Himmlischer Beistand


Veröffentlicht am 4. September 2014

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Lieblingsverein von Papst Franziskus gewinnt Copa Libertadores

Fußball spielen können die Argentinier. Sie haben nicht nur einen Messi und Maradona hervorgebracht und augenblicklich Spitzenkicker wie di Maria und Agüero in ihrem Nationalteam, auch der große Fußballphilosoph Menotti ist Argentinier. Uns Deutschen verlangten die Gauchos auf dem Weg zum WM-Titel über 120 Minuten alles ab. Sie schlugen sich in Brasilien achtbar bis gut, nicht so einfallslos wie Spanien, Italien, England oder so blamabel wie der Gastgeber. Im ersten Spiel nach der WM trafen sie gleich auf ihren Bezwinger Deutschland, den für vier Jahre gekrönten Weltmeister. Argentinien gewann dieses Spiel ohne Wert und Muster mit 4:2, Trost werden sie darin nicht finden. Immerhin ein guter Einstand für Neu-Trainer Gerardo Martino. Messi hatte den Weg nach Düsseldorf erst gar nicht angetreten, wer mag es ihm verdenken. Wenn auch Lionel Messi kein Fußballweltmeister mehr wird, die Chance ist wohl vertan, er gehört den Argentiniern. Manchmal unverstanden, manchmal geliebt, aber immer einer von ihnen. Gehören tut dem Land am Río de la Plata seit Mitte August 2014 auch die Copa Libertadores. Das Team vom Club Atlético San Lorenzo de Almagro aus einem Vorort von Buenos Aires – unter der gestrengen Regie von Trainer Edgardo Bauza geformt – holte die Champions League Südamerikas nach Argentinien.

Der zehnmalige argentinische Meister besiegte in Hin- und Rückspiel das Team von Club Nacional Asunción aus Paraguay. Im Auswärtsspiel schaffte San Lorenzo sich eine gute Ausgangsposition und brachte ein 1:1 mit in die Heimat. Im eigenen, mit 43.000 Zuschauern ausverkauften Estadio Pedro Bidegain in Buenos Aires Stadtteil Flores, sicherte man sich mit einem 1:0-Heimsieg den Titel. Ein in der 36. Minute verwandelter Elfmeter von Néstor Ortigoza erwies sich als der goldene Treffer des Tages. Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte konnte San Lorenzo die südamerikanische Königsklasse für sich entschieden. Dem asketischen Trainer Edgardo Bauza gelang dies bereits zum zweiten Mal. Er gewann 2008 völlig überraschend mit dem ecuadorianischen Klub Liga de Quito die Copa Libertadores und wuchtete sich damit in den südamerikanischen Trainerolymp. Die schon klassische Borniertheit der Europäer, nur wir können Fußball spielen und nur unser Zirkus ist der Betrachtung wert, sorgte für eher kleine bis nichtige Nachrichtensplitter, mehr wert ist unserer Berichterstattung der Kontinent nicht, auf dem immerhin drei Weltmeister residieren, deren Spieler die europäischen Ligen mitprägen. Man versuche in deutschen Sportzeitungen und Fußballmagazinen einen Blick auf den südamerikanischen Ligabetreib oder deren Kontinentalwettbewerb.

Einer hat diese Ignoranz durchbrochen, er lässt sich auch schwerlich ausblenden. Papst Franziskus ist seit dem 100. Geburtstag des Clubs im Jahr 2008 Ehrenmitglied. Der Heilige Vater trägt die Mitgliedsnummer 88.235. Für den 1936 in Buenos Aires geborenen Jorge Mario Bergoglio ist der Club San Lorenzo nicht nur PR-Angelegenheit, sondern es verbindet ihn echte und heißblütige Sympathie. San Lorenzo wurde vor 106 Jahren immerhin von einem Priester gegründet. Der Papst liebt den Fußball und er versteht eine Menge davon. Nach dem Sieg in der Copa Libertadores ließ er es sich nicht nehmen, die Männer von San Lorenzo in einer Privataudienz im Vatikan zu empfangen. Nur eine Woche nach dem Sieg haben die Fußballer von San Lorenzo ihrem prominentesten Fan einen Besuch abgestattet. In Argentinien nennt man sie nur den „Papst-Club“. Für ihr berühmtes Mitglied hatten die Spieler natürlich rote und blaue Trikots dabei, der Papst stemmte selbstverständlich auch die Siegestrophäe in die Höhe. Sein Kommentar an diesem Tag: „Nein, dies war kein Wunder. Ich bin sehr glücklich. Meine ganze Familie hat San Lorenzo unterstützt. Als Kind habe ich manchmal die Spiele im Stadion verfolgt.“

Glückwunsch und Anerkennung auch von dieser Stelle Richtung des südamerikanischen Kontinents – an das Team vom Club Atlético San Lorenzo de Almagro.

Redaktion Magath & Fußball

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