Ein Kaiser ohne Kleider


Veröffentlicht am 23. Juni 2014

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Ein großartiger Fußballer für den Olymp der Außergewöhnlichen wird man nicht nur durch gute Spiele und Tore, sondern durch ein Lebenswerk und Turniere, denen man seinen Stempel aufdrückt. Dem Clubfußball hat Cristiano Ronaldo große Spiele beschert, mit seiner Leistung zu Titeln und Erfolgen beigetragen. Im Trikot der Nationalelf bleibt vieles Stückwerk, gelingt wenig, gleicht er einem ewig Unvollendeten. Aus dem Baukasten für phantastische Fußballer hat er einige begnadete Werkzeuge mitbekommen, er wandelt damit nicht auf dem Weg des großen Eusébio, geht eher auf den Pfaden von David Beckham. Verdenken kann man es ihm nicht, Geld und Ruhm sind beachtlicher Treibstoff für ein Leben. Wer würde wohl nicht in den Glitzer dieser Welt greifen, wenn er ihm so üppig geboten? Nun muss auch die größte Werbeikone des Weltfußballs vorzeitig die Heimreise antreten. Das 2:2 von Portugal gegen die USA besiegelte auch sein WM-Schicksal, der fadenscheinige Strohhalm einer Resthoffnung bleibt Illusion.

Cristiano Ronaldo konnte in der Mannschaft Portugals nichts zum Guten wenden. Seine Haare glänzen derzeit mehr als sein Spiel. Der Titel Weltfußballer hebt den Wert der eigenen Modemarke aber nicht die Qualität der portugiesischen Nationalmannschaft, die Freistoßrituale wirken wie das B-Picture eines tönernen Riesen. An ihm allein darf man den dünnen WM-Auftritt von Portugal nicht festmachen, es ist die gesamte Mannschaft, welche alle Erwartungen unterlaufen hat.

Natürlich erhebt Cristiano Ronaldo gerne und laut den Anspruch eines ganz Großen, den er in den WM- und EM-Arenen der letzten Jahre nie gerecht wurde. Gemessen an Pelé, Maradona und Zidane, die Turniere und Teams prägten, ihre Nationen zu Titeln führten, wirkt er wie ein Kaiser ohne Kleider. Sein ewiger Rivale Lionel Messi, auch dieser derzeit vom strahlenden Glanz seines Fußballdaseins ein Stück weit entfernt, lieferte wenigstens die Tore zum Achtelfinaleinzug seines Landes. Ein weiterer Mitbewerber um höchste Fußballweihen, Uruguays Luis Suárez, steuerte ebenfalls entscheidene Tore bei und hauchte im Alleingang seinem Land wieder WM-Leben ein. Beides vermochte Ronaldo nicht, keine Tore, kein emotionales Feuer. Ein wirklicher Anführer tritt anders auf. Wenn das WM-Turnier in die heiße Phase geht, der Titel näher rückt, wird CR7 längst wieder Zeit haben, sich auf ein neues Fotoshooting, kreative Frisurmuster, den Urlaub oder Real Madrid zu konzentrieren, sich dabei weiter in die eigene Marke wandeln. Vielleicht träumt er nebenher von der EM 2016 und…

Redaktion Magath & Fußball

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