Und wieder Luis Suárez


Veröffentlicht am 20. Juni 2014

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Englands Fußballer des Jahres entscheidet Duell England gegen Uruguay

„Wenn der Ofen einmal aus, kann nichts auf dieser Welt ihn mehr anblasen“, so lautet ein berühmtes Filmzitat, gesprochen von Peter Falk im siebziger Jahre Kult-Film „Eine Leiche zum Dessert“. Die Fans der Three Lions mussten sich auch wie an einem kalten Ort fühlen, keine Wärme in der Niederlage, als sich ausgerechnet Englands Fußballer des Jahres das gute, alte England zu seinem Dessert erkor und genussvoll verspeiste, die Herzen der Uru-Fans in Hitzewallung brachte. Wieder scheint der Trip zu einem großen Turnier für das Mutterland des Fußballs in einem Misserfolg zu enden. Bei der letzten WM wurde man noch auf schändliche Weise und unter den Augen der ganzen Fußballwelt um ein reguläres Tor betrogen, schied in der Folge aus. Das hatte im tiefen Fall fast Shakespeare’sche Größe und brachte die weltweiten Sympathien ehrlicher Fußballfans. Im aktuellen Turnier ging man gegen Italien und Uruguay ganz normal leer aus, unterlag zweimal 1:2. England hielt zweimal mit und verlor dennoch. Doppelt bitter. Die Turnierluft wird enger. Vor dem Spiel gegen Costa Rica steht man nicht nur mit dem Rücken an der Wand, sondern auch mit einem Bein an der Gangway Richtung Heimflug. Glück und fremde Hilfe werden dringlich benötigt, um im Turnier zu bleiben.

Die Urus waren im Faktor Spiel nicht besser, beide Teams hätten eher das Unentschieden denn den Sieg verdient. Aber in der Einstellung zu dieser Alles-oder-Nichts-Partie waren die Urus den Engländern haushoch überlegen, ihre Willenskraft hatte etwas von einem Orkan. Sie kämpften mit tapferen Herzen und besiegten dabei auch die Bürde der Pein aus dem Costa Rica Spiel. Ihr Auftritt war nicht wiederzuerkennen, die verdiente und demütigende Eröffnungsniederlage schien sie aufgeweckt zu haben. Der Trainer hatte das Personal verändert, die Mischung stimmte plötzlich. Das Sturmduo Cavani/Suárez gehört zu den edlen Teilen an der Karosse des Weltfußballs, beide ließen davon wieder einiges aufblitzen.

Über Luis Suárez wurde viel gesagt und geschrieben, seine Genesung eine nationale Frage im Heimatland. Dieser Spieler ist ein Vollblutfußballer und verkörpert den Begriff Weltklasse, der gern inflationär benutzt aber nur von wenigen wirklich ausgefüllt. Kann man sich Luis Suárez je so phlegmatisch über den Platz trabend vorstellen, wie es der Weltfußballer des Jahres aus Portugal gern und oft anbietet? Der Stürmer der Reds ist jedenfalls ein echter Teufelskerl und er liefert, auf ihn ist Verlass. Was hätte er wohl gezeigt, wenn er absolut fit gewesen? So musste er es bei „nur“ zwei Toren bewenden lassen und rackerte in der restlichen Zeit bis an die Grenze seiner Physis.

Grenzen ließ ein Mitspieler einfach nicht zu, dessen Szene erklärte das ganze Spiel und sie handelt nicht vom großen oder gar berauschenden Fußball, sie handelt vom Kampf und auch von etwas Unvernunft. Als Raheem Sterling in der 60 Minute unabsichtlich Pereira seinen Oberschenkel an den Kopf rammte und diesen damit fast K.o. schlug, signalisierte Uruguays Teamarzt die notwendige Auswechslung des leicht taumelnden Pereira Richtung Trainer Óscar Tabárez. Dieser Vorgang hätte dem fürsorglichen Doktor fast einen eigenen Knockout durch Pereira eingetragen, der sich wie ein Berserker dem drohenden Gang auf die Bank entgegen stemmte und tatsächlich auf dem Platz blieb. So nahm das Fußballschicksal seinen weiteren Lauf und eine Wendung, die als dunkle Wolke über dem Haupt Englands Ratlosigkeit und Erschütterung zurückließ.

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Ob diese Wolke der Fußballsonne über Brasilien nochmals weicht oder sich eher als dunkles Gewitter in Form einer verfrühten Heimreise entlädt, es liegt auch in der Hand von Italien und Costa Rica, die als nächstes die Klingen kreuzen. England ist tatenloser Zuschauer und hoffender Patient. Die jahrzehntelange Titellosigkeit, Turnier auf Turnier ohne Triumph, steht dem großen Fußballland nicht gut zu Gesicht. England und seine großartigen Fans haben mehr verdient. Es wird endlich Zeit für ein englisches Team, welches große Ansprüche und träumende Sehnsüchte erfüllt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Redaktion Magath & Fußball

 

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