Pein der Besiegten


Veröffentlicht am 12. Juli 2014

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Brasilien und Holland müssen um Platz drei spielen

Wer auszog, Weltmeister zu werden, der wandelt künftig nicht durchs Leben und ruft „ich bin Dritter“. Spieler und Trainer wollen dieses unsägliche Spiel um Platz drei nicht. Aber in dieser Frage geht es weder um den Willen von Sportlern noch um die Vernunft, hier geht es um die FIFA, Übertragungsrechte, TV-Einnahmen, Marketing und das liebe Geld. Da müssen die Verlierer der Halbfinals also ran. Wessen Lebenstraum vom Weltmeistertitel zerplatzt, diese Krönung eines Spieler- oder Trainerlebens gestorben, der Schmerz darüber noch gegenwärtig, hat allerdings anderes im Kopf und in den Beinen. In einer Farce, die oftmals noch den schrecklichen wie verhöhnenden Beinamen „Kleines Finale“ erhält, möchte niemand freiwillig auftreten. Die Besiegten der Halbfinals sollten in ihrem Scheitern künftig mehr Respekt empfangen und von dieser Pein befreit werden. Die Streichung dieses Spiels bei künftigen WM-Turnieren wäre ein Signal für Sportlichkeit, ein Zeichen für Anstand, Vernunft und Fairness. 

Ein Betroffener bringt es auf den Punkt. Louis van Gaal sagt oft Dinge, die in der „Wir-lieben-uns-doch-alle-Welt“ des Fußballs, der Schulterklopfer und Duzer wie erhellende Blitze einschlagen und die Wahrheit offenbaren, die selten gern gehört wird. „Ich sage schon seit zehn Jahren: Man sollte dieses Spiel um Platz drei abschaffen. Dass der Verlierer dieses Spiels am Ende mit zwei Niederlagen nacheinander aus einem eigentlich für ihn sehr erfolgreich verlaufenen Turnier gehen wird, das hat nichts mit meiner Auffassung von Sport zu tun.“ Der Mann hat Recht. Fast wortgetreu argumentierte so Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari bei der WM 2006. Heute kann Scolari seinem Kollegen van Gaal nicht beispringen. Als Trainer der Brasilianer steht er vor den Trümmern seines Lebenswerkes, wo wenige Minuten ausreichten, eine 30-jährige Erfolgskarriere zu pulverisieren und nun jeden Wicht und Kleckser dieser Welt befleißigen, sich am Weltmeistertrainer von 2002 die Füße abzutreten. Eine typische Reaktion des Fußballs und seines wortschwallenden Umfelds, welches sich ja gerne als anheimelnde Solidar-Branche von „Freunden“ verkauft. Am Ende war es natürlich wieder der Trainer. Wer sonst? Auch dazu hätte Louis van Gaal sicher einiges zu sagen.

Redaktion Magath & Fußball

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