Große Erwartungen aller Orten


Veröffentlicht am 16. August 2014

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Saisonstart 2014/15 in der Premier League

Englands Eliteklasse startet mit großen Erwartungen in die neue Saison. Die WM verlief für den englischen Fußball desaströs, in den letzten beiden Champions League-Endspielen gab es deutsche und spanische Finalpaarungen. Der Hunger auf Erfolg so riesig wie die Erwartungen. Für Furore im Vorfeld sorgten kein Platzhirsch und kein Transfer. Hauptattraktion vor Anpfiff des ersten Spieltages war ein Holländer. Louis van Gaal ist zurück als Vereinstrainer, er sitzt auf dem Ferguson-Stuhl bei Manchester United, dort wo sein direkter Vorgänger David Moyes keine Spuren hinterlassen konnte. Die Erwartungen in van Gaal sind groß, sein eigener Anspruch wie immer überbordend. Er wird Manchester United stabilisieren, er wird sie nach Europa führen. Die Meisterschaft ist dennoch unwahrscheinlich. Neuzugang Ander Herrera von Athletic Bilbao macht noch keinen Sommer.

Sechs Clubs werden sich um die Spitzenplätze schlagen, das Meisterrennen wird final wohl im Zweikampf Manchester City gegen Chelsea entschieden. Um José Mourinho war es für seine Verhältnisse im Vorfeld ruhig, er verstärkte sein Team grandios, hat ein Luxusproblem im Tor, seinen Lieblingsspieler Drogba zurück, mit Fàbregas und Diego Costa wirkliche Verstärkungen an die Stamford Bridge geholt. Wie lange sich Mourinho noch den Innenverteidiger John Terry leisten mag, bleibt sein Geheimnis. Beim Gegenpart in Manchester blieb es ruhig, die Vorbereitung entsprach dem Temperament des Trainers, analytisch und unaufgeregt geht man bei Manchester City an die Titelverteidigung. Ein Zerbröseln der Meistermannschaft wie noch unter Roberto Mancini erwartet bei Coach Manuel Pellegrini niemand. Der spektakulärste Zugang ist ein altes Schlachtross aus Mourinhos Stall: Für ein halbes Jahr, bevor er beim New York City FC anheuert, spielt Frank Lampard noch für Man City, ein Ironietransfer. Die amerikanische Neugründung ist ebenfalls im Besitz der Man City-Scheichs. Für Arsène Wenger ist die Angelegenheit nicht zum Lachen, er wettert „Wettbewerbsverzerrung“. Arsenal wird in den Zweikampf Man City und Chelsea phasenweise eingreifen können. Für den Titel reicht es wohl wieder nicht, wenn auch mit Alexis Sánchez ein erstklassiger Flügelstürmer zu den Gunners wechselte. Der Chilene wurde in Barcelona immer etwas stiefmütterlich behandelt, könnte aber mit seiner Wucht gut in die Premier League passen.

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Ob man die fehlenden Tore von Luis Suárez in Liverpool kompensieren kann, ist noch nicht zu sagen, der Biss des Uruguayers wird fehlen. In der Breite ist das Team um den in die Jahre gekommenen Kapitän Steven Gerrard stärker geworden. Brendan Rodgers‘ Neuzugänge (Lambert, Lallana, Marković, Can, Lovren, Moreno) machen Sinn. Die Suárez-Millionen scheinen gut investiert. Liverpool wird einen Champions League-Platz ergattern. Bei den Spurs in London nichts Neues, wieder ein Neuanfang bei Tottenham. Diesmal ist es der Trainer, der im Fokus steht, die Southampton-Abwerbung Mauricio Pochettino soll es auf dem Managerstuhl richten. Großes Fragezeichen hinter dem FC Everton. Wird man so eine grandiose Saison nochmals auf die Beine bekommen und sich im Schatten der fünf übermächtigen Giganten behaupten? Trainer Roberto Martínez ist ein Ass seines Gewerbes, ihm ist viel zuzutrauen, nun auch endgültig mit Romelu Lukaku in seinen Reihen. Everton kann wieder Hecht im Karpfenteich werden.

Der Rest wird sich begnügen müssen. Vor Beginn schon ein Trainerrücktritt im Teilnehmerfeld. Tony Pulis warf bei Crystal Palace hin. Querelen mit einem Vereinsfunktionär wollte der charakterstarke Trainer sich nicht länger antun. Von den drei Aufsteigern sind der FC Burnley und Leicester City sicher heißeste Abstiegskandidaten, nun wohl auch Crystal Palace. Dem dritten Aufsteiger Queens Park Rangers, obwohl nur knapp den Sprung in die Erstklassigkeit geschafft, traut man den Klassenerhalt zu. Das liegt am erfahrenen Premier League-Haudegen Harry Redknapp auf dem Managerstuhl und vor allem an höheren Investitionsmöglichkeiten gegenüber den Mitaufsteigern. Das Elend des Tabellenendes wird Louis van Gaal wenig interessieren, er lebt und arbeitet für Titel. Man darf deswegen vor allem auf Manchester United gespannt sein. Kein Verein hat sich wohl über die Sommerpause so neu erfunden wie die Männer aus dem Old Trafford. Es war auch nötig. Great Expectations.

Redaktion Magath & Fußball

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