Vorbildcharakter ?


Veröffentlicht am 18. August 2014

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Pecunia non olet

Aus der Welt des Sportgeschäftes eine neue Volte, die durchaus aufhorchen lässt und eine Art „Vorbildcharakter“ haben könnte. Der legendäre Garri Kasparow wollte dieser Tage – während der Tagung des Weltschachverbandes FIDE – Präsident der Organisation werden und dort mit alten Zöpfen aufräumen. Er hatte nicht nur eine intensive Rede vorbereitet, sondern auch an einen finanzstarken Sponsor gedacht, ließ sich in der Angelegenheit von einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei beraten. Seine Botschaft enthielt nicht nur Inhalt sondern auch zehn Millionen Dollar, die er der FIDE vom Sponsor umgehend in Aussicht stellte. Die FIDE ist da längst weiter als die FIFA, man spricht nicht in Hinterzimmern sondern auf offener Bühne an, was Sache: es geht ums Geld. Kasparows Gegner, der amtierende FIDE-Präsident Kirsan Nikolajewitsch Iljumschinow, in den Jahren 1993 bis 2010 Oberhaupt der Republik Kalmückien, trat nach seinem Herausforderer ans Rednerpult. Staunende Delegierte vernahmen ihn mit Applaus, er kündigte an, er werde heute noch 20 Millionen Dollar an den Weltschachbund FIDE überweisen. Basta. Nicht zur Kasparow verstand die Signale und wusste, die Wahl war gelaufen. Neuer und alter Präsident Kirsan Iljumschinow. Der Weltverband des Fußballs, die FIFA, in der breiten Öffentlichkeit nur noch mit Begriffen wie Korruption, Bestechlichkeit und Betrug in Zusammenhang gebracht, deren Präsident latent die Verachtung von Stadionbesuchern erfährt, dessen Sponsoren – jüngst Sony – auf Aufklärung wegen dubioser Vergabepraktiken drängen, könnte sich nach diesem FIDE-Vorbild neu erfinden. Hätte man die WM-Bewerber vor versammelter Weltöffentlichkeit die Summe ihrer Schecks und Überweisungen verlesen lassen, wären die WM-Ausrichter in 2022 auch die milliardenschweren Wüstensöhne aus Katar geworden und viele investigative Journalisten hätten mehr Freizeit gehabt. Stadien, Liga und Fußball nicht vorhanden, keine Fans, keine Tradition, wen schert es, das Höchstgebot siegt. Basta. Und in Sachen Präsidentenwahl würde es wohl den Fußballfans nicht anders als den Schachfans ergehen. Der Weltschachbund hat eine Art ehrliche Variante gewählt und die Masken fallen gelassen. Das Szenario, welches FIDE wie FIFA dem Publikum bieten, entstammt übrigens nicht Huxleys „Brave New World“ oder Orwells „1984“, es ist vielmehr die real existierende Sportwelt des Jahres 2014.

Redaktion Magath & Fußball

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