Aufsteiger


Veröffentlicht am 2. September 2014

1 Flares 1 Flares ×

imago17346455m_c

Neulinge haben es schwer, oft kein Geld, brauchen einiges an Mut

In Europas Top-Ligen sind die Aufsteiger nicht bereit für die Schlachtbank der „Großen“. Die angeblich „Kleinen“ machen mobil und wehren sich ihrer Haut. Die Kapitäne der wagemutigen Neuankömmlinge heißen in der Bundesliga Uwe Hünemeier, Miso Brecko, in der Premier League Clint Hill, Wes Morgan, Jason Shackell, in der Primera División Txema Añibarro, Manuel Pablo, Abel Gómez und in der Seria A Davide Moro, Édgar Barreto, Riccardo Cazzola. Allesamt lokale Protagonisten, keine Namen aus dem gleißenden Scheinwerferkegel der Weltbühne Fußball. Ein Blick auf die grauen Vereinsmäuse des Fußballs, die oft lebendiger als so manch bunter Tiger, lohnt immer. Er verrät oft mehr über die Beschaffenheit einer Liga und deren Qualität, als der sture Tunnelblick auf die großen Tiere des Fußballuniversums. Oft erklären eben die kleinen Dinge die großen Angelegenheiten, Isaac Newton fiel schließlich ein Apfel auf den Kopf und kein Planet.

In der Bundesliga galt Paderborn als natürlicher Absteiger. Was und wer sonst? Einen Hauch von Braunschweig ließ man aber an der Benteler-Arena gar nicht erst aufkommen. Vier Punkte aus zwei Partien, damit Nummer zwei in der Tabelle, es lässt sich schlechter in eine Länderspielpause gehen. Vater des Paderborner Aufschwungs, der Trainer. Über diesen sagte Felix Magath vor der Saison: „Ich bin begeistert von André Breitenreiter. Er war schon bei Havelse in der vierten Liga erfolgreich. Insofern hat es mich nicht gewundert, dass er auch in Paderborn erstklassige Arbeit leistet. Aber es hat mich gewundert, dass er die Mannschaft zum Aufstieg geführt hat. Hut ab! Ihm steht eine große Karriere als Trainer bevor.“ In Hamburg, beim Dino HSV, zeigte Paderborn, was Fußballwitz, Leidenschaft und Spielfreude sowie Beherrschung der eigenen Mittel gegen eine pomadige Mischung aus Arroganz, Behäbigkeit und Unvermögen vermag. Der SC Paderborn 07 bereichert die Liga. Auch der Aufstiegspartner Köln hält mit, ein Remis und ein Sieg stehen zu Buche. Zwei Abstiegsaspiranten sind hier bisher nicht am Werk.

In England steht der knappste Aufsteiger in die Premier League am besten da. Harry Redknapp und seine Queens Park Rangers haben am dritten Spieltag den katastrophalen Nullnummernstart gewendet und stehen nun bei gezählten drei Punkten, einen Punkt vor Manchester United. Punktgleich mit dem Team aus dem Old Trafford ist der souveräne Championship-Sieger der letzten Saison, Leicester City. Ein extrem schweres Auftaktprogramm aus Everton, Chelsea, Arsenal brachte dennoch zwei Punkte und einen respektablen Start. Der FC Burnley, dritter Aufsteiger im Bunde, kämpfte von der ersten Minute mit vollem Einsatz gegen den von allen erwarteten letzten Platz, steht nun trotzdem an der roten Laterne. Man hat einen Punkt weniger auf der Habenseite als das große Manchester United und trotzte der Startruppe von Louis van Gaal am vergangenen Spieltag einen Punkt ab, den ersten Zähler in dieser Saison. Ein gottgegebener Absteiger ist auch Burnley nicht, zu tapfer wirkt der Kampfgeist des Teams aus der Grafschaft Lancashire. Wird er anhalten?

imago17344371m_c

Die Primera División hat bisher zwei Runden gedreht, in denen der Fußballzwerg und Aufsteiger SD Eibar aus der gleichnamigen 27.000 Seelen-Gemeinde im Baskenland einen Sieg und eine Niederlage mitbrachte. Der kleine Club will große Dinge schaffen und die Edel-Liga Spaniens halten, der Anfang ist gemacht. Mitaufsteiger Deportivo La Coruña und der FC Cordoba stehen schlechter, beide jeweils eine Niederlage und ein Remis auf dem Konto, einen Sieg wie die tapferen Basken haben sie noch nicht im Köcher. Im italienischen Spielbetrieb lieferte die Serie A am Wochenende ihren ersten Spieltag ab. Die Neulinge boten die gesamte Palette. Der FC Empoli startete mit einer Niederlage, US Palermo holte ein Remis und der AC Cesena bescherte sich zum Start einen Dreier.

In den Top-Ligen Europas deutet nichts auf die Formel „Aufsteiger = Absteiger“, die vermeintlichen Zwerge machen mobil, die Etablierten sollten dies durchaus als Bedrohung ansehen. Die Magie der neuen Dinge beginnt zu wirken, ob sie über eine ganze Saison trägt, werden wir auch an dieser Stelle mit Sympathie und Interesse im Auge behalten.

Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar