Countdown


Veröffentlicht am 11. Juni 2014

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„Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn!“
(Goethe, Faust)

Was dem Geheimrat aus Weimar zum Thema Fußball einfiele, wissen wir nicht, diese schöne Nebensache kam für ihn zu spät, er dichtete lieber den Frauen hinterher oder durchwanderte Italien und Thüringen. Auch schöne Hobbys. Nicht zu spät kommt der Beginn der Weltmeisterschaft, die Vorphase und ihre täglichen Wasserstandsmeldungen dauern eine gefühlte Ewigkeit und sind auch für den größten Fußballfan kaum noch erträglich. Bald wird nun Fußball gespielt. Nachfolgende Teams werden uns hoffentlich bestens unterhalten.

Der Gastgeber
Scolari kann Weltmeister. Was 2002 gelang ist nun heimatliches Pflichtprogramm. Nur der Titel zählt, alles andere wäre für Brasilien ein Trauma wie 1950. Bleibt die Defensivordnung stabil und bekommt man die Leichtigkeit des Seins aus Confed Cup Zeiten, es könnte klappen. Das Land wird sein Team auf einer Woge tragen.

Der Weltmeister
Del Bosque kann auch Weltmeister, bringt Spieler dieser Bauart mit. Reicht es zum erneuten Titel? Zu satt, zu alt? Die Namen in diesem Team sind Glanzlichter und Charaktere des Weltfußballs. Spanien schaut auf Diego Costa, weder Welt- noch Europameister, sein Hunger noch ungestillt. Falls er wirklich fit, könnten seine Tore den Titelverteidiger befeuern.

Deutschland
Die Welt beneidet uns um diese Spieler, die Bundesliga hat ein Füllhorn an Klassekickern geliefert, jetzt muss das Versprechen einer großen Ära eingelöst werden. Deutschland hat die Generation für einen Titel. Es ist Zeit für den sportlichen Erfolg. Marco Reus hätte eine der berauschenden Figuren dieser WM werden können. Spieler wie der Dortmunder gehören auf die WM-Bühne. Schade.

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Ex-Weltmeister
Argentinien geht in dieses Turnier mit einem Trainer und natürlich Messi. Eine Schulter allein – so stark sie auch sei – wird keinen Titel tragen. Neben dem Größten gibt es im Team aber eine Menge guter und erfahrener Fußballer. Trainer Sabella setzt auf Offensive, das nötige Personal steht ihm zur Verfügung. Den Gauchos ist viel zuzutrauen. Wer den Titel will, muss sie schlagen.

Die Männer vom Stiefel gehören immer zu den Favoriten. Italien ist eine große Fußballnation, die wichtige Spiele für sich entscheiden kann und keine Furcht kennt. Mit Cesare Prandelli steht ein Maestro von hohen Graden an der Seitenlinie. Der Montolivo-Ausfall schmerzt, aus der Bahn wird er die Männer um Pirlo und Buffon nicht werfen. Könnten Italiens Team-Säulen zu alt sein?

Uruguay hat einen Pädagogen an der Seitenlinie und einen angeschlagenen Vollblutfußballer mit Torgarantie, der in Topform das Zeug zum herausragenden Turnierspieler hätte. Luis Suárez könnte die Urus mitreißen wie in der Premier League den FC Liverpool. Werden seine Kräfte dies hergeben? Viel hängt davon ab. Das Team gilt als überaltert, tritt aber als verschworene Gemeinschaft an.

Frankreichs Starkicker fielen beim letzten Turnier durch interne Niedertracht auf, welche die Grande Nation vom Bürger bis zum Staatsoberhaupt beschämte. Ob diese Wunden verheilt, zweifeln neutrale Beobachter an. Der Ausfall von Ribéry erschütterte die Franzosen nicht, zu unbeliebt der Mann in seiner Heimat. Wird Frankreich als Mannschaft oder wieder als ein Trupp von Egomanen auf der WM-Bühne erscheinen?

In England keine überschäumenden Erwartungen. Man wartet ab, was die Mischung aus alten Haudegen und jungem Blut auf die Beine stellt. Trainer Roy Hodgson hat eine Menge erfahrener und talentierter Fußballer an Bord. Wird England als Team funktionieren? Wie weit steckt der anstrengendste Ligaalltag der Welt in ihren Knochen? Für Überraschungen ist England gut, nach unten wie oben. Zu verlieren haben die Three Lions wenig, zu gewinnen eine Menge.

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Geheimfavoriten
Diese Teams können an ihren guten Tagen jeden Favoriten schlagen, Weltmeister werden sie nicht. War Kolumbien nur Falcao? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Belgien verlor Benteke, ist aber breiter aufgestellt. Portugal hat Ronaldo, nicht erst bei diesem Turnier. Auch seine Schultern allein tragen nicht den Titel nach Hause. Aber das Team fährt ambitioniert nach Lateinamerika. Kroatien verspricht immer einiges, liefert manchmal. Angeführt von Champions League Sieger Luka Modrić kann man überraschen. Ein von Louis van Gaal trainiertes Team ist immer zu beachten, vielleicht kommt die große Zeit für diese Niederlande aber erst in zwei Jahren bei der EM.

Die Beachtlichen und andere Teilnehmer
Mexiko und Chile haben in den letzten Jahren große Sprünge gemacht, Ecuador sich dazu gesellt, der kontinentale Heimvorteil könnte diese Temas beflügeln und in Vorteil setzen. Bei Russland und den USA bleiben im Fußball die großen Taten und Titel aus. Letztendlich werden sie in diesem Turnier keine Bäume ausreißen. Die Kader geben es nicht her. Kamerun, die Elfenbeinküste, Nigeria und Ghana, mit staunenswerten Fußballern in ihren Reihen, werden auch in diesem Turnier den oft beschworenen Titel für Afrika nicht auf ihren Kontinent holen. Die Schweiz schlug Spanien auf dem Weg zum Titel 2010, Griechenland ist immerhin ein Ex-Europameister. Japan, nun italienisch trainiert, stets beachtlich, aber der große Wurf ist nicht machbar. Kann Bosnien-Herzegowina sich ähnlich wie der Balkannachbar Kroatien im Weltfußball etablieren? Ein WM-Turnier bietet Gelegenheit.

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Die Außenseiter
Australien, Costa Rica, Honduras, der Iran wie Algerien und Südkorea haben sich diese WM-Teilnahme verdient, sie sind ein Zeichen des globalen Fußballs. Ob sie zum Stolperstein für zu selbstgefällige Favoriten taugen, es kann bewiesen werden.

Allen Teilnehmern ein gutes Turnier und keine Verletzungen. Möge der Fußball gewinnen. Den Menschen in Brasilien respektvollen Dank.

Redaktion Magath & Fußball

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