän zwischen den Pfosten? Bei del Bosque genießt er uneingeschränktes Vertrauen, die alte Sicherheit könnte zurückkehren. Xavi im 34. Lebensjahr. Kann der Musterprofi und Kopf des Teams seine Genialität noch einmal über den Weltfußball bringen? Wie wird sich die spanische Defensive ohne Carles Puyol präsentieren? Torres und Villa längst nicht mehr die pfeilschnellen Schrecken von Abwehrreihen, der neu Stürmerstar Diego Costa unerfahren in großen Turnieren und dazu noch angeschlagen. Kann er frischen Wind und nötige Tore bringen? In allen Mannshaftsteilen ein Kader der vertrauten Gesichter, Nachfolger von Format für die verdienten Welt- und Europameister drängen sich nicht in Scharen auf. Kein Team kann mit dieser Wucht von Erfahrung glänzen. Sie können weiterhin famos Fußball spielen. Sind sie noch die Alten oder alt? Besitzen Sie noch den Erfolgshunger früherer Tage und die nötige Spannkraft für ein anstrengendes Turnier? Del Bosque ficht der Zweifel nicht an, er weiß um seinen Weg und wird ihn mit Freundlichkeit und Souveränität gehen. Wohin dieser Weg führt müssen seine Spieler beantworten, sie werden es für ihr Land und den großen Menschen an der Seitenlinie tun.

Redaktion Magath & Fußball

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