Vom Brett zum Mittelkreis


Veröffentlicht am 31. Juli 2014

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Schachweltmeister Magnus Carlsen und die Liebe zum Fußball

Wenn sich die Gelegenheit bietet, tritt er gegen den Ball. Die Geschichte mit dem Vater hinterm Haus war schön und ist sattsam bekannt aber irgendwann wird diese Welt natürlich zu klein. Inzwischen ist er ausgezogen, um Schachweltmeister zu werden, was ihm in blendender Manier gelang und auf die legendären Gipfel von Aljechin, Fischer und Kasparow katapultierte, mittlerweile darüber hinaus.

Um es mit Muhamad Ali zu sagen: Carlsen ist der Größte. Mit 23 auf dem Thron der Schachwelt und weit und breit kein Gegner. Als Magnus Carlsen am 22. November 2013 im indischen Chennai den Weltmeistertitel gewann, war es für ihn eher Normalität, so wollte er es haben und so kam es. Dann schnell wieder in die Heimat nach Norwegen. Es folgten sofort Einladungen rund um den Globus, von Politik bis Wirtschaft, alle wollten sich mit dem Superstar der 64 Felder ablichten lassen. Aber Magnus Carlsen zog es zum Fußball, er durfte am 30. November 2013 den Anstoß der Primera División-Partie Real Madrid gegen Real Valladolid im Estadio Santiago Bernabéu vollziehen, für ihn das Ereignis des Jahres 2013. Real Madrid ist der ultimative Lieblingsverein des jungen Norwegers seit Kindheitstagen. Sein Händedruck mit Xabi Alonso und die tiefe Verbeugung vor dem Real-Star könnten den Eindruck vermitteln, Alonso sei der neue Schachweltmeister.

Im April 2014 gab sich der Weltmeister beim Superturnier im aserbaidschanischen Shamkir die Ehre und wirkte lustlos, die Beine hingen über der Stuhllehne, der Blick ging ins Leere. Auf dem Weltmeistergipfel ist es einsam. Bobby Fischer spielte nicht mehr und glitt in eine absonderliche wie bizarre Welt, Gary Kasparow hing die Schachschuhe an den Nagel, hörte auf zu spielen. „Es gibt nichts mehr, was man noch erreichen kann“, war sein lakonischer Kommentar. Carlsen macht weiter. Als er in Shamkir zwei Partien zum Auftakt verlor, staunte die Schachwelt und wunderte. Da kam seinem Vater und seinem Sekundanten die rettende Idee, ein Fußballspiel muss her, so wurde ein Hallenturnier organsiert, natürlich mit Magnus Carlsen als Spieler. Mit jeder Aktion und jedem gelungenen Ballkontakt kam die Frische zurück, begann der Sportler in Carlsen aufzuleben. Nach dem Fußball kehrte ein anderer Carlsen ans Brett zurück, gewann jede Partie und das Turnier. Eben ein Weltmeister.

Redaktion Magath & Fußball

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