Schwanengesang ?


Veröffentlicht am 14. Juni 2014

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„Entweder wir gewinnen oder wir sterben mit dem Stil.“ Auch ein genialer Fußballer wie Xavi ist nicht vor den martialischen Überhöhungen der Fußballsprache gefeit. Es macht ihn menschlich. Menschen irren und haben Schwächen. Seine augenblickliche Schwäche mag darin bestehen sich im Sonnenuntergang der eigenen Karriere zu befinden. Stottert der Xavi-Motor so stottert nicht nur Barca sondern eben auch Spanien in Form der erschlafft daherkommenden Furia Roja. Viel Last für die Schultern dieses kleinen Mannes und begnadeten Spiellenkers. Vielleicht ist jene Last inzwischen zu schwer und seine Mitträger zu gering an Zahl? Vorzeitige Abgesänge auf diesen Fußballer wie auf den amtierenden Weltmeister sind auch nach der deutlichen Klatsche verfrüht. Wenn ein angeschlagener Löwe wieder Herr über den Fußballdschungel werden kann, dann die Spanier. Natürlich wankt dieser Glaube erheblich wenn man sich zwei einstige Leistungsträger herauspickt. Iker Casillas macht momentan nur noch seine eigene Legende zu einem großen Torwart, nicht seine Leistungen. Hatte José Mourinho dies schon vor zwei Jahren weitsichtig erkannt? Noch fataler fällt der Blick bei Fernando Torres ins Trübe. Der einst pfeilschnelle Weltklassestürmer verstolpert Chancen und Bälle am Fließband, sein Spiel geht ins Leere, alter Glanz ist nicht mehr zu ahnen. Man könnte mit weiteren Namen aufmachen, nach einer 1:5 Auftaktniederlage mangelt es ja nicht an Krisenpersonal. Lassen wir es bewenden. Häme gegen dieses Team verbietet sich von selbst und kann nur Dummköpfen in die Feder fließen. An Kritik über die eigene Nicht-Leistung wird es Vicente del Bosque nicht mangeln lassen, dabei Gentleman und Mensch bleiben. Nicht der Mond ist auf die Erde gefallen, es hat nur der Titelverteidiger seinen WM-Auftakt verloren. Krachender Ausrutscher oder Schwanengesang?

Den Holländern sei ein laut tönender Triumph herzlich vergönnt, Siege muss man auskosten, solche zumal. Oranje ist mit dem heutigen Tag nicht Weltmeister, hat aber eine Leuchtrakete von besonderer Stahlkraft in den Sternenhimmel des Weltfußballs geschossen, der allerdings über Salvador einen tränenverhangenen Eindruck machte, mit diesem „Gesicht“ eher die spanische Gemütslage spiegelte. Respekt und Anerkennung vor allem dem holländischen Trainer. Louis van Gaal hat sich gegen eine Flut von landesweiten TV-Besserwissern und verbalen Experten-Krakeelern erwehren müssen. (Jede Nation verfügt ja in WM Tagen über Heerscharen solcher Zeitgenossen, man kann sie kaum zählen.) Wie immer störte ihn dies wenig. Ein Mann geht seinen Weg, der nach dieser durchorganisierten Leistung noch weit führen kann. Louis van Gaal wird seine Leute am Boden halten derweil Medien über „Wachablösung“ und „Wunder“ fabulieren. Der Glanz des Abends gehört den Holländern. Felix Magath brachte es vor Turnierbeginn längst auf den Fußballpunkt: „Hatten die Holländer immer schon herausragende Spieler, haben sie diesmal mit dem von mir hochgeschätzten Louis van Gaal einen Coach, der die notwendige Überzeugung und Siegesmentalität zu vermitteln versteht, die dem Team bei Weltmeisterschaften in den entscheidenden Augenblicken oftmals fehlten.“

Bleiben noch die beängstigenden wie dürftigen Schiedsrichterleistungen. Fragwürdige Strafstöße, nicht gegebene Tore die an Eindeutigkeit kaum noch zu überbieten. Mexiko wäre wegen dieser Dinge fast um seinen verdienten Sieg gekommen. Inakzeptabel. Die Zunft der Schiedsrichter hat eine Menge Potential nach oben. Mögen sie es bald für sich und zum Wohle des Fußballs entdecken.

Redaktion Magath & Fußball

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