Aus dem Sattel geworfen


Veröffentlicht am 25. Juni 2014

2 Flares 2 Flares ×

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Italien geschlagen, England ohne Sieg, Uruguay mit Biss, Costa Rica heldenhaft

Wie es bei Shakespeare heißt, wenn zwei auf einem Pferd reiten, muss der eine hinten aufsitzen. Im Falle des Finales in Gruppe D zwischen Italien und Uruguay fiel einer vom Gaul, das Heimatland des weltberühmten Barden aus Stratford-upon-Avon schaffte es nicht mal zum finalen Ritt und die staunenswerten Männer aus Costa Rica hatten den Showdown nicht nötig, waren längst am Ziel. Ihnen gebührt Anerkennung und Respekt für eine großartige Leistung, drei Ex-Weltmeister konnten das Team von Jorge Luis Pinto nicht bezwingen und scheiterten an dieser als Mannschaft auftretenden Einheit. Italien tritt wie das Mutterland des Fußballs geschlagen die Heimreise an. In der Folge des italienischen WM-Aus verlässt mit Cesare Prandelli ein Gentleman und Mensch vorerst die große Trainerbühne, ein Charakter der in der Trainergilde fehlen wird und diesem Berufsstand Ehre machte. Englands Roy Hodgson wird im Amt bleiben, so kündigten der englische Verband und der Trainer es bereits an. Apropos England. Tabellenletzter und ein mickriges Pünktchen, die Three Lions fahren erneut geschlagen und gedemütigt zurück in die Heimat. Uruguay dagegen eine Runde weiter, leider auf einer Siegesstraße mit fahlem Glanz. Stürmer Luis Suárez wird die Schlagzeilen bestimmen, weniger wegen seiner Torjägerqualität, sondern eher wegen seiner dentalen Schübe.

Fragwürdige Entscheidungen des Schiedsrichters gaben dem Spiel eine Note, sollen hier nicht die Ehre einer Nacherzählung erfahren. Italiens Kapitän Gianluigi Buffon zeigte nach Abpfiff und 0:1-Niederlage Courage und Stil, wollte sich nicht hinter Fehlentscheidungen verstecken: „Man sollte die Fehler zuerst bei sich selber suchen.“ Die Worte eines großen Sportlers. Dennoch, schwache Leistungen der „Unparteiischen“ bei WM-Turnieren haben Tradition, man denke an die WM 2010 zurück. Warum der gigantische Weltsport Fußball, der Milliarden Euro umsetzt und Milliarden Menschen bewegt, sich WM um WM Referees leistet, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind und dadurch den Turnierverlauf mitprägen, bleibt ein Rätsel der unangenehmen Art.

Es geht weiter wild her bei dieser WM, alte Zöpfe fallen, neue Bäume tragen Früchte, Außenseiter sorgen für Furore, Favoriten versinken in Bedeutungslosigkeit, Europa der geprügelte Kontinent. Manchmal fehlen einem fast die Worte, dann flüchtet man in die Weltliteratur. Aber was passt überhaupt zur dieser Götterdämmerung der europäischen Eliten. Vielleicht ein skurriler Satz von Englands berühmtestem Tagebuchschreiber Samuel Pepys, ein Europäer durch und durch, der im 17. Jahrhundert seinen Alltag auf das Papier bannte: „Heute Abend erlebte unser kleines Hündchen Fancy einen altersbedingten Wahnsinnsanfall.“

Redaktion Magath & Fußball

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